bvse-Marktbericht Kunststoffe - Juni 2015

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1. Der Markt für Primärkunststoffe

Im Geschäftsbericht 2014 berichtet PlasticsEurope Deutschland, s. http://www.plasticseurope.de, dass die Kunststoffproduktion um 2,5 Prozent schrumpfte und zwar von 19,9 Mio. To im Jahr 2013 auf 19,4 Mio. To im Jahr 2014. Der Umsatz stieg im gleichen Jahr um ein Prozent auf 27 Milliarden Euro. Aus Deutschland exportiert wurden 2014 12,6 Millionen Tonnen Kunststoff. Importiert wurden 8,8 Mio. To. Rund 35% des in Deutschland eingesetzten Kunststoffs geht in den Verpackungsbereich, 24% in den Baubereich, 10% in die Automobilbranche und 6% in die Elektro- und Elektronikindustrie. Die Kunststoffindustrie in Deutschland umfasst 3.300 Unternehmen, von denen 2850 in der Kunststoffverarbeitung tätig sind. Diese Kunststoffverarbeiter beschäftigen etwa 303.000 Mitarbeiter und erwirtschaften dabei einen Umsatz von 58 Mrd. Euro.

Standardkunststoffe: Trotz eines immer noch sehr niedrigen Ölpreises, der über die letzten 100 Tage im Durchschnitt 60,5 US $ je Barrel beträgt, verteuern sich die Primärkunststoffe seit Februar fortlaufend. Seit Februar legen die Preise für die Standardkunststoffe in großen Schritten, nämlich jeweils um 138 €/t, 191 €/t und 91 €/t zu. Und die EUWID-Notierungen zeigen auch, dass inzwischen der Kunststoffpreis vom Erdölpreis entkoppelt ist. Dies setzt sich auch an den Tankstellen fort. Auch hier gibt sich kaum noch ein Bezug zwischen Erdölpreis und Benzinpreis. Nur der Diesel scheint etwas fester an den Erdölpreis gebunden zu sein.

Die Engpässe bei vielen Standardkunststoffen setzen sich auch im Mai und Juni fort. Weiterhin fallen Anlagenkapazitäten aus; es fehlt an Neuware. Dem gegenüber steht ein hoher Bedarf an Kunststoffen. Ist damit der Preishöhepunkt im Mai erreicht? Eher nein, eine abermalige Erhöhung der Standardkunststoffpreise ist wahrscheinlich. Experten erwarten sogar im Juni und Juli nochmals höhere Neuwarepreise. Auch Verpackungs-PET folgt dem allgemeinen Aufwärtstrend zu 1320 €/t, das sich somit im Mittel um 70 €/t verteuert.

Tabelle 1: EUWID-Notierungen von Standardkunststoffen der letzten fünf Monate; Preise in €/t.


2. Der Markt für Sekundärkunststoffe

Die Kunststoffrecycler kämpfen um das Überleben, so titelt Recycling International in seiner Mai-Ausgabe auf S. 17. Nach wie vor leiden die Kunststoffrecycler durch den Preisverfall des Rohöls, der etwas zeitversetzt die Sekundärkunststoffmärkte durcheinander gebracht hat. Von September 2014 bis Februar 2015 waren die Kunststoffrecycler den größten Marktverwerfungen ausgesetzt. Gerade in dieser Zeit konnte kaum ein Ausgleich zwischen den nachgebenden Notierungen für die Recyclate und dem sich verteuernden Verarbeitungsinput, also den Kunststoffabfällen, gefunden werden. Und dann auch noch der Preisdruck auf die Recyclate, der durch die ständig nachgebende Primärware immer bedrängender wurde. Diese negativen Effekte wirken immer noch nach!

Darüber hinaus gibt es deutliche Marktverwerfungen bei den Sekundärkunststoffen, die durch die seit Februar zwar anziehenden Neuwarepreise aber den immer noch zu hohen Preisen für den Verarbeitungsinput, das sind die Kunststoffabfälle, bedingt werden. Der angebotene Verarbeitungsinput ist, bei zugleich schlechter Qualität, deutlich zu teuer. Außerdem kämpfen die Kunststoffrecycler nach wie vor gegen den Abfluss von Verarbeitungsware nach Fernost. Darüber hinaus gelangen nach wie vor zu viele Kunststoffabfälle in die Müllverbrennung. Oder anders ausgedrückt: in großen Bereichen fehlt den Kunststoffrecyclern ausreichender Verarbeitungsinput zu akzeptabler Qualität.

Im Mai weisen die beiden Preisspiegel, nämlich EUWID und plasticker, Preissteigerungen aus. Während bei EUWID die mittlere Preiserhöhung 11 €/t beträgt, sind dies 34 €/t bei plasticker. Bei EUWID verteuern sich die Kunststoffabfälle aus post user und Produktion. Bei plasticker sind die Preiserhöhungen überwiegend den dort notierten Granulaten anzulasten.

Auswertungen der Außenhandelsstatistik für Altkunststoffe ergeben, dass Deutschland im ersten Quartal 2015 mit 321.200 To gegenüber dem ersten Quartal 2014 mit 370.800 To deutlich weniger Kunststoffabfälle exportiert hat. Dem gegenüber stehen im ersten Quartal 2015 allerdings auch Kunststoffimporte in der Höhe von 91.354 To. Aus Deutschland werden die Kunststoffabfälle v.a. nach Fernost exportiert, hier sind Malaysia mit 2%, Hongkong mit 16% und in die VR China mit 48% zu nennen. Auch größere Anteile des statistisch erfassten Exports von Altkunststoffen in die Niederlande (7%) oder nach Belgien sind letztlich für Fernost bestimmt. Überdies steigt die Exportnachfrage wieder deutlich an – der günstige Euro-Dollar-Wechselkurs unterstützt dies zusätzlich.

Und man sollte sich nicht täuschen: über das ganze Jahr hinweg, werden nach wie vor große Mengen an Kunststoffabfällen aus Deutschland nach Fernost exportiert, die dann den Kunststoffrecyclern hier fehlen. Außerdem ist zu beobachten, dass die Mengenszenarien im Export von Kunststoffen einander über die Jahre hinweg doch sehr ähnlich sind.


2.1 Preisspiegel EUWID

Von April auf Mai sind Preissteigerungen von 10 €/t bis 30 €/t bei PE, PP und PS zu melden; nur PVC notiert unverändert. Seit dem Tiefpunkt der Notierungen im Februar 2015 steigen die Preise für Sekundärkunststoffe kontinuierlich.

Keine Veränderungen bei den Preisnotierungen bei PVC. Nach dem Winter profitiert die PVCIndustrie von der Baukonjunktur. Insbesondere Fenster und Rohre aus PVC werden hier verbaut. Im Markt beobachtbare Preissteigerungen bei Mahlgut werden im Mai in EUWID noch nicht notiert. Neben PVC profitiert auch PS von der Baukonjunktur.

Die Notierungen für PET-Einweg-Pfandflaschen folgen dem aktuellen Marktgeschehen. Auch bei EUWID haben die PET-Notierungen deutlich nachgegeben. Das Marktgeschehen wird realistisch abgebildet. Endlich ist ausreichend Verarbeitungsware zu hinreichender Qualität im Markt. PET-Flaschen können dabei aus dem Inland, wie auch aus dem EU-Binnenmarkt akquiriert werden. Dennoch verlieren deutsche Recycler immer noch zu große Mengen an deutschen Pfandflaschen an das Ausland. Der Absatz an Recyclaten, das sind Flakes und Regranulate, ist gut.


2.2 Preisspiegel plasticker

Die Internetplattform plasticker bildet tagesaktuelle Notierungen ab. Im vorliegenden Marktbericht sind die monatlichen Preisabschlüsse angegeben. Lediglich im jeweiligen Berichtsmonat, hier für Juni 2015, werden die bis dahin aufgelaufenen vorläufigen Notierungen angegeben – diese sind also ein Zwischenstand - die erst im Juli 2015 endgültig werden. Bei plasticker werden bei den Qualitäten Mahlgut und Granulat sowohl Neuware wie auch Sekundärware angeboten. Ballenware bezieht sich ausschließlich auf Kunststoffabfälle.

Standardkunststoffe

Die Notierungen der Standardkunststoffe in plasticker sind von Januar bis April weitgehend konstant. Erst von April auf Mai erhöht sich der Durchschnittspreis um 34 €/t. Im Mai sind die Preiserhöhungen insbesondere auf die Verteuerung der Neuware, hier von LDPE- und PP-Granulaten, zurückzuführen. Bei den einzelnen Qualitäten gibt es teilweise deutliche Preisveränderungen. So reichen die Preiserhöhungen insgesamt von 10 €/t bis 210 €/t und die Preisnachlässe von 10 €/t bis 260 €/t. Die PS-Qualitäten, das sind hier Mahlgut mit – 260 €/t und Granulat mit -90 €/t, geben deutlich im Preis nach! Der Mai zeigt eine gute Nachfrage nach Standardkunststoffen. Die PET-Ballenware und das PET-Mahlgut bunt notieren auf niedrigem Niveau stabil.

Eine erste Vorschau in die Juni-Notierungen, die allerdings abschließend erst Anfang Juli gemeldet werden, gibt den voraussichtlichen Durchschnittspreis zu 601 €/t an. Damit weist die Internetplattform plasticker am 15.06.2015 wenig veränderte Juni-Preise aus. Der Juni zeigt bisher eine gute Nachfrage nach Standardkunststoffen.

Tabelle 2: Notierungen für Standardkunststoffe in plasticker; Angaben in €/t

*: Zu geringe Angebotszahl, um eine statistische Signifikanz zu erreichen; 1: entspricht der Qualität Produktionsabfall, bunt; 2: entspricht K49; 3: entspricht K59; 4: entspricht Standard bunt; 5: entspricht sder Qualität Regranulat schwarz; 6: Vorschau, die sich durch weitere Angebote verändern kann.

Technische Kunststoffe

Die Notierungen der Technischen Kunststoffe in plasticker sind von Januar bis Mai innerhalb der Standardabweichung von 19 €/t weitgehend konstant. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Technischen Kunststoffe in 2015 um 68 €/t preisgünstiger. Bei den einzelnen Qualitäten gab es nur geringe Preisveränderungen: die Preiserhöhungen reichen von 20 €/t bis 150 €/t und die Preisnachlässe von 10 €/t bis 60 €/t. Der Mai zeigt eine ausreichend gute Nachfrage nach Technischen Kunststoffen. Laut plasticker verändern sich im Mai die folgenden Preisnotierungen um mehr als ±70 €/t bei: ABS-Granulat +100 €/t und PC-Granulat +150 €/t.

Eine erste Vorschau in die Juni-Notierungen, die abschließend allerdings erst Anfang Juli gemeldet werden, zeigt einen fast unveränderten Durchschnittspreis von 1277 €/t. Bis zum 15.06.2015 zeigt die Internetplattform plasticker eine gute Nachfrage nach Technischen Kunststoffen.

Tabelle 3: Notierungen für Technische Kunststoffe in plasticker; Angaben in €/t

5: entspricht der Qualität Regranulat schwarz; 6: Vorschau, die sich durch weitere Angebote verändern kann.


Alle Preisangaben ohne Gewähr. Alle EUWID-Preise ab Station. Die Preise beziehen sich in der Regel auf Mengen größer 20 Tonnen. Aus den stündlich aktualisierten Monatspreisübersichten - erstellt aus den Angeboten in der Rohstoffbörse plasticker, lassen sich monatliche Preisnotierungen für die Sekundärkunststoffe errechnen. Dieser Preisspiegel zeigt Notierungen, die allerdings unter dem Vorbehalt der Ermittlung aus den eingestellten Angeboten stehen. Darüber hinaus unterscheidet plasticker nicht zwischen den Qualitäten klar, bunt oder farbsortiert. Dadurch ergibt sich aus den plasticker-Angaben unter Umständen ein anderes Marktgeschehen als beim EUWIDPreisspiegel.


Die Informationen zur Marktlage von Kunststoffen wurden uns freundlicherweise bereitgestellt von:
bvse - Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V.

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