| 15.07.2026, 08:32 Uhr | Lesedauer: ca. 3 Minuten |
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Im Rahmen des Forschungsprojekts "PerPlacsBio" haben Vertreter aus Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Forschung, Beratung und Industrie bei einem Fachworkshop am 18. Juni 2026 in Haus Düsse (Bad Sassendorf) den Einsatz biobasierter und biologisch abbaubarer Kunststoffe in der land- und forstwirtschaftlichen Praxis diskutiert. Ziel der Veranstaltung war es, den aktuellen Wissensstand zusammenzuführen, praktische Anforderungen zu analysieren und Perspektiven für nachhaltigere Kunststofflösungen zu entwickeln. Im Mittelpunkt standen die Anforderungen der Anwender, Produkteigenschaften sowie bestehende und künftige Einsatzfelder. Fachvorträge beleuchteten Herausforderungen bei der Reduzierung konventioneller Kunststoffe, mögliche Anwendungen biologisch abbaubarer Materialien sowie verfügbare Lösungen und Anbieter. Ein zentrales Element der Veranstaltung war ein World Café, in dem Unternehmen und Projektpartner gemeinsam mit den Teilnehmern konkrete Anwendungen und offene Fragestellungen diskutierten. Thematisiert wurden unter anderem Mulchfolien, Befestigungssysteme, Schutzabdeckungen sowie Baumschutzhüllen für den Forstbereich. Beteiligt waren unter anderem die Hersteller biologisch abbaubarer Baumschutzhüllen Rainbow und Deosend sowie BASF und FKuR mit biologisch abbaubaren Werkstoffen für Mulchfolien und Clips. Ergänzt wurde das Programm durch Beiträge des Partnerprojekts "AgriRePlas" sowie ein Pflanzengefäß aus Naturfasern von Neisser Geotextilien. Die Diskussionen zeigten laut Veranstalter, dass biologisch abbaubare Kunststoffe insbesondere dann Vorteile bieten können, wenn geeignete regulatorische Rahmenbedingungen, ausreichende Materialeigenschaften und belastbare Informationen zusammentreffen. Im Bereich biologisch abbaubarer Baumschutzhüllen wurden bereits mehr als 500.000 Produkte verkauft. Auch das Interesse an biologisch abbaubaren Mulchfolien wächst. Der europäische Markt für Mulchfolien umfasst derzeit rund 80.000 Tonnen jährlich, wobei biologisch abbaubare Varianten bislang etwa fünf Prozent ausmachen. In China liegt ihr Marktanteil bereits bei rund zehn Prozent. Gleichzeitig zeichnen sich auch bei Saatgutbeschichtungen und Trägermaterialien für Düngemittel Veränderungen ab, da neue regulatorische Vorgaben und mögliche Beschränkungen konventioneller Kunststoffe den Entwicklungsdruck erhöhen. Vorgestellt wurde außerdem das Online-Unternehmensverzeichnis "Renewable Carbon Companies" (ReCaCo), das Unternehmen, Rohstoffe, Technologien und Produkte auf Basis erneuerbaren Kohlenstoffs – biobasiert, CO₂-basiert oder recyclingbasiert – bündelt. Im Rahmen von "PerPlacsBio" wird das Verzeichnis gezielt um Lösungen für die Land- und Forstwirtschaft erweitert. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Normung biologisch abbaubarer Produkte. Präsentiert wurde die DIN SPEC 35808, die Anforderungen an den biobasierten Anteil und den biologischen Abbau von Baumschutzhüllen unter waldähnlichen Bedingungen definiert. Da die tatsächliche Abbaugeschwindigkeit von Boden- und Umweltbedingungen abhängt, umfasst die Spezifikation zwei Prüfkonzepte: einen Nachweis der grundsätzlichen biologischen Abbaubarkeit sowie eine Bewertung des Abbaus unter praxisnahen Bedingungen. Ziel ist es sicherzustellen, dass langfristig keine persistenten Kunststoffreste im Waldboden verbleiben. Die Ergebnisse des Workshops fließen in die weitere Arbeit des bis Ende 2027 laufenden Forschungsprojekts "PerPlacsBio" ein. Das Projekt wurde Ende 2025 von der Universität Münster, der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg und dem nova-Institut gestartet. Es wird von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) im Auftrag des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) im Förderprogramm "Nachhaltige erneuerbare Ressourcen" gefördert. Weitere Ergebnisse aus den Projekten "PerPlacsBio" und "AgriRePlas" sollen zudem auf der Renewable Materials Conference 2026 im Workshop "Rethinking Plastics in Agriculture and Forestry" vorgestellt werden. Weitere Informationen: renewable-materials.eu/ |
nova-Institut für politische und ökologische Innovation GmbH, Hürth, Germany
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