bvse-Marktbericht Kunststoffe - Juli 2015

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1. Der Markt für Primärkunststoffe

Gute Nachrichten vom ifo Geschäftsklimaindex, s. www.cesifo-group.de: Der ifo Geschäftsklimaindex für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands ist im Juli von 107,5 Punkten auf 108,0 Punkte gestiegen. Die Stimmung der deutschen Wirtschaft hat sich in der Sommerpause überraschend verbessert. Die Unternehmen beurteilen die Aussicht für das nächste Halbjahr optimistisch.

Schon sehr erstaunlich ist die zunehmende Skepsis, die Kunststoffen entgegengebracht wird. Zunächst ist hier die europäische Richtlinie zur Verminderung des Verbrauchs von Kunststofftaschen zu nennen. Fortgesetzt wird dieser Reigen u.a. durch die NABU-Studie „Plastikflut in Deutschland wird bis 2030 erheblich anwachsen“, die vorschlägt Kunststoffflut durch Sonderabgaben zu stoppen, s. www.nabu.de. Kunststoffe ermöglichen es uns in besonderer Weise Energie und Rohstoffe, das sind v.a. NE-Metalle und Fe-Metalle, Holz, Papier, Pappe, Kartonagen, aber auch Beton und Glas, einzusparen. Darüber hinaus verlängern beispielsweise Kunststofflacke und Kunststoffbeschichtungen die Einsatzlänge von Materialien beträchtlich. Das Bewusstsein um die vielfältigen Vorteile von Kunststoffen in allen Bereichen des täglichen Lebens fehlt vielfach in Gesellschaft und Politik.

1.1 Standardkunststoffe: Trotz eines niedrigen Ölpreises, der über die letzten 100 Tage im Durchschnitt 61,7 US $ je Barrel beträgt, verteuern sich die Primärkunststoffe seit Februar fortlaufend. Seit Februar legen die Preise für die Standardkunststoffe in großen Schritten, nämlich jeweils um 138 €/t, 191 €/t, 91 €/t und 72 €/t zu, s. Tab. 1. Die vorgenannten monatlichen Preissteigerungen bilden eine klassische Wachstumskurve, die extrapoliert im September ihren Höhepunkt erreichen wird.

Eine ausführliche Diskussion mit Angaben zu Preisspiegeln für Neuware und Altkunststoffe sowie von Vorprodukten finden Sie in EUWID Recycling und Entsorgung bzw. in EUWID Kunststoff, s. www.euwid.de sowie in KI - Kunststoffinformation, s. www.kiweb.de.

Die EUWID-Notierungen zeigen, dass inzwischen der Kunststoffpreis vom Erdölpreis vollkommen entkoppelt ist. Auch die Vorprodukte notieren niedrig. Die Force Majeure bei den Standardkunststoffen hält an. So bestehen weiterhin große Engpässe bei vielen Standardkunststoffen. Noch immer fallen Anlagenkapazitäten aus; es fehlt an Neuware. Dem gegenüber steht ein hoher Bedarf an Kunststoffen. Erstmals seit langem liegen wieder alle Preise für Standardkunststoffe über 1000 €/t. Seit April fallen bei PS die monatlichen Preisanstiege relativ moderat aus im Vergleich zu den anderen Standardkunststoffen. Verpackungs-PET entspricht mit 1310 €/t in etwa dem Durchschnittspreis des Vormonats (1320 €/t).

1.2 Technische Kunststoffe: Der nachgebende Rohölpreis zieht auch die Notierungen für Technische Kunststoffe im Februar nach unten. Im April gibt es auf Grund von Force Majeur, das sind vor allem Produktionsausfälle, einen Preissprung um 81 €/t nach oben. Um nochmals 90 €/t ziehen die Preise im Juni an. Ähnlich hohe Notierungen wurden zuletzt im Juni 2012 aufgerufen. Experten berichten, dass bei den Technischen Kunststoffen inzwischen Angebot und Nachfrage besser als zuvor ausgeglichen seien. Dennoch ist eine nochmalige Preiserhöhung im August wahrscheinlich.

Tabelle 1: EUWID-Notierungen Technischen Kunststoffe, die alle zwei Monate erscheinen, über die letzten sechs Monate hinweg; Preise in €/t.


2. Der Markt für Sekundärkunststoffe

Die Preisspiegel für Sekundärkunststoffe geben die Force Majeure bislang nur moderat wieder. Kunststoffverarbeiter suchen verzweifelt Recyclate - diese möglichst zu ausreichenden Mengen, konstanter und guter Qualität - um ihre Neuware vorteilhaft zu ergänzen. Die Recyclate stoßen inzwischen auf hohe Akzeptanz bei den Kunststoffverarbeitern, die inzwischen auch bereit sind, bei der Verarbeitung nachzujustieren. Hierbei zeigt sich die Pufferwirkung des Kunststoffrecyclings ganz deutlich - Recyclate stabilisieren den Primärkunststoffmarkt. Allerdings könnten die Kunststoffrecycler deutlich mehr leisten, wenn sie nicht so viel Material einerseits an die Müllverbrennung und anderseits an den Fernostexport verlieren würden.

Leider gibt es immer noch zahlreiche europäische Mitgliedsstaaten, die kaum etwas Positives zum Kunststoffrecycling beitragen. In zahlreichen europäischen Mitgliedsstaaten fehlen effektive Sammeleinrichtungen, Sortieranlagen sowie Aufbereitungs- und Verwertungsbetriebe. Während die VR China seit vielen Jahren Kunststoffabfälle aus der ganzen Welt aufkauft und erfolgreich verarbeitet, haben europäische Mitgliedsstaaten die Werthaltigkeit dieses Stoffstromes immer noch nicht verstanden.

Nach wie vor leidet das Kunststoffrecycling darunter, dass der Verarbeitungsinput knapp ist und teuer. Und nach wie vor ist die Qualität des Verarbeitungsinputs unzureichend. Nach wie vor werden deutsche Sammel- und Sortiermengen bewusst verknappt und stehen den Kunststoffrecyclern nicht mehr zur Verfügung. Kunststoffrecycler sind daher auf den Import von Kunststoffverarbeitungsmengen aus dem Ausland angewiesen. Weiterhin fehlt den Kunststoffrecyclern in Deutschland ausreichender Verarbeitungsinput zu akzeptabler Qualität. Darüber hinaus haben die Kunststoffrecycler Schwierigkeiten, trotz Force Majeure, die Recyclatpreise angemessen zu erhöhen.

Während plasticker stabile Preise für Juni und Juli ausweist, findet sich die Force Majeure bei EUWID bei den PE- und PP-Kunststoffabfällen wider. Bei EUWID betragen bei den Olefinen die durchschnittlichen Preissteigerungen 14 €/t, während sich die Primärware um 72 €/t verteuert.


2.1 Preisspiegel EUWID

Im Juni schlägt die Force Majeure auch auf die Altkunststoffe durch. Besonders gesucht sind gute Qualitäten von PE und PP. Die Polyolefine notieren durchschnittlich um 14 €/t höher; dabei reichen die Preiserhöhungen von 10 €/t bis 50 €/t. Vereinzelt sind auch geringe Preisrücknahmen von 10 €/t bis 30 €/t auszumachen. Die Preisveränderungen sind sehr spezifisch nach Kunststoffart.

Die PE-Produktionsabfällen notieren im Durchschnitt um 19 €/t höher: z.B. LDPE-Folie bunt (K49) 240-360 €/t und LDPE-Folie natur (K40) 500-680 €/t. Bei LDPE-Folie notiert der untere Preisbereich um 30 €/t günstiger, während der obere Preisbereich sich um 50 €/t verteuert.

Bei PE post user notieren die folgenden Qualitäten im Durchschnitt um 7 €/t höher: LDPE-Schrumpfhauben natur (E 40), LDPE-Schrumpfhauben bunt (E 49), Folie transparent natur, HDPE-Kastenware farbsortiert und HDPE-Kastenware bunt. Schrumpfhauben konnten um durchschnittlich 20 €/t zulegen während die anderen Folienabfälle unverändert notieren.

PP-Produktionsabfälle sind stark nachgefragt. Dies gilt auch für die PP post user Abfälle, die allerdings nicht in EUWID notiert werden. Die PP-Produktionsabfällen notieren um durchschnittlich 23 €/t höher, z.B.: Folie bunt (K 59) 150-250 €/t, Folie natur (K 50) 350-500 €/t.

Wiederum keine Veränderungen bei den Preisnotierungen von PVC. Die Preiserhöhungen aus dem Primärmarkt schlagen nicht auf den Sekundärmarkt durch. Eine gute und stabile Nachfrage nach PVC ist dem Baubereich zu verdanken. Auch PS profitiert von der Baukonjunktur. Die PS-Produktionsabfälle notieren unverändert.

In den Sommermonaten ist das Angebot an PET-Einweg-Pfandflaschen deutlich höher. PET-Recycler treffen jetzt auf ein ausreichendes Angebot. Allerdings haben auch die Flaschenpreise im Preis angezogen. Die Recyclatpreise konnten nur bedingt angehoben werden. Der Absatz an Recyclaten, das sind Flakes und Regranulate, ist gut. Die EUWID-Notierungen für Flaschen-PET erhöhen bei PET klar um durchschnittlich 10 €/t und bei PET bunt um 5 €/t.


2.2 Preisspiegel plasticker

Die Internetplattform plasticker bildet tagesaktuelle Notierungen ab. Im vorliegenden Marktbericht sind die monatlichen Preisabschlüsse angegeben. Lediglich im jeweiligen Berichtsmonat, hier für Juli 2015, werden die bis dahin aufgelaufenen vorläufigen Notierungen angegeben – diese sind also ein Zwischenstand - die erst im August 2015 endgültig werden. Bei plasticker werden bei den Qualitäten Mahlgut und Granulat sowohl Neuware wie auch Sekundärware angeboten. Ballenware bezieht sich ausschließlich auf Kunststoffabfälle.

Standardkunststoffe

Im Juni notieren die Durchschnittspreise der Standardkunststoffe in plasticker mit 603 €/t nur wenig verändert zum Vormonat. Bei den einzelnen Qualitäten gibt es moderate Preisveränderungen. So reichen die Preiserhöhungen von 10 €/t bis 50 €/t und die Preisnachlässe von 10 €/t bis 80 €/t. Während HDPE Mahlgut um 50 €/t zulegt, verliert das HDPE-Granulat um 80 €/t. LDPE-Granulat verzeichnet seit Mai Höchststände. Etwas überraschend sind die relativ konstanten PP-Notierungen, da dies der Kunststoff ist, bei dem gefühlt die größte Nachfrage besteht. Der Juni zeigt eine gute Nachfrage nach Standardkunststoffen. Die PET-Ballenware und das PET-Mahlgut bunt notieren auf niedrigem Niveau weiterhin stabil.

Eine erste Vorschau in die Juli-Notierungen, die allerdings abschließend erst Anfang August gemeldet werden, gibt den voraussichtlichen Durchschnittspreis zu 613 €/t an. Damit weist die Internetplattform plasticker am 13.07.2015 wenig veränderte Juli-Preise aus. Der Juli zeigt bisher eine gute Nachfrage nach Standardkunststoffen.

Tabelle 2: Notierungen für Standardkunststoffe in plasticker; Angaben in €/t.

*: Zu geringe Angebotszahl, um eine statistische Signifikanz zu erreichen; 1: entspricht der Qualität Produktionsabfall, bunt; 2: entspricht K49; 3: entspricht K59; 4: entspricht Standard bunt; 5: entspricht sder Qualität Regranulat schwarz; 6: Vorschau, die sich durch weitere Angebote verändern kann.

Technische Kunststoffe

Im Juni notieren die Durchschnittspreise der Technischen Kunststoffe in plasticker zu 1265 €/t; das sind 24 €/t weniger als im Vormonat. Im Vergleich zum Juni im Vorjahr sind die Technischen Kunststoffe im Juni 2015 um 57 €/t preisgünstiger. Bei den einzelnen Qualitäten gibt es nur geringe Preisveränderungen: die Preiserhöhungen reichen von 10 €/t bis 80 €/t und die Preisnachlässe von 20 €/t bis 150 €/t. Der Juni zeigt eine ausreichend gute Nachfrage nach Technischen Kunststoffen. Laut plasticker verändern sich im Juni die folgenden Preisnotierungen um mehr als ±70 €/t bei: PC-Mahlgut -80 €/t und PC-Granulat -150 €/t, PA 6-Granulat +80 €/t und POM-Granulat -80 €/t. PBT-Mahlgut und PBT-Granulat zeigen insgesamt die Tendenz zu weiter fallenden Preisen.

Eine erste Vorschau in die Juli-Notierungen, die abschließend allerdings erst Anfang August gemeldet werden, zeigt einen Durchschnittspreis von 1283 €/t; das sind um 18 €/t mehr als im Vormonat. Bis zum 13.07.2015 zeigt die Internetplattform plasticker eine gute Nachfrage nach Technischen Kunststoffen.

Tabelle 3: Notierungen für Technische Kunststoffe in plasticker; Angaben in €/t

5: entspricht der Qualität Regranulat schwarz; 6: Vorschau, die sich durch weitere Angebote verändern kann.


Alle Preisangaben ohne Gewähr. Alle EUWID-Preise ab Station. Die Preise beziehen sich in der Regel auf Mengen größer 20 Tonnen. Aus den stündlich aktualisierten Monatspreisübersichten - erstellt aus den Angeboten in der Rohstoffbörse plasticker, siehe www.plasticker.de, lassen sich monatliche Preisnotierungen für die Sekundärkunststoffe errechnen. Dieser Preisspiegel zeigt Notierungen, die allerdings unter dem Vorbehalt der Ermittlung aus den eingestellten Angeboten stehen. Darüber hinaus unterscheidet plasticker nicht zwischen den Qualitäten klar, bunt oder farbsortiert. Dadurch ergibt sich aus den plasticker-Angaben unter Umständen ein anderes Marktgeschehen als beim EUWID-Preisspiegel.


Die Informationen zur Marktlage von Kunststoffen wurden uns freundlicherweise bereitgestellt von:
bvse - Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V.

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