Geschichte des Kunststoffs

Biografien von Pionieren der Kunststofftechnik

Paul Schlack

* 22.12.1897 in Stuttgart
† 19.08.1987 in Leinfelden-Echterdingen

Paul Schlack war maßgeblich an der Entwicklung der synthetischen Polyamidfaser „Perlon“ aus Caprolactam beteiligt.


"Paul Schlack - Eine Faser macht noch kein Wirtschaftswunder"

(Quelle: "Portraits in Plastik – Pioniere des polymeren Zeitalters", 1998, Siegfried Heimlich, Frankfurt am Main - mit sehr freundlicher Genehmigung des Autors)

Am 18. Dezember 1962 findet im großen Hörsaal des Instituts für organische Chemie an der Technischen Hochschule Stuttgart ein Festkolloquium statt. Anlaß ist der 65. Geburtstag von Dr. Paul Schlack, der erst ein Jahr zuvor als Honorarprofessor an die Hochschule berufen wurde. Professor Eugen Müller aus Tübingen referiert über "Lactame - Grundstoffe für Fasern und Kunststoffe". Nicht von ungefähr: Denn exakt das ist das Feld, auf dem der Jubilar eine reiche Ernte eingefahren hat. In seinen eigenen Reminiszenzen "Vom Lacctam zum Polyamid" geht Schlack auf die Anfänge seiner Forschungen auf diesem Gebiet ein. Die Arbeiten hätte er damals eher "nebenher" ausgeführt: "Bei Eintritt in das Berufsleben lag mir nichts ferner, als die Entwicklung einer synthetischen Faser." Seine eigentliche Liebe - so gesteht der an Jahren schon betagte, in seiner Funktion noch junge Professor dem Auditorium - hätte seinerzeit der Fotochemie gegolten. Das mag stimmen und hätte mit einem seiner ersten Jobs bei Agfa ja auch in diese Richtung laufen können. Doch Ruhm und Ehre brachte Schlack die Polymerchemie: Caprolactam, aus dem der gelernte Chemiker und seine Kollegen eine Faser entwickelten, die als "Perlon" Furore machte. Sie brachte zwar nicht im Alleingang das Wirtschaftswunder, ist jedoch mit dem Aufschwung des Nachkriegsdeutschlands in den 50er Jahren so untrennbar verbunden wie der dicke Ludwig Erhard (1897-1977), Wirtschaftsminister der Bundesrepublik in jenen Jahren.

Zwar hatte in den USA ein bei dem dortigen Chemiegiganten Du Pont laborierender junger Chemiker, Wallace Hume Carothers (1896-1937), als erster eine vollsynthetische Polyamidfaser entdeckt. Die sollte als "Nylon" nach dem 2. Weltkrieg (1939-1945) in der Neuen und später auch restlichen Welt zu ungeheuren Höhenflügen ansetzen. Doch in Europa und vor allem in Deutschland war man nicht untätig. Und noch ehe Du Pont seine Faser aus der Retorte auf den Markt bringen konnte, hatte ein gewisser und gewitzter Paul Schlack in der Fachliteratur einiges über Carothers Arbeiten gelesen und sich selbst ans Forschen gemacht.

Schlack, im Dezember 1897 in Stuttgart geboren, hatte 1915 an der TH seines Geburtsorts ein Studium der Chemie begonnen. Er mußte es dann wegen des 1. Weltkriegs (1914-1918) kurz unterbrechen und konnte es 1921 mit dem Diplomexamen beenden. Keine besonders günstige Zeit: viel Armut, wenig Arbeit. Schlack ging als wissenschaftlicher Assistent zu einer Firma in die dänische Hauptstadt Kopenhagen. Dort arbeitete er u.a. über Proteine, Polypeptide und über synthetische Eiweißfasern. Ende 1922 kehrte er an die TH Stuttgart zurück und promovierte dort 1924.

Es ist das Jahr, in dem Lenin stirbt, die Indianer in den USA endlich die Bürgerrechte erhalten, die Damen alle "Bubikopf" tragen und erstmals eine elektrische Bildübertragung auf einer Fernsprechleitung gelingt. Aber es ist auch das Jahr der großen Wirtschaftskrise, der Massenentlassungen und der Inflation. Schlack ist froh, eine Stellung als wissenschaftlicher Laborant bei den Agfa-Kunstseidefabriken in Wolfen zu ergattern. Nicht gerade ein Traumjob für einen frischgekürten Doktor der Chemie, weit weg von seiner eigentlichen Liebe, der Fotochemie, und ein völlig neues Arbeitsgebiet, in das er sich erst einarbeiten muß.

Doch offensichtlich hat es geklappt! Denn 1926 finden wir Paul Schlack als Leiter der Forschungsabteilung bei der Aceta GmbH in Berlin-Lichtenberg. Das ist ein Gemeinschaftsunternehmen der IG Farben AG und der Vereinigten Glanzstoff-Fabriken AG. Der inzwischen 30jährige Schlack beschäftigt sich hier mit der chemischen Modifikation der Acetatseide, arbeitet aber auch über Polyurethane, Polyharnstoffe und Epoxidharze. Ein von ihm angemeldetes und das wahrscheinlich älteste Patent auf dem Gebiet der Epoxidharze untersucht die Eignung von linearen Polymeren auf Basis von Polyvinyl, Polyester und Polyamid, mit dem Ziel, daraus synthetische Fasern herzustellen.

Im Sommer 1937 soll dann das große "Aha-Erlebnis" des Dr. Schlack stattgefunden haben: bei einem Ausflug an den Tegeler See mit Kind und Kegel. Im Gepäck waren nicht nur der Picknick-Korb, Badeanzüge und Sonnenöl, sondern auch ein Stapel wichtiger Papiere. Das waren die ersten Patenveröffentlichungen des Du Pont-Chemiker Carothers über das von ihm entdeckte "Nylon". "Was ich da in den Patentschriften aus Übersee las, verschlug mir den Atem", so Schlack später in einem Vortrag, "nun sah man, was in der vergangenen Krisenzeit bei uns verpaßt worden war." Aber es plagten ihn an diesem Sommertag am Badesee auch leise Zweifel, ob es überhaupt gelingen würde, diese gut abgefaßten, weitreichenden Schutzrechte der Amerikaner zu umgehen.

Doch Schlacks Entschluß stand fest: Die alten Arbeiten werden wieder aufgegriffen, werden jetzt erst recht intensiviert: Sofern ihm der Streß als einer der wichtigsten Figuren im Hause der Aceta für das Vorhaben Zeit ließ. Schließlich hatte der Mann noch einen Haufen anderer Dinge um die Ohren, so daß ihm nur eine beschränkte Zeit zur Verfügung stand, sich mit der Polyamid-Forschung zu befassen. Kam hinzu, daß er als Chef eines großen Laboratoriums nicht gut selbst am Experimentiertisch stehen konnte, daß er über keinen eigenen Arbeitsplatz in diesem Bereich verfügte. Er mußte seine Vorstellungen über notwendige Versuche und die dafür getroffenen Anweisungen an einen seiner Mitarbeiter delegieren.

Doch die Mannschaft zog hervorragend mit: Das kleine Team von Schlack konzentrierte sich zunächst wieder auf die gute alte Aminocapronsäure, dann auf Caprolactam, interessant schon wegen seines ringförmigen Molekülaufbaus. Schlack wußte aus der Lektüre der US-Unterlagen, daß auch sein Kollege Carothers auf der anderen Seite des Großen Teichs mit diesem Ausgangsmaterial experimentiert hatte. Carothers aber hatte Caprolactam dann ausdrücklich als unbrauchbar für die PA-Synthese verworfen.

Schlack und seine Leute waren hartnäckiger als die amerikanische Konkurrenz. Der Erfolg belohnte ihre Ausdauer. Schon ein Vierteljahr nach erneuter Aufnahme der Versuche hielt der Meister ein Polymerisat des Caprolactams in den Händen. Das war eine furchtbar zähe, hornartige Masse, aus deren Schmelze sich jedoch Fäden ziehen ließen - endlos und ohne abzureißen. Im kalten Zustand konnten diese Fäden dann mühelos verstreckt werden, um sich in der molekularen Struktur zu orientieren. Das ergab eine außerordentliche Reißfestigkeit und passierte in der Nacht vom 28. auf den 29. Januar 1938. Und es war quasi die Geburtsstunde des "Perlon", dessen große Stunde aber erst ein gutes Jahrzehnt später kommen sollte.

Das Geheimnis des überraschenden Erfolgs: Caprolactam war in Kombination mit einem geeigneten Katalysator in einem dickwandigen Rohr und in einem Ofen eine Nacht lang auf 240°C erhitzt worden. Nun mußte ein technisch geeignetes Verfahren zur Polymerisation des Caprolactam und zum Verspinnen der Fäden gefunden werden. Keine ganz leichte Aufgabe in dem schon von den Vorbereitungen auf kriegerische Zeiten geprägten Nazi-Deutschland. Spezialapparaturen aus hochwertigen, legierten Stählen waren nur mit besonderer Genehmigung zu erhalten. Das aber hätte nicht nur umständliche Amtswege bedeutet, sondern gleichzeitig auch, die streng geheimen Forschungen öffentlich zu machen. Schlack wollte dieses Risiko vermeiden. Auf Umwegen gelang es ihm schließlich, sich einen voluminösen Kessel aus feinstem Edelstahl zu besorgen. Ein Riesentopf, der für den Bedarf von Großküchen konzipiert war.

Darin wurden nun keine Erbsen- oder Gulaschsuppen, sondern kleine Mengen von Cyclohexanonoxim, dem Ausgangsstoff für die Produktion von Caprolactam, "gekocht". In einem Nachbarraum wurde die Lösung des Oxims in 90prozentiger Schwefelsäure durch einen Röhrenofen geschickt. Der ganze Vorgang - so erinnerte sich Schlack später - wirkte ziemlich archaisch und hatte wenig mit der gewohnten Professionalität industrieller Prozeßtechnik zu tun. Unter heftigem Zischen und Brodeln verwandelte sich das Oxim in Caprolactam, mußte dann noch aufgearbeitet und unter Vakuum destilliert werden. Immerhin: Etwa ein bis zwei Kilo Caprolactam konnten auf diese Weise täglich hergestellt werden.

Ganz einfach war es in der Steinzeit der vollsynthetischen Fasern weiß Gott nicht, die Ursuppe zu bereiten, aus der das Kunstgarn sich ziehen lässt. Das Caprolactam mußte mit viel Hitze und mit Hilfe eines Katalysators polymerisiert werden. Es wurde dann durch eine Düse gepreßt, damals noch ohne Pumpe, lediglich durch den Druck von Stickstoff. Aus den klitzekleinen Öffnungen der Düse, den Kapillaren, traten die "Perlon"-Fäden als endlose Stränge aus. Doch die leitenden Herren aus der Vorstandsetage der IG Farben-Mutter, die sich irgendwann im späten Frühjahr 1938 die primitive Faserproduktion in Berlin-Lichtenfeld ansahen, waren beeindruckt. Auf ihre erstaunte Frage, ob diese Fäden denn nie abreißen, hieß es lakonisch: "Erst, wenn unser Vorrat an Spinnmasse aufgebraucht ist." Und das konnte dauern, denn zu diesem Zeitpunkt lief die Maschine schon geschlagene fünf Stunden ohne Unterbrechung.

Halten wir also fest: 1938 ist das Geburtsjahr des "Perlon", das damals allerdings noch nicht auf diesen Namen getauft wurde. Es ist das Jahr, in dem Gustav Gründgens Film mit dem bezeichnenden Titel "Tanz auf dem Vulkan" in die Kinos kommt; deutsche Truppen marschieren in Osterreich ein und schreiben den "Anschluß der Ostmark" an das Deutsche Reich fest; und es ist das Jahr, in dem organisierte Judenprogrome in der Nacht vom 8. auf den 9. November stattfinden, als die Synagogen brennen. Es ist eine Zeit, in der es in Deutschland und Europa an allen Ecken und Grenzen schon gewaltig nach Krieg stinkt.

Aber nicht nur aus diesen Gründen - so Schlack dazu einmal später - lief die ganze Aktion dieser zukunftsträchtigen Entwicklung in den ersten Monaten unter dem Signum "Streng geheim". Alle in diesem Zusammenhang eingesetzten Rohstoffe erhielten Decknamen. Aus einigen der dabei verwendeten Chiffren entstand anschließend übrigens die Bezeichnung "Perlon". Selbst das Patent wurde erst vier Monate nach der eigentlichen Geburt angemeldet. Dieses Risiko ging man ganz bewußt ein, auch im Wissen, daß ja nicht nur in der deutschen Großchemie mit Eifer und Nachdruck auf dem Gebiet der Polyamide gearbeitet wurde. Andererseits - so Ernst Bäumler in seinem Kompendium "Ein Jahrhundert Chemie" - konnte die IG Farben AG mit einem Schlag eine verhältnismäßig umfassende Patentsicherung erreichen. Sie mußte nicht zu früh durch die erforderliche Offenlegung der Patentschrift die internationale Konkurrenz schlau machen und die Karten aufdecken.

Das bekam auch jene Delegation von Du Pont-Managern zu spüren, die im Spätsommer 1938 in Berlin landete, um im Bewußtsein ihres "Nylon"-Triumphes mit der Direktion der IG Farben erste Lizenzgespräche zu führen. Doch da machten die Gentlemen aus Übersee ziemlich lange Gesichter, als man ihnen die bereits hochwertigen Fäden und Gewirke aus "Perlon" präsentierte, einschließlich detaillierter Farbmusterkarten und Echtheits-Bewertungen. Ihr Erstaunen war umso größer, da Carothers doch ausdrücklich als unbrauchbar aussortiert hatte, woraus die Deutschen ihre Fäden spannen: aus Caprolactam; so daß auch keines ihrer Patente verletzt wurde. Kleinlaut reisten die Amerikaner wieder ab.

In Deutschland setzte man auf "Perlon". Nicht einmal so sehr aus nationalen oder patriotischem Ehrgeiz, sondern aus dem pragmatischen Grund, daß sich das Ausgangsmaterial, das polymere Caprolactam, einfacher und im kontinuierlichen Prozeß gewinnen ließ.

Schon ein halbes Jahr nach der Erfindung des Paul Schlack wurden für erste Testzwecke ein paar Damenstrümpfe aus dem neuartigen Garn "gestrickt". Auch gab es in Berlin-Lichtenberg im Laufe des Jahres 1939 eine erste "Perlon"-Versuchsfabrik. Dort wurden Borsten aus der Retortenfaser zur Herstellung von Haar- und Handbürsten hergestellt (und auch verkauft!). Auf der anderen Seite des großen Atlantiks, in der US-Kommune Seaford, baute Du Pont zur selben Zeit ein erstes Werk zur Produktion von "Nylon", das aber nicht auf dem offiziellen Markt landete, sondern zu 100 Prozent in die Rüstungsbranche ging, vorwiegend zur Herstellung von Fallschirmseide.

Viel anders sah es auch diesseits des Großen Teichs nicht aus, wo Hitler im September 1939 mit dem Überfall auf Polen seinen flächendeckenden Vernichtungskrieg startete. In den folgenden Kriegsjahren entstanden in Berlin, Premnitz und vor allem in Landsberg an der Warthe Produktionsstätten für "Perlon". Doch daraus wurden nun keine Damenstrümpfe mehr fabriziert, keine Borsten für Haar- oder Zahnbürsten. Jede Tonne "Perlon", die in den neuen Werken entstand, wanderte in die deutsche Rüstungsindustrie. Vor allem die Luftwaffe war ganz wild auf den synthetischen Polyamidfaden. Einmal wurde daraus analog zu den USA Seide für Fallschirme hergestellt; außerdem konnten damit Flugzeuggreifen verstärkt werden.

Dann, am 8. Mai 1945, ist der 2. Weltkrieg zu Ende. Mit der totalen Kapitulation des Deutschen Reichs, nach fast sechs mörderischen, schlimmen Jahren, mit Millionen von Toten, mit einer nahezu völlig zerstörten Industrie, zerbombten Städten und Tausenden von Kriegsgefangenen. Paul Schlack, der als unabkömmlich selbst nicht eingezogen worden war, gelingt es, sich mit einem der letzten Züge und einer Handvoll Kisten voller "Perlon"-Know-how bis zum Zweigwerk Bobingen unweit von Augsburg durchzuschlagen. "Ohne diese Unterlagen hätte ich kaum riskiert, dort eine neue ,Perlon'-Entwicklung aufzubauen", erinnerte sich Schlack an diese erste Zeit nach Kriegsende. Aber so geht er das Risiko ein und legt los.

Schlack wird im ehemaligen IG-Farbenwerk Bobingen zunächst mal Betriebsleiter für die "Perlon"-Fabrikation, später dann technischer Direktor der "Kunstseidenfabrik Bobingen US-Administration", wie sich das süddeutsche Unternehmen nach der Zerschlagung des IG-Farbenkonzerns durch die Alliierten nennt. Es ist eines der ältesten Chemiefaser-Werke in Europa, zum Glück ohne größere Kriegsschäden und mit einem beträchtlichen Rohstofflager, wie Schlack erfreut feststellen kann. Schon nach wenigen Wochen kann eine kleine Produktion in Bobingen anlaufen. Und waren es zu Beginn der Bobinger Zeit noch Borsten aus Viskose, so sind es bald schon solche aus "Perlon", mit denen dann die Besen und Bürsten für die bundesdeutschen Aufbaujahre gefertigt werden.

Denn irgendwie war es Schlack gelungen, eine noch halbwegs funktionierende Apparatur über die Wirren des kriegerischen Finales zu retten. Auf der wird aus Caprolactam das "Perlon" einer neuen Zeitrechnung nach dem Jahre null produziert. Problematisch ist allerdings, an die benötigten Rohstoffe zu gelangen, nachdem die Bestände des eigenen Lagers weitgehend erschöpft sind. Über komplizierte Kompensationsgeschäfte - so liest sich das in den Aufzeichnungen des Paul Schlack - muß das Caprolactam aus Leuna in der damaligen Ostzone beschafft werden, bis im Westen - in Ludwigshafen - endlich auch wieder eine Lactam-Fabrikation anlaufen kann: "Allerdings war auch aus der französischen Zone vorläufig nichts ohne afrikanische Tauschmethoden zu erhalten."

Am 17. August 1950 beschloß die Alliierte Hohe Kommission der sogenannten Siegermächte das endgültige Auflösungsgesetz für den IG-Farbenkonzern in den westlichen Besatzungszonen. Nach heftigen Querelen um Größe und Struktur wurden insgesamt 12 neue Unternehmen gegründet, u.a. die heutige Bayer, BASF und Hoechst AG. Das Werk Bobingen, in dem Schlack noch immer als technischer Direktor wirkte, kam unter das Firmendach der Frankfurter Hoechst AG.

Und bald - so hält Udo Tschimmel in seiner "Zehntausend-Dollar-Idee" fest - wurden in Frankfurt, aber auch in anderen Unternehmen der Hoechster jede Menge Fäden aus "Perlon" für das Wirtschaftswunder gesponnen. Kaum ein Produkt ist so eng mit diesem Phänomen des Aufschwungs verknüpft wie dieser Faden aus der chemischen Retorte. "Perlon" entsprach den Wünschen und Sehnsüchten vieler Frauen nach einer leichten, luftigen Kostbarkeit, die sie in den endlosen Jahren des Krieges und in den Trümmern der zerstörten Städte zutiefst vermisst hatten. "Perlon" - so Sabine Weißler in ihrem Buch "Plastikwelten" - das war etwas ganz Neues. Es paßte so gut in den Versuch, das "Gestern gestern sein zu lassen" und sich als neue Menschen zu präsentieren.

Paul Schlack wechselt 1955 und mit bereits 58 Jahren von Bobingen in das Werk Hoechst der Muttergesellschaft, um dort die Leitung der Faserforschung zu übernehmen. Im Laufe seines Lebens hat er mehr als 300 Patente angemeldet. Und in einem Alter, in dem andere sich schon längst in den Ruhestand verabschiedet haben, 1961 und immerhin schon 64 Jahre alt, wird Paul Schlack Honorarprofessor für Textilchemie an der TH Stuttgart. Sicher ein kleiner (oder auch großer) Triumph für den kreativen Schwaben. Denn dort schließlich hatte er vor einem knappen halben Jahrhundert seine Karriere gestartet.

Am 19. August 1987 stirbt er in Leinfelden-Echterdingen, wo er sich nach seiner Emeritierung niedergelassen hat. Nicht viel mehr als einen guten Fußmarsch von seiner Geburtsstadt Stuttgart entfernt schließt sich der Kreis. Doch keine Ahnung, ob sein letztes Hemd aus "Perlon" war?



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