bvse-Marktbericht Kunststoffe - November 2012

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1. Der Markt für Primärkunststoffe

Nach wie vor kann die Wirtschaftssituation in Deutschland durch Zaudern, Zögern und Pro-duzieren beschrieben werden. Die Signale stehen dabei sowohl auf verhaltenem Optimismus wie auch auf eine sich weiter eintrübende Wirtschaft. Damit sind die kurz- und mittelfristigen Planungen für die Unternehmen sehr erschwert. Positiv ist der nachhaltige Konsum in Deutschland, der sowohl in kurzlebige Konsumgüter wie auch in mittelfristige Verbrauchsgü-ter und in langlebige Immobilien erfolgt. Darüber hinaus stabilisieren die zahlreichen Nischen und Spezialitäten, die vor allem der Mittelstand bedient, die Wirtschaftslage. Die mittelstän-disch produzierten Güter finden ausreichend Absatz sowohl im Inland wie auch im Ausland.

Im Oktober können die Preissteigerungen aus dem September nicht mehr gehalten werden. Eine geringere Nachfrage nach Standardkunststoffen sowie rückläufige Vorproduktpreise führen zu geringfügig nachgebenden Kunststoffpreisen in EUWID. Kunststoffverarbeiter set-zen auf weiter nachgebende Preise und üben sich daher in Kaufzurückhaltung. Alle Stan-dardkunststoffe sind gut verfügbar. Für die Notierungen der letzten beiden Monate werden stabile bis leicht nachgebende Kunststoffpreise erwartet.

So werden bei den Standardkunststoffen, mit Ausnahme von PS, Preisrücknahmen von 20 €/t bis 30 €/t wirksam. PS kann leicht höhere Preise und zwar um durchschnittlich 25 €/t durchsetzen. Über die unten beispielhaft gelisteten Kunststoffe ergibt sich in EUWID ein Durchschnittspreis von 1484 €/t. Damit ist der Kunststoffpreis um 19 €/t niedriger als im Vormonat. Im Oktober notieren in EUWID die Standardkunststoffe z.B. zu: LLDPE-Folie 1410-1470 €/t, HDPE-Spritzguss 1500-1570 €/t, HDPE-Blasware 1480-1550 €/t, PS-glasklar 1590-1650 €/t, PP-Copolymer 1470-1560 €/t, PVC-Rohrqualität 1190-1230 €/t und PVC-Folien/Kabel 1290-1330 €/t.Die PET-Märkte haben sich im September und Oktober beruhigt – das Angebot ist ausreichend und die Nachfrage noch rückläufig. Allerdings sollte sich im Zuge des Weihnachtsgeschäftes die PET-Nachfrage wieder beleben.

Im Oktoberpreisspiegel von EUWID notieren die Technischen Kunststoffe unverändert zu August. Die Nachfrage kann zwar als ausreichend bezeichnet werden, da ja die laufende Produktion von Wirtschafts- und Konsumgütern bedient wird, dennoch ist in den Märkten nur wenig an Bewegung festzustellen; Wachstumsimpulse fehlen. Bis Jahresende wird sich diese Situation bei den Technischen Kunststoffen voraussichtlich kaum verbessern.


2. Der Markt für Sekundärkunststoffe

Die Sekundärmärkte folgen im Oktober wiederum den Primärmärkten. Im Oktoberpreisspie-gel weist EUWID Preisnachlässe von durchschnittlich 14 €/t für die Standardkunststoffe, mit Ausnahme von PS, aus. PS notiert, s. hierzu auch den Primärmarkt, unverändert. Ballenware kann günstiger eingekauft werden. Allerdings geben auch die Recyclatpreise nach. Die Preisrücknahmen über alle Standardkunststoffe, die in plasticker notiert werden, fallen dage-gen deutlich geringer aus – im Mittel betragen sie nur 7 €/t. Die Kunststoffnachfrage im Ok-tober und November ist rückläufig. Primärkunststoffverarbeiter verringern durch gezielten Lageraufbau ihre Abhängigkeit von den Volatilitäten bei den Primärkunststoffen. Dies ist um-gekehrt genauso bei den Kunststoffrecyclern festzustellen, die Recyclate in größerem Um-fang als bisher einlagern können. Die letzten beiden Monate des Jahres 2012 werden wohl in der Kunststoffnachfrage schwächer.

Über anhaltend verschärfte Kontrollen der Fernostexporte in die VR China und zwar sowohl in den europäischen Ausfuhr- als auch in den chinesischen Einfuhrhäfen wird berichtet. Auch das AQSIQ-System wird verschärft. Exporte nach China sollen möglichst direkt erfolgen und dann nur noch in die hierfür geschaffenen Recyclingzentren. Die VR China achtet weiterhin sehr auf Qualitäten. Exporte nach Hongkong werden zunehmend erschwert. Auch greifen nun die Umweltschutzvorschriften stärker. Viele Kunststoffrecycler in der VR China kämpfen wegen der strenger werdenden Bestimmungen um ausreichende Verarbeitungsmengen. Die steigenden Qualitätsanforderungen an das Material für den Export nach China führen zu einem Abrutschen der eingeführten Mengen. Der Rückgang soll in manchen Häfen bis zu 50 Prozent betragen, s. hierzu auch den Bericht in Recycling International. Zusätzlich steigen die Exportkosten, da die Zollabfertigung zur Zeit deutlich länger dauere. Dies alles wird letztlich das bestehende Kunststoffrecycling in China deutlich verändern.


2.1 Preisspiegel EUWID

Im September weist der Preisspiegel in EUWID für zahlreiche Altkunststoffe moderate Preisrücknahmen von 5 €/t bis 50 €/t aus. Die Preiserhöhungen aus dem Vormonat sind damit obsolet.

PE: Die meisten Preisveränderungen zeigen sich bei PE. Bei PE-Produktionsabfällen liegen die Preisrücknahmen bei durchschnittlich 15 €/t. Nur bunte LDPE-Folie notiert um 20 €/t im oberen Bereich höher. Die veränderten Notierungen lauten beispielsweise: HDPE bunt 470-640 €/t, LDPE natur 630-700 €/t, und LDPE-Folie natur (K 40) 440-500 €/t. Bei PE post user liegen die Preisrücknahmen bei durchschnittlich 12 €/t. Die folgenden Preisveränderungen sind bei PE post user zu melden: Folie transparent natur < 70 µm 370-420 €/t, LDPE-Agrarfolie s/w 30-65 €/t. Gewerbemischfolie 90/10 240-280 €/t, Gewerbemischfolie 80/20 230-260 €/t, HDPE Kastenware farbsortiert 620-720 €/t und HDPE Kastenware bunt 510-620 €/t.

PP: Die PP-Zweitmärkte sind hinsichtlich Qualitäten inzwischen gut ausbilanziert. Allerdings stockt der Mengenabfluss von PP-Recyclaten in die höherwertigen Anwendungen auf Grund der nachlassenden Nachfrage. Die PP-Preise geben um durchschnittlich 20 €/t nach, zum Beispiel bei: Folie bunt (K 59) 120-280 €/t, Folie natur (K 50) 300-400 €/t, Homopolymer natur 600-750 €/t und Copolymer bunt mit 440-630 €/t.

PS zeigt kaum Preisbewegungen. Nur Schlagfest bunt mit 600-700 €/t notiert im oberen Preisbereich um 20 €/t höher. Die Baukonjunktur verzeichnet wetterbedingt noch keinen Einbruch und stabilisiert so die PS-Nachfrage.

Bei PVC-Produktionsabfällen werden die Preiserhöhungen aus dem Vormonat rückgängig gemacht, z.B. bei: Weich transparent 410-490 €/t, Hart transparent 480-600 €/t, und Rohr-qualität bunt 500-560 €/t. Der durchschnittliche Preisnachlass beträgt 11 €/t. Bei PVC-Fensterware notiert Fensterqualität weiß jetzt zu 620-740 €/t.

Stagnation bei PET: Der Oktober erweist sich als ruhiger Monat. Weitere Marktimpulse wer-den vom erhöhten Getränkeverbrauch im Weihnachtsgeschäft erwartet. Zunehmend drängt so genanntes Bio-PET in den Markt. Die EUWID-Notierungen für gebrauchte PET-Einwegflaschen sind im Oktober unverändert: PET klar 340-400 €/t und PET bunt 160-210 €/t.


2.2 Preisspiegel plasticker

Auf Grund der prognostizierten Marktveränderungen werden hier zum sechsten Mal die tagesaktuellen Notierungen in plasticker sowohl für die Standardkunststoffe, s. Tabelle 1, wie auch für die Technischen Kunststoffe, s. Tabelle 2, gelistet. Dies sind allerdings nicht die abschließenden November-Notierungen sondern lediglich ein Zwischenstand. Die Internetplattform plasticker weist bei den Standardkunststoffen am 13.11.2012 eine durchschnittliche Preiserhöhung von 32 €/t und bei den Technischen Kunststoffen am 19.11.2012 eine durchschnittliche Preiserhöhung von 44 €/t aus.

Standardkunststoffe: Die Oktobernotierungen mit durchschnittlich 646 €/t entsprechen denen des Septembers mit durchschnittlich 651 €/t. Allerdings sind die Änderungen bei den einzelnen Kunststoffarten sehr deutlich; dies ist eine Umbewertung der bestehenden Preise. Im Oktober fällt die Nachfrage nach Standardkunststoffen geringer aus als im Vormonat. Der Preisspiegel weist dabei sowohl Preisabschläge von 10 €/t bis 160 €/t als auch Preiserhöhungen von 10 €/t bis 200 €/t auf. PE notiert schwächer, während PP, PS, PVC und PET fester notieren. Bei LDPE-Ballenware hat sich der Preis halbiert und bei Mahlgut aus w_PVC liegen zu wenige Angebote vor, um die Preiserhöhung von 200 €/t als gesichert auszuweisen. Laut plasticker verändern sich im Oktober die folgenden beispielhaften Preisnotierungen um mehr als ±40 €/t im Vergleich zum Vormonat: HDPE-Granulat -70 €/t, LDPE-Ballenware -160 €/t, PP-Ballenware -80 €/t, h_PVC-Mahlgut +60 €/t und PET-Mahlgut bunt +70 €/t.

Eine erste Vorschau in die derzeitigen November-Notierungen, die allerdings abschließend erst im Dezember gemeldet werden können, gibt den voraussichtlichen Durchschnittspreis zu 678 €/t an. Die Nachfrage nach Standardkunststoffen gibt im November nochmals nach.

Tabelle 1: Notierungen für Standardkunststoffe in plasticker; Angaben in €/t

*: Zu geringe Angebotszahl, um eine statistische Signifikanz zu erreichen; 1: entspricht der Qualität Produktionsabfall, bunt; 2: entspricht K49; 3: entspricht K59; 4: entspricht Standard bunt; 5: entspricht der Qualität Regranulat schwarz; 6: Vorschau, die sich durch weitere Angebote verändern kann.

Technische Kunststoffe: Im Oktober geben die Preise der Technischen Kunststoffe wieder nach. Die Technischen Kunststoffe notieren jetzt um durchschnittlich 53 €/t niedriger als im Vormonat. Der Oktober-Preisspiegel weist zwei Preiserhöhungen, und zwar zu 10 €/t und zu 60 €/t, und ansonsten Preisnachlässe von 20 €/t und 150 €/t aus. Die Kaufnachfrage ist auch im Oktober hoch; sie übertrifft sogar etwas diejenige des Septembers. Preistiefstände über den Zeitraum der letzten 18 Monate hinweg werden bei den Granulaten aus PC, PA und POM beobachtet. Laut plasticker verändern sich im Oktober die folgenden Preisnotierungen um mehr als ±70 €/t bei: ABS-Granulat -150 €/t, und POM-Granulat -150 €/t.

Eine erste Vorschau in die derzeitigen November-Notierungen, die abschließend allerdings erst Anfang Dezember gemeldet werden können, prognostiziert eine Preiserhöhung um durchschnittlich 44 €/t. Die Angebotszahl im November gibt im Vergleich zu Oktober leicht nach. Insgesamt ergibt sich bei den Technischen Kunststoffen jedoch der langfristige Trend zu schrittweise nachgebenden Preisen.

Tabelle 2: Notierungen für Technische Kunststoffe in plasticker; Angaben in €/t

5: entspricht der Qualität Regranulat schwarz; 6: Vorschau, die sich durch weitere Angebote verändern kann.


Alle Preisangaben ohne Gewähr. Alle EUWID-Preise ab Station. Die Preise beziehen sich in der Regel auf Mengen größer 20 Tonnen. Aus den stündlich aktualisierten Monatspreisübersichten - erstellt aus den Angeboten in der Rohstoffbörse plasticker lassen sich monatliche Preisnotierungen für die Sekundärkunststoffe errechnen. Dieser Preisspiegel zeigt Notierungen, die allerdings unter dem Vorbehalt der Ermittlung aus den eingestellten Angeboten stehen. Darüber hinaus unterscheidet plas-ticker nicht zwischen den Qualitäten klar, bunt oder farbsortiert. Dadurch ergibt sich aus den plasti-cker-Angaben unter Umständen ein anderes Marktgeschehen als beim EUWID-Preisspiegel.


Die Informationen zur Marktlage von Kunststoffen wurden uns freundlicherweise bereitgestellt von:
bvse - Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V.

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