bvse-Marktbericht Kunststoffe - Oktober 2013

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1. Der Markt für Primärkunststoffe

Das ifo Institut meldet im September, dass der ifo Geschäftsklimaindex das fünfte Mal in Folge, wenn diesmal auch minimal gestiegen ist. Zwar beurteilen die Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage als etwas weniger zufriedenstellend als im Vormonat. Die Erwartungen an die weitere Geschäftsentwicklung sind aber erneut optimistischer ausgefallen. Auch der Geschäftsklimaindikator für das Verarbeitende Gewerbe ist erneut gestiegen. Die aktuelle Geschäftslage wird hier zwar etwas weniger positiv beurteilt. Jedoch sind die Erwartungen an den weiteren Geschäftsverlauf auf den höchsten Wert seit Juni 2011 gestiegen. Auch vom Export werden weiterhin Impulse erwartet. Die deutsche Wirtschaft ist also mit Zuversicht in den Herbst gestartet. Die Aussichten für die weitere konjunkturelle Entwicklung in 2014 werden als positiv eingeschätzt. Und dies alles sollte insbesondere die Kunststoffnachfrage im IV Quartal 2013 und im I Quartal 2014 beleben.

Standardkunststoffe: Die Kunststoffmärkte erweisen sich bislang als recht statisch. Das Angebot an Ware ist gut. Dennoch versuchen die Kunststoffhersteller im September und Oktober deutlich höhere Preise durchzusetzen. Sie setzen auf die voraussichtlich gute Kunststoffnachfrage bis zum Jahresende. Allerdings berichten Experten von Kaufzurückhaltungen bei den Verarbeitern mit der Hoffnung auf fallende Preise im Oktober. Wegen der nachlassenden Spannungen in Nahost geben die Rohöl-Preise seit ihren spekulativen Höhepunkten im August und September schrittweise nach. Aber dann kommt die USA-Krise – oder anders ausgedrückt finden sich immer irgendwelche vorgeschobenen Gründe, um den jeweiligen hohen Ölpreis zu rechtfertigen. Dem Trend der Ölpreise folgen zeitversetzt und abgefedert die Preise der Vorprodukte. Auch die PET-Neuware notiert im September um 30 €/t höher als im Vormonat.

Bei Notierungen von Standardkunststoffen nach EUWID ist die vierte Preiserhöhung in Folge zu melden. Für September und Oktober wird eine gute Nachfrage nach Standardkunststoffen gemeldet. Im September erhöhen sich der Durchschnittspreis für Standardkunststoffe um beachtliche 60 €/t. Bei Polystyrol ist die Preiserhöhung um 90 €/t überdurchschnittlich hoch.

Tabelle 1: EUWID-Notierungen von Standardkunststoffen der letzten vier Monate; Preise in €/t.


2. Der Markt für Sekundärkunststoffe

Gespräche mit Kunststoffrecyclern ergeben, dass bislang das Jahr 2013 ohne wirkliche Höhen verlaufen ist. Die Märkte sind auf einem einigermaßen erträglichen Niveau statisch. Ein Zaudern und Zögern kennzeichnet die Kunststoffmärkte - immer noch ordern die Kunststoffverarbeiter die Recyclate just in time.

Langsam drängt in Deutschland und in Europa diejenige Ballenware auf den Markt, die wegen der anhaltenden Green Fence Action der Volksrepublik China nicht mehr exportiert werden kann. Diese Exportware entspricht meistens leider nicht den Qualitätsanforderungen der Kunststoffverarbeiter. Diese Exportware, die jetzt in Europa Verwertungsmöglichkeiten sucht, wird über kurz oder lang die Preise für Kunststoffabfälle senken. Wie meistert die VR China die veränderte Situation? Einerseits wird von zahlreichen Ausgründungen von Betrieben aus China in benachbarte Staaten berichtet und anderseits werden verstärkt Mahlgüter eingekauft, die die Einfuhrregularien in die VR China erfüllen.

Die Kunststoffverarbeiter von Mischkunststoffen suchen Wege, um sich aus den Abhängigkeiten der Dualen Systeme zu befreien. Dies ist deswegen notwendig, da bestimmte Duale Systeme strikt nach dem Aschenputtel-Prinzip arbeiten, d.h. die miesen Qualitäten gelangen in die Märkte und die bessere Sortierware wird für eigenen Anlagen zurückgestellt. Deshalb nutzen die Recycler von Mischkunststoffen die aktuelle Situation, um endlich besseren Verarbeitungsinput nutzen zu können. Da immer mehr Kunststoffabfälle in die Märkte drängen, können sich die Verarbeiter schon jetzt teilweise bessere Ware aussuchen und sind kaum mehr bereit, die schlechten Mischkunststoff-Qualitäten aus der DS-Sortierung zu akzeptieren.

Die Zeitschrift EUWID weist bei den Standardkunststoffen für September 2013 zahlreiche Preiserhöhungen im Vergleich zum Vormonat aus. Die Preiserhöhungen bei EUWID betragen über alle notierten Qualitäten gemittelt immerhin 12 €/t. Bei plasticker geben die Preise um durchschnittlich 18 €/t nach. Dieser Unterschied lässt sich zwar dadurch erklären, dass verschiedene Qualitäten in den Preisspiegeln notiert werden. Dennoch unterscheiden sich die Ergebnisse aus den beiden Preisspiegeln deutlich.


2.1 Preisspiegel EUWID

Endlich ist Bewegung in den Altkunststoffmärkten zu melden. Dies ist positiv, da hieraus auf eine Marktbelebung geschlossen werden kann. Die Standardkunststoffe notieren im EUWIDPreisspiegel Altkunststoffe um durchschnittlich 12 €/t höher. Die Preiserhöhungen bei den Produktionsabfällen reichen von 5 €/t bis 30 €/t.

Bei PE-Produktionsabfälle betragen die durchschnittlichen Erhöhungen 8 €/t; so notieren z.B. folgende Qualitäten höher: HDPE bunt 480-650 €/t, HDPE LDPE bunt 480-610 €/t und LDPE natur 640-740 €/t. Bei PE post user fallen die Erhöhungen deutlich niedriger aus; sie liegen durchschnittlich bei 4 €/t. So notieren hier folgende Qualitäten höher, beispielsweise: Folie transparent farbig < 70 mm 50-160 €/t, HDPE-Kastenware farbsortiert 670-840 €/t und HDPE-Kastenware bunt 560-610 €/t.

PP-Produktionsabfälle: Die durchschnittlichen Erhöhungen betragen 15 €/t; so notieren folgende Qualitäten höher: Folie bunt (K59) 140-320 €/t, Folie natur (K50) 340-450 €/t, Homopolymer bunt 450-620 €/t, Homopolymer natur 630-800 €/t, Copolymer bunt 450-620 €/t und Copolymer natur 630-800 €/t. Nach wie vor stellen bestimmte Duale Systeme die besseren Qualitäten für die Eigenverarbeitung zurück und lassen nur mindere Qualitäten in die freien Märkte.

PS-Produktionsabfälle: Die höchsten Preisanhebungen sind bei PS zu melden; die durchschnittlichen Erhöhungen betragen 28 €/t, zum Beispiel bei: Standard bunt 530-680 €/t, Standard glasklar 630-830 €/t, Standard weiß 630-830 €/t, Schlagfest bunt 620-680 €/t, Schlagfest weiß 720-880 €/t. Nach PS-Recyclaten besteht hohe Nachfrage. Das Angebot an PS-Verarbeitungsware und somit auch an Recyclaten dünnt sich weiter aus, da erhebliche Materialverschiebungen hin zu HDPE und PP zu beobachten sind.

PVC: Selbst PVC zeigt jetzt Preiserhöhungen und das obwohl die Impulse aus der Bauwirtschaft fehlen. Bei den PVC-Produktionsabfällen beträgt die durchschnittliche Erhöhung 9 €/t. Die neuen Preise sind: Hart transparent 480-630 €/t, Hart bunt 480-610 €/t und Rohrqualität bunt 500-590 €/t. Die PVC-Fensterware notiert durchschnittlich um 15 €/t höher. Die neuen Preise liegen z.B. bei: Fensterqualität weiß 630-740 €/t und Fensterqualität Typware weiß 740-850 €/t.

Der PET-Markt: Wegen des guten Angebots bei Neuware und wegen noch bestehender guter Einkaufsmöglichkeiten für gebrauchte PET-Einwegflaschen geben die Notierungen auch in diesem Monat weiter nach. Allerdings ist die Sommersaison vorbei, so dass sich das Flaschenangebot langsam verringert. Noch sind die Lager auf den verschiedenen Entsorgungsund Verwertungsstufen gut gefüllt. Der Unterschied zu den Vorjahresnotierungen ist auffällig, so haben innerhalb eines Jahres die Notierungen für PET klar um 60 €/t und diejenigen für PET bunt um 55 €/t abgenommen. Im September notieren in EUWID PET klar um 20 €/t und PET bunt um 15 €/t niedriger als im Vormonat. Die neuen Notierungen lauten also: PET klar 290-330 €/t und PET bunt 110-150 €/t.


2.2 Preisspiegel plasticker

Die Internetplattform plasticker bildet tagesaktuelle Notierungen ab. Im vorliegenden Marktbericht sind die monatlichen Preisabschlüsse angegeben. Lediglich im jeweiligen Berichtsmonat, hier für Oktober 2013, werden die bis dahin aufgelaufenen vorläufigen Notierungen angegeben – diese sind ein Zwischenstand, die erst im Folgemonat endgültig werden.

Standardkunststoffe

Im September notieren die Standardkunststoffe uneinheitlich. Die September-Notierungen sind im Vergleich zum August um durchschnittlich 18 €/t niedriger; dabei reichen die Preiserhöhungen von 10 €/t bis 80 €/t und die Preisnachlässe von 10 €/t bis 230 €/t. Der September zeigt eine deutliche Preisdifferenzierung bei den verschiedenen Kunststoffarten. Die Nachfrage kann auch im September als nur ausreichend bezeichnet werden. Mahlgut gibt in der Gesamtschau eher nach, während Granulat stabil notiert.

Die Preise für PS-Granulat fahren Achterbahn: im September notieren sie voraussichtlich zu 1500 €/t, im September zu 1190 €/t, im August zu 1420 €/t und im Juli zu 1240 €/t! Ein Grund für diese Schwankungen ist, dass nur geringe Angebotszahlen seit August vorliegen. Ein weiterer Grund ist, dass PS gut nachgefragt ist, weil in den Primärmärkten Verschiebungen weg von PS hin zu HDPE und PP zu beobachten sind. PP-Mahlgut und PP-Granulat bleiben weiterhin stark nachgefragt. Die PET-Ballenware stabilisiert sich auf niedrigem Niveau und das PET-Mahlgut gibt tendenziell weiter im Preis nach. Laut plasticker verändert sich im September die Preisnotierung um mehr als ±40 €/t im Vergleich zum Vormonat, z.B. bei: HDPE-Granulat +80 €/t, LDPE, PS-Mahlgut -90 €/t, PS-Granulat -230 €/t und PET-Mahlgut bunt 570 €/t.

Eine erste Vorschau in die Oktober -Notierungen, die allerdings erst im November abschließend gemeldet werden, gibt den voraussichtlichen Durchschnittspreis zu 646 €/t an. Damit weist die Internetplattform plasticker am 15.10.2013 eine Preiserhöhung bei den Standardkunststoffen aus. Der Oktober weist bisher eine leicht verbesserte Nachfrage gegenüber dem Vormonat aus.

Tabelle 2: Notierungen für Standardkunststoffe in plasticker; Angaben in €/t

*: Zu geringe Angebotszahl, um eine statistische Signifikanz zu erreichen; 1: entspricht der Qualität Produktionsabfall, bunt; 2: entspricht K49; 3: entspricht K59; 4: entspricht Standard bunt; 5: entspricht der Qualität Regranulat schwarz; 6: Vorschau, die sich durch weitere Angebote verändern kann.

Technische Kunststoffe

Im September notieren die Technischen Kunststoffe uneinheitlich. Die Septemberpreise liegen um durchschnittlich 12 €/t unter denen von August; dabei reichen die Preiserhöhungen von 10 €/t bis 200 €/t und die Preisnachlässe von 10 €/t bis 170 €/t. In der Tendenz behaupten sich die Mahlgüter, während die Granulate Preiserhöhungen zeigen. Laut plasticker verändern sich im September die folgenden beispielhaften Preisnotierungen um mehr als ±70 €/t bei: ABS-Granulat -170 €/t, PA 6-Mahlgut -150 €/t, und POM Mahlgut +150 €/t. Im September ist die Nachfrage nach Technischen Kunststoffen stark ausdifferenziert.

Eine erste Vorschau in die Oktober-Notierungen, die abschließend allerdings erst Anfang November gemeldet werden können, gibt den voraussichtlichen Durchschnittspreis zu 1402 €/t an; dies ist eine durchschnittliche Preiserhöhung 48 €/t. So weist die Internetplattform plasticker am 15.10.2013 deutliche Preiserhöhungen bei den Granulaten von ABS mit +250 €/t, PC mit +110 €/t, PBT mit +210 €/t und PA 6.6 mit +210 €/t aus. Der September zeigt eine zufriedenstellende Nachfrage nach Technischen Kunststoffen.

Tabelle 3: Notierungen für Technische Kunststoffe in plasticker; Angaben in €/t

5: entspricht der Qualität Regranulat schwarz; 6: Vorschau, die sich durch weitere Angebote verändern kann.


Alle Preisangaben ohne Gewähr. Alle EUWID-Preise ab Station. Die Preise beziehen sich in der Regel auf Mengen größer 20 Tonnen. Aus den stündlich aktualisierten Monatspreisübersichten - erstellt aus den Angeboten in der Rohstoffbörse plasticker lassen sich monatliche Preisnotierungen für die Sekundärkunststoffe errechnen. Dieser Preisspiegel zeigt Notierungen, die allerdings unter dem Vorbehalt der Ermittlung aus den eingestellten Angeboten stehen. Darüber hinaus unterscheidet plasticker nicht zwischen den Qualitäten klar, bunt oder farbsortiert. Dadurch ergibt sich aus den plasticker-Angaben unter Umständen ein anderes Marktgeschehen als beim EUWIDPreisspiegel. Bei plasticker werden bei den Qualitäten Mahlgut und Granulat sowohl Neuware wie auch Sekundärware angeboten.


Die Informationen zur Marktlage von Kunststoffen wurden uns freundlicherweise bereitgestellt von:
bvse - Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V.

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