bvse-Marktbericht Kunststoffe - Januar 2011

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1. Der Markt für Primärkunststoffe

Die guten Wirtschaftsprognosen für Deutschland überschlagen sich. Zum vierten Mal in Folge hat das ifo-Institut seinen Geschäftsklimaindex nach oben gesetzt - auf den höchsten Wert seit der Deutschen Einheit. Diese Nachricht betrifft dann auch recht direkt die Kunst-stoffverarbeitung und hierbei insbesondere auch die Technischen Kunststoffe. Der hohe Be-darf nach Kunststoffen nimmt also weiter zu. Die chemische Industrie investiert jetzt wieder im erheblichen Umfang in den Ausbau des Kunststoffgeschäfts.

Im Dezember weist der EUWID-Preisspiegel für Standardkunststoffe abermals Preiserhöhungen aus. Im Dezember 2010 beträgt der Durchschnittspreis über die zehn unten gelisteten Kunststoffe 1308 €/t und ist somit um 21 €/t höher als im Vormonat. Die Preise erhöhen sich dabei um 10 €/t bis 40 €/t; nur PVC notiert unverändert. Hier einige Beispiele für den Preisspiegel der Standardkunststoffe: LDPE-Folie 1340-1390 €/t, HDPE-Spritzguss 1170-1230 €/t, HDPE-Blasware 1170-1230 €/t, PS-schlagfest 1420-1520 €/t, PP-Homopolymer 1320-1380 €/t, PVC-Rohrqualität 1120-1180 €/t und PVC-Folien/Kabel 1190-1250 €/t. Die Preissteigerungen bei PET halten weiter an: Verpackungs-PET notiert im Dezember um 75 €/t höher als im Vormonat. Ein Ende der Preisspirale bei PET ist derzeit nicht absehbar.

Der EUWID-Preisspiegel für Technische Kunststoffe zeigt im Dezember wiederum Preiserhöhungen. Seit Dezember 2009 gibt es bei den Technischen Kunststoffen fortlaufende Preiserhöhungen, wenn auch im unterschiedlichen Ausmaß. Im Dezember 2010 erfolgen die Preiserhöhungen im Bereich von 50 €/t bis 100 €/t. Die gute Nachfrage nach Technischen Kunststoffen wird weiter anhalten. Nach der Winterpause werden weitere Order erwartet. Im Dezember-Preisspiegel in EUWID notieren die Technischen Kunststoffe beispielsweise wie folgt: PMMA glasklar 2450-2650 €/t, ABS weiß/schwarz 1850-2050, ABS farbig 2450-2800, PC glasklar 2800-3000 €/t, POM natur 2200-2250 €/t, PA 6 natur 2200-2400 €/t, PA 6 GF verstärkt 2550-2650 €/t, PA 66 natur 3000-3200 €/t und PA 66 GF 3100-3300 €/t. Damit sind von Dezember 2009 bis Dezember 2010 die Preise für PMMA um 13%, für ABS um 37%, für PC um 29%, für POM um 17%, für PA6 um 20% und für PA66 um 24% gestiegen.

Während der DAX in 2010 um 16% an Wert zunahm, liegt die durchschnittliche Preissteige-rung bei den Standardkunststoffen zwischen 17% und 39% und bei den Technischen Kunst-stoffen zwischen 13% und 37%. Die Standardkunststoffe haben fast das Rekordhoch aus dem III. Quartal 2008 erreicht; die Technischen Kunststoffe haben diese Schallgrenze bereits im Mai 2010 durchschlagen.

Der Kunststoffbedarf übersteigt auch im Dezember das Angebot. Darüber hinaus versuchen die Kunststoffverarbeiter ihre Lager aufzufüllen, wenn sie genügend Material bekommen. Auch die Preise für die Kunststoffvorprodukte haben sich im Dezember nochmals deutlich verteuert. Der Winter dauert in Europa und Nordamerika noch an, wodurch die Nachfrage nach Erdölprodukten hoch bleibt. Im Dezember 2010 kostet das Barrel Rohöl 88 US $ je Bar-rel. Für Februar 2011 sind zahlreiche Preiserhöhungen bei den Standardkunststoffen und Technischen Kunststoffen angekündigt.


2. Der Markt für Sekundärkunststoffe

Die Wirtschafts- und Finanzkrise für die Sekundärkunststoffe ist überwunden. Der Preisanstieg aus 2010 wird sich abgeschwächt wohl auch in 2011 fortsetzen. In der Winter-pause 2010/2011 gibt das Kunststoffgeschäft mit Sekundärkunststoffen zwar nach - aber nicht so stark wie zur Weihnachtszeit 2008/2009. Schon in 2009/2010 waren die Geschäfts-nachlässe zur Weichnachtszeit und zum Chinesischen Neujahresfest deutlich geringer als in den Vorjahren. Dieser positive Trend aus 2009/2010 scheint sich nun auch in 2010/2011 fortzusetzen.

Im Dezember 2010 und im Januar 2011 zeigt sich, dass der positive Trend der Primärmärkte die Sekundärmärkte recht unmittelbar stützt. Die Recyclate gewinnen wegen der Preissteige-rung in den Primärmärkten und wegen mangelnden Angebots an Primärware weiter an Wert. Die Weihnachtspause wird auch dazu genutzt, um Kunststofflager aufzubauen. Wegen des nachgebenden Euros bzw. wegen des starken Dollars gewinnt der Fernostexport zunehmend an Bedeutung in den europäischen Märkten. Einiges deutet darauf hin, dass im Februar 2011 das Chinesische Neujahresfest sehr ausgiebig gefeiert wird.


2.1 Preisspiegel EUWID

Von besonderem Interesse für die Beurteilung der Jahresentwicklung 2010 ist der Vergleich von Dezember 2010 mit September 2008, also mit dem Höchststand der Kunststoffnotierun-gen vor der Krise. Hierbei zeigt sich für den Dezember 2010, dass im Durchschnitt dessen Preise z.B. bei PE-Produktionsabfällen um 75 €/t, bei den PP-Produktionsabfällen um 66 €/t, und bei PS um 63 €/t geringer notieren. Nur bei PET ist alles anders: hier haben die Notie-rungen aus dem Dezember 2010 diejenigen aus dem September 2008 weit überholt. Über-raschend bei dem Vergleich ist, dass es zu deutlichen Unterschieden innerhalb der einzelnen Kunststoffarten kommt. Der EUWID-Preisspiegel weist im Dezember 2010 einen weitgehend ruhigen Markt für Sekundärkunststoffe aus. Die Notierungen für Standardkunststoffe sind nahezu unverändert zum Vormonat. Bei PE-, PP-, und PS-Mahlgütern wird im Januar oder Februar 2011 ein Preisaufschlag wahrscheinlich.

Im Dezember-Preisspiegel notieren die PE-Produktionsabfällen unverändert. Bei PE-Regranulaten werden im Januar und Februar Preisaufschläge um 20 €/t bis 40 €/t erwar-tet. Marginale Preisrückgänge, nämlich um 5 €/t bis 15 €/t, sind bei PE- post user zu melden, z.B. bei Folie transparent natur < 70 µm 380-405 €/t. Alle anderen Notierungen entsprechen denjenigen aus dem Vormonat.

PP: Die PP-Märkte insgesamt werden durch die Eingriffe der DSD GmbH verändert. Im post user Bereich schießen die PP-Preise durch die Eingriffe der DSD GmbH/DKR in das Marktgeschehen in die Höhe. Durch diese Eingriffe kommen kaum noch PP post user Qualitäten in die freien Märkte. Die Nachfrage nach PP-Produktionsabfällen ist nach wie vor gut. Die Mahlgüter zeigen guten Absatz, bleiben aber im Dezember preisstabil.

PS: In der Winterpause sinkt traditionell die Nachfrage nach EPS wegen der nach-lassenden Baukonjunktur. Die stabile Nachfrage nach PS aus dem Verpackungsbereich führte zu unveränderten Preisen für die Mahlgüter.

PVC: Auch das PVC notiert im Dezember 2010 unverändert. Unveränderte PVC-Notierungen werden wegen der Winterpause im Bau noch bis Februar erwartet.

PET post user: Die Winterpause wirkt sich nicht auf die PET-Märkte aus. Nach wie vor besteht eine hohe PET-Nachfrage bei den Aufbereitern. Zusätzlich ziehen die hohen Primärpreise diejenigen für gebrauchte PET-Flaschen weiter nach oben. Im Dezember erhö-hen sich die Notierungen z.B. bei PET klar um durchschnittlich 28 €/t. Die EUWID-Preisnotierungen für gebrauchte PET-Einweg-Pfandflaschen sind weiterhin auf Höchststand; sie lauten beispielsweise bei PET bunt 250-305 €/t. Eine Trendwende bei PET ist in den nächsten Monten nicht in Aussicht.


2.2 Preisspiegel plasticker

Der Dezember-Preisspiegels von plasticker zeigt für die notierten Standardkunststoffe die Tendenz zu stabilen bis leicht steigenden Preisen. Obwohl auch vereinzelte Preisnachlässe, und zwar von 10 €/t bis 30 €/t, festzustellen sind, überwiegen die Preiserhöhungen, und zwar von 10 €/t bis 110 €/t. Ballenware und Mahlgüter notieren höher, die Granulate uneinheitlich. Bei den Standardkunststoffen verteuert sich im Dezember 2010 gegenüber dem Vormonat das PS-Mahlgut um 110 €/t. Eine Vorschau in die Januar-Notierungen ergibt die Fortschreibung des oben beschriebenen Trends.

Standardkunststoffe

Die Technischen Kunststoffe notieren im Novemberpreisspiegel von plasticker uneinheitlich, letztlich zeigen sie aber eine Preisstabilisierung an. Für die Technischen Kunststoffe sind die folgenden Preisveränderungen größer/kleiner 70 €/t von Dezember 2010 gegenüber dem Vormonat zu melden: PC Mahlgut -110 €/t, PC Granulat +90 €/t, PA 6 Mahl-gut +60 €/t, PA 6 Granulat -120 €/t, PA 6.6 Mahlgut +10 und PA 6.6 Granulat -140 €/t. Die Vorschau in die Januar-Notierungen zeigt leicht nachgebende bis stabile Preise.

Technische Kunststoffe

*Zu geringe Angebotszahl, um eine statistische Signifikanz zu erreichen

Aus den stündlich aktualisierten Monatspreisübersichten - erstellt aus den Angeboten in der Rohstoffbörse plasticker lassen sich Preisnotierungen für die Sekundärkunststoffe errechnen. Dieser Preisspiegel zeigt Notierungen, die allerdings unter dem Vorbehalt der Ermittlung aus den eingestellten Angeboten stehen. Dadurch ergibt sich aus den plasticker-Angaben unter Umständen ein anderes Marktgeschehen als beim EUWID-Preisspiegel.


Den angegebenen Preisen liegen vor allem die monatlichen Veröffentlichungen des EUWID Preisspiegels für Primär- und Altkunststoffe zu Grunde. Die Preisangaben Altkunststoffe beziehen sich hierbei auf Ballenware oder Mahlgut. Bei den Angaben handelt es sich um Preise, die für Abschlüsse zwischen Sortierern bzw. Händlern und Weiterverarbeitern genannt wurden. Die Preise beziehen sich in der Regel auf Mengen größer 20 Tonnen. Die im Handel erzielbaren Preise können je nach Qualität der angebotenen Kunststoffsorte von der angegebenen Preisspanne deutlich nach oben und nach unten abweichen. Die bei einigen Qualitäten angegebenen Kurzbezeichnungen verweisen auf die bvse/BIR-Sortenliste für Altkunststoffe. Dem Marktbericht selbst liegen unterschiedliche Quellen zu Grunde, die entsprechend journalistisch aufbereitet sind. Nicht zuletzt werden eigene Informationen und Recherchen im Marktbericht verwendet.


Die Informationen zur Marktlage von Kunststoffen wurden uns freundlicherweise bereitgestellt von:
bvse - Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V.

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