bvse-Marktbericht Kunststoffe - Mai 2010

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1. Der Markt für Primärkunststoffe

Der fast überwundenen weltweiten Wirtschaftskrise folgt nun eine europäische Finanzkrise. Der Höhenflug der Erdölpreise wurde gestoppt und dies, obwohl große Mengen an Rohöl seit fünf Wochen ungenutzt in den Golf von Mexiko abfließen. Was bedeutet dies für die Kunststoffmärkte? Die Kunststoffmärkte boomen. Die weltweite Nachfrage nach den Standardkunststoffen ist gut. Allerdings orakeln die Kunststoff- und Wirtschaftsexperten, ob dieser Aufschwung weiter anhält, ob dies ein Zwischenhoch ist oder ob der Absturz droht.

Der EUWID-Preisspiegel zeigt für die ersten vier Monate in 2010 nur Preiserhöhungen und zwar über alle gelisteten Standardkunststoffe hinweg. Inzwischen hat der EUWIDPreispiegel in etwa die Preise von Juni 2008 erreicht. Im April 2010 beträgt der Durchschnittspreis über die zehn unten gelisteten Kunststoffe 1258 €/t, im März 1202 €/t, im Februar 1161 €/t und im Januar 1094 €/t. Zum Beispiel notieren LDPE-Folie 1270-1330 €/t, PS-glasklar 1340-1380 €/t und PVC-Folien/Kabel 1080-1140 €/t. Die beiden Europa-Notierungen für PP und LLDPE der London Metal Exchange Börse (LME) liegen in der KW 20 für die Juni-, Juli- und August-Einkaufspreise von PP bei jeweils 1335 US $ und für die von LDPE bei jeweils 1350 US $. Verpackungs-PET notiert im April um 45 €/t höher als im Vormonat, nämlich bei 1270-1350 €/t.

Die Preiserhöhungen, die je nach Kunststoff sehr unterschiedlich ausfallen, reichen von 20 €/t bis 120 €/t. Bei HDPE konnte nur für die Spritzgussware im oberen Preisbereich eine Erhöhung von 20 €/t durchgesetzt werden, ansonsten notiert HDPE unverändert. Als weitgehend ausgeglichen hinsichtlich Angebot und Nachfrage zeigen sich die Märkte für HDPE und PVC. Die immer noch herrschenden Angebotsverknappungen treiben die Preise weiter nach oben.

Auch bei den Technischen Kunststoffe ist der Aufwärtstrend ungebrochen. Im April-Preisspiegel in EUWID notieren bis auf PMMA alle Technischen Kunststoffe durchweg höher als im Februar. Die Preiserhöhungen reichen dabei von 5 €/t bis 30 €/t. Die Notierungen lauten zum Beispiel: ABS natur 1600-1700, PC GF 2750-2900 €/t, PA 6 schwarz 1950-2150 €/t und PA 66 GF 2850-3050 €/t. Gute Nachfrage nach Technischen Kunststoffen, denen ein teilweise knappes Angebot gegenübersteht, verteuern diese. Experten rechnen damit, dass die Belebung bei den Technischen Kunststoffen weiter anhält und somit die erzielten Preise gehalten werden können.

Die weltweiten Angebotsverknappungen bewirken in Europa eine Stabilisierung der Märkte und Preise. Kunststoffimporte zum Ausgleich des Nachfrageüberhangs unterblieben. Auch die LME-Angaben weisen eine Preisstabilisierung für die nächsten Monate aus. Die Nachfrage wird von den Experten als weiterhin hoch eingeschätzt. Weitere aber leichte Preiserhöhungen werden für den Mai prognostiziert.


2. Der Markt für Sekundärkunststoffe

Das erste Quartal 2010 gestaltet sich für das Kunststoffrecycling recht erfreulich. Die Nachfrageschübe aus dem Primärkunststoffmarkt treiben konsequent die Zweitmärkte voran. Seit Januar besteht erhöhte Nachfrage nach Ballenware und Mahlgütern. Auch die Recyclate können besser und zu höheren Preisen im Markt abgesetzt werden. Die seit Januar anhaltenden Preiserhöhungen sind teilweise recht spezifisch und erfolgen in kleineren Schritten. Auf diese Weise resultieren in der Summe jedoch für alle Sekundärkunststoffe stetige Preiserhöhungen. Die chinesischen Märkte boomen. In der Folge ist der Kunststoffbedarf in Fernost groß. Somit kann auch wieder eine hohe Exportnachfrage festgestellt werden. Bei der Nachfrage aus Fernost zeichnet sich der Schwerpunkt Deutschland ab. Der nachgebende Dollarwechselkurs belebt die Exportnachfrage zusätzlich.


2.1 Preisspiegel EUWID

Der EUWID-Preisspiegel weist eher eine Preiskonsolidierung als eine stringente Preiserhöhung aus. Von den Preiserhöhungen um 10 €/t bis 30 €/t sind alle gelisteten Kunststoffarten betroffen. Nur PET zeigt deutlichere Preisanhebungen.

PE: PE zeigt moderate Preiserhohungen, und zwar um 10 €/t bis 30 €/t. Folien werden im Export verstarkt nachgefragt. Mahlguter zeigen Preiserhohungen um 10-20 €/t. Weitere Preiserhohungen fur Folie werden fur den Maipreispiegel prognostiziert. Bei den PE-Produktionsabfallen notiert HDPE fast unverandert. LDPE zieht sowohl als Mahlgut wie auch als Folie im Preis um 10 €/t bis 20 €/t an. Die Notierungen bei den PE post user lauten beispielsweise: LDPE-Schrumpfhaube natur (E40) 420-460 €/t, Folie transparent natur < 70 µm 340-370 €/t, LDPE-Agrarfolie s/w > 70 µm 30-70 €/t und PE-Gewerbemischfolie (90/10) 200-240 €/t.

PP: Das PP folgt dem Trend der PE-Märkte. Auch PP zeigt moderate Preiserhöhungen, und zwar um 10 €/t bis 30 €/t.

PS: Auch PS zeigt Preiserhöhungen um 20-30 €/t für ausgewählte Qualitäten. Die PS-Nachfrage ist gut. Die Primärmärkte treiben auch hier die Sekundärmärkte. Die April-Notierungen lauten zum Beispiel für Standard bunt 390-490 €/t, Schlagfest schwarz 430-580 €/t oder Schlagfest weiß 450-620 €/t.

PVC: Eine verbesserte Baukonjunktur lässt die PVC-Notierungen endlich steigen. Eine erhöhte Nachfrage nach Mahlgut hält an. Die PVC-Fensterware notiert wie folgt: Fensterqualität weiß 500-600 €/t und Fensterqualität bunt 330-420 €/t.

PET post user: Experten beschreiben den PET-Markt als überhitzt. Die Situation ist vor allem für die Recycler sehr angespannt. Die Forderungen der Handelsketten empfinden die Verarbeiter als überzogen, da die gegenwärtigen Preise für klare PET-Einweg-Pfandflaschen nun diejenigen übertreffen, die vor der Krise, also im September 2008 (310-340 €/t), gezahlt wurden. Im April erhöhen sich die EUWID-Preisnotierungen für PET-Klar um 60-70 €/t und für PET-Bunt um 30-40 €/t. Der PET-Markt wird von den Preiserhöhungen des Primärmaterials, durch ein knappes Angebot an gebrauchten Flaschen sowie eine hohe In-und Auslands-Nachfrage getrieben. Dem Aufkommen an Getränkeflaschen stehen große Verarbeitungskapazitäten in Deutschland und Europa gegenüber. Selbst Misch-PET aus anderer Herkunft als Getränkeflaschen findet seinen Absatz. Die Nachfrage aus Fernost nach deutschem PET nimmt weiter zu.


2.2 Preisspiegel plasticker

Der Preisspiegel von plasticker zeigt im April für die Standardkunststoffe eine Preisstabilisierung. Zwar überwiegen die Preiserhöhungen, die im Bereich von 10 €/t bis 40 €/t liegen, dennoch sind auch fünf Preiskorrekturen im Bereich von - 10 €/t bis - 80 €/t zu melden. Ballenware tendiert leicht höher, während sich Mahlgut als uneinheitlich zeigt und Granulat stabil bleibt. Für die Standardkunststoffe sind die beiden folgenden Preisveränderungen größer/kleiner 40 €/t von April 2010 gegenüber März 2010 zu melden: w-PVC-Mahlgut - 80 €/t und PET-Mahlgut - 80 €/t. Ein erster Blick in die Mai-Notierungen ergibt Preissteigerungen für LDPE-Granulat, PP-Mahlgut, PET-Ballenware.

Standardkunststoffe

Die Technischen Kunststoffe zeigen im April leicht höhere Preise und zwar um 20 €/t bis 90 €/t; nur PA 6.6 Granulat notiert um 50 €/t niedriger. Ein erster Blick in die Mai-Notierungen ergibt eine Preisstabilisierung.

Technische Kunststoffe

*Zu geringe Angebotszahl, um eine statistische Signifikanz zu erreichen

Aus den stündlich aktualisierten Monatspreisübersichten - erstellt aus den Angeboten in der Rohstoffbörse plasticker lassen sich Preisnotierungen für die Sekundärkunststoffe errechnen. Dieser Preisspiegel zeigt Notierungen, die allerdings unter dem Vorbehalt der Ermittlung aus den eingestellten Angeboten stehen. Dadurch ergibt sich aus den plasticker-Angaben unter Umständen ein anderes Marktgeschehen als beim EUWID-Preisspiegel.


Den angegebenen Preisen liegen vor allem die monatlichen Veröffentlichungen des EUWID Preisspiegels für Primär- und Altkunststoffe zu Grunde. Die Preisangaben Altkunststoffe beziehen sich hierbei auf Ballenware oder Mahlgut. Bei den Angaben handelt es sich um Preise, die für Abschlüsse zwischen Sortierern bzw. Händlern und Weiterverarbeitern genannt wurden. Die Preise beziehen sich in der Regel auf Mengen größer 20 Tonnen. Die im Handel erzielbaren Preise können je nach Qualität der angebotenen Kunststoffsorte von der angegebenen Preisspanne deutlich nach oben und nach unten abweichen. Die bei einigen Qualitäten angegebenen Kurzbezeichnungen verweisen auf die bvse/BIR-Sortenliste für Altkunststoffe. Dem Marktbericht selbst liegen unterschiedliche Quellen zu Grunde, die entsprechend journalistisch aufbereitet sind. Nicht zuletzt werden eigene Informationen und Recherchen im Marktbericht verwendet.


Die Informationen zur Marktlage von Kunststoffen wurden uns freundlicherweise bereitgestellt von:
bvse - Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V.

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