Geschichte des Kunststoffs

Biografien von Pionieren der Kunststofftechnik

Fritz Stastny

* 04.03.1908 in Brünn, dem heutigen Brno, Tschechoslowakei
† 25.05.1985 in Ludwigshafen

Fritz Stastny war als Chemiker der BASF sehr erfolgreich auf dem Gebiet der Schaum-Kunststoffe und war u.a. der Erfinder des „Styropor“.


"Fritz Stastny - Vom Stoff, aus dem die Schäume sind"

(Quelle: "Portraits in Plastik – Pioniere des polymeren Zeitalters", 1998, Siegfried Heimlich, Frankfurt am Main - mit sehr freundlicher Genehmigung des Autors)

Am Anfang stand ein Traum: der Traum der Polymerchemiker, aus einem Kunststoff einen Schaumstoff zu entwickeln. Einer, der diesen Träumen nachhing, war der Ingenieur Fritz Stastny von der Ludwigshafener BASF. Gemeinsam mit seinem Chef Rudolf Gäth gelang es ihm, diese Vision wahr werden zu lassen. Die Patente, die den Weg in eine schaumige Zukunft ebneten, tragen den Namen dieser Männer. Polystyrol (PS) ist "Der Stoff, aus dem die Schäume sind". So auch der Titel eines schmalen Büchleins aus der Schriftenreihe der BASF, in dem auf knapp 100 Seiten "Die Geschichte vom Styropor" festgehalten wird. Fritz Störi, damals Mitarbeiter in der Presseabteilung des badischen Chemieriesen, hat Ende der 70er Jahre nach den Aufzeichnungen von Fritz Stastny Daten und Fakten zu diesem Kapitel zusammengetragen. Es geht - so schreibt der gelernte Journalist Störi im Vorort seines Breviers - um die Geschichte des Schaumstoffs "Styropor". Aber es geht auch um einen spannenden Zeitabschnitt aus der Entwicklung moderner Werkstoffe. Für die Öffentlichkeit war der Schaumstoff "Styropor" zwar eines Tages einfach da, aber er fiel ja nicht wie Hagelkörner aus heiterem Himmel. Auch im Labor hatte sich der Prototyp dieser großporigen Kreation von einem zum anderen Tag einfach eingestellt - und dann noch eher aus Versehen. Aber davor und danach - so betont Störi - wurde jahrelange harte Arbeit geleistet. Das war im Rückblick der Beteiligten eine "Ochsentour". Doch sie habe sich am Ende gelohnt. Und man könne daraus lernen: Nicht nur, warum und wie "Styropor" erfunden wurde, sondern vor allem auch, was notwendig ist, um etwas Neues zu entdecken.

Anfang der 50er Jahre schaltete die BASF, Ludwigshafen, die sich zu jener Zeit noch in schönster Sütterlinschrift und zeilenschindender Länge "Badische Anilin- & Soda-Fabrik" nannte, in verschiedenen Fachzeitschriften die Anzeige vom "leichtesten Schiff der Welt". Bei dem maritinen Leichtgewicht handelte es sich um das Modell eines Luxusliner, nicht besonders schön, stark abstrahiert, aber es war eines der ersten Produkte aus dem gerade bei dem Ludwigshafener Unternehmen entdeckten geschäumten Polystyrol (PS), auch EPS genannt. Das steht als Kurzform für expandiertes Polystyrol. Bei der BASF selbst nannte man die aufgeblasene PS-Variante "Styropor", was sich als Begriff in den kommenden Jahren wie "Nylon" für PA-Fasern oder "Teflon" für PTFE verselbständigen sollte.

Dieses "Styropor" -Schiffchen jedoch, dessen praktische Darstellung auf dem BASF-Stand anläßlich der Kunststoffmesse 1952 in Düsseldorf in erster Linie Fachleute ansprechen sollte, demonstrierte schon sehr überzeugend die Tugenden dieses neuen Materials aus dem Arsenal der Chemie. Das "leichteste Schiff der Welt" war 16 Zentimeter lang, vielleicht an die 5 Zentimeter hoch und wog ganze 5 Gramm. Damit war eine der wichtigsten Eigenschaften dieser Messenovität bereits gekennzeichnet: das geringe spezifische Gewicht von gerade mal 0,025 an aufwärts. Darüber hinaus wurde auf der Messe in Düsseldorf das gute elektrische und thermische Isoliervermögen von "Styropor" hervorgehoben. Es wurde auf die Beständigkeit gegenüber Wasser, Säuren und Laugen sowie auf die "hervorragende Strukturfestigkeit" hingewiesen. Kam ein für die damaligen Zeiten geradezu sensationeller Pluspunkt hinzu: Das geschäumte Polystyrol ließ sich direkt und in einfachen Arbeitsgängen zu Formkörpern nahezu jeglicher Gestalt wie z. B. Isolierbehältern, Platten, Kugeln, Schwimmern oder eben Schiffsmodellen verarbeiten.

Mit "Styropor" läßt sich Zerbrechliches sicher verpacken. Es ist ein effektiver Stoßdämpfer. Es schützt leicht verderbliche Lebensmittel auf langen Transportstrecken, weil sein Isoliervermögen die Ware vor großen Temperaturschwankungen bewahrt. Aber EPS schützt wegen seiner Dämmeigenschaften auch Häuser vor sommerlicher Hitze und winterlichem Frost. Es verhindert, daß durch Wände und Dach kostbare Wärme entweicht, gleichzeitig, daß die eisigen Nordwinde eindringen. Unter Fußboden-Heizungen verlegt, halten die geschäumten EPS-Platten den Wärmeverlust in Grenzen; und unter sogenanntem "schwimmendem Estrich" installiert, dämpft "Styropor" auch die Ausbreitung des Schalls.

In Form von kleinen aufgeschäumten Kugeln schließlich, die dem Mörtel, Zement oder auch Beton beigemischt werden, trägt "Styropor" auch auf diesem Weg zur Wärmedämmung und zu geringem Gewicht von Fertigelementen am Bau bei.

Zeiten- und Szenenwechsel: Frühsommer 1997 auf dem Betriebsgelände der BASF in Ludwigshafen. Wenige Schritte vom Besuchereingang im Hochhaus stößt man auf das Gebäude D 102: In dessem 3. Stock befindet sich das Archiv des Unternehmens. Meterweise beschriftete Ordner, Akten, Bücher - Dokumente der Vergangenheit. In einem dieser vielen Schnellhefter entdeckt man unter dem Stichwort "Stastny, Fritz" das Original eines mit mechanischer Schreibmaschine getippten Briefes an die Direktion der BASF AG. In diesem Schreiben bittet Stastny das Unternehmen, doch gegen die Tageszeitung "Rheinpfalz" entsprechende Schritte einzuleiten, um eine Richtigstellung zu veranlassen, Was war passiert? In einem Artikel über "Styropor" hatte das Blatt als Erfinder dieses Materials nämlich Rudolf Gäth genannt. Kein wahres Wort sei daran - so der gekränkte Dr. Stastny. Gäth sei zwar sein Chef gewesen, hätte auch gewisse, durchaus verdienstvolle Anteile an der Realisierung des Projekts, aber die eigentliche Erfindung des Schaumstoffs stamme von ihm, allein von ihm. Das sei schließlich auch in der Patentschrift festgehalten ("Kopie anbei") und in den Unterlagen der Firma dokumentiert.

Das war die eine Seite von Stastny: gekränkte Eitelkeit. Auf der anderen Seite soll ihn auch eine geradezu geniale Großzügigkeit ausgezeichnet haben. Beschrieben wird er als ein sehr sensibler, hochintelligenter, musisch und technisch begabter Mensch. Ruth Fromm, Mitte 1997 noch im Archiv der BASF tätig (inzwischen wohl im Ruhestand), kannte den Dr. Stastny persönlich. Sie weiß zu berichten, daß der Herr Doktor auch nach seiner Pensionierung vor einem knappen Vierteljahrhundert oft und gerne ins Werk schaute und die ehemaligen Kollegen besuchte. Sie kann sich gut daran erinnern, wie sehr Stastny die Musik liebte. Er beherrschte selbst einige Instrumente, spielte Klavier und Geige und komponierte auch selbst. Gelegentlich auf einem Hausmusikabend spielte er eingeladenen Gästen aus seinen eigenen Werken vor.

Fritz Stastny wurde 1908 in Brünn, dem heutigen Brno, in der Tschechoslowakei geboren. Brünn, damals schon eine Großstadt, heute mit etwa 400 000 Einwohnern Messe- und Hauptstadt des Verwaltungsgebiets Südmähren, war schon zu dieser Zeit eine quirlige, kulturell interessante, weltoffene Stadt. Sie liegt am südöstlichen Rand des BöhmerwaIds, hat viel Industrie, einen berühmten Dom aus dem 15. Jahrhundert und sowohl eine Universität als auch Technische Hauptschule. Letztere besuchte Stastny nach dem Abitur an der Deutschen Landesoberrealschule. Er studierte Chemie und Chemische Technologie und schloß 1930 mit der Prüfung zum Diplom-Ingenieur ab. Drei Jahre später, 1933, promovierte Stastny zum Dr. techn. mit einer Dissertation über "Zerfallsvorgänge in Polythionatlösungen".

Die ersten Berufsjahre führen den jungen Chemie-Ingenieur in die "Goldene Stadt" an der Moldau, nach Prag und in das Werk Engerau der damaligen Semperit Gummiwerke AG. Bereits dort sammelt Stastny wichtige Erfahrungen für seine späteren Arbeiten auf dem technologischen Gebiet der Gummiprodukte. Im Jahr 1939, dem Jahr, in dem deutsche Truppen nach Polen einmarschieren und damit den 2. Weltkrieg (1939-1945) auslösen, beginnt Stastny bei der BASF. Vorerst ist er dort als Sachbearbeiter für Sonderprodukte in der sogenannten Coloristischen Abteilung "Kuro" (steht für Kunststoff-Rohstoffe) eingesetzt. Er beteiligt sich u.a. an der wegen der kriegerischen Zeiten forcierten Weiterentwicklung von Kautschuk- und anderen Syntheseprodukten. Untersucht werden aber auch Weichmacher für die Polyamidfertigung, Bindemittel und andere chemische Erzeugnisse. Zu seinem Aufgabengebiet gehören ebenfalls Herstellmethoden für Schaumstoffe.

Im Herbst 1949 - so lesen wir es im Buch von Störi - gelang der erste wichtige Schritt auf dem Weg zum "Styropor"-Verfahren. Es war das Jahr, in dem am 14. August der erste Bundestag der neuen Republik im deutschen Westen gewählt und das Grundgesetz proklamiert wurde. Bei der BASF konnte eine Schaummethode mit einpolymerisiertem Treibmittel entwickelt werden. Es war nicht das Ergebnis systematischer Empirie. Kollege Zufall mischte mal wieder kräftig mit. Chronist Störi beschreibt diese wichtige Phase auf dem langen Marsch zum "Styropor" als simple Versuchsanordnung: Am 18. Oktober 1949 mixte Stastny folgenden Ansatz: 250 Gramm Monostyrol und Polystyrol im Verhältnis 6:4; 35 Gramm Petroläther als Treibmittel und 3 Gramm Benzolperoxid.

Anderthalb Monate später hieß es im Laborjournal "Klare Lösung, bei Raumtemperatur bis 1.12.1949 gelagert. Durchsichtige, harte Scheibe entnommen." Und dann kommt's: Das - übrigens in einer der damals üblichen Schuhcremedosen abgefüllte - Muster sollte in dem Gefäß mit jetzt gelockertem Deckel bis zum Abend im Trockenschrank deponiert werden. Dort wurden, durch welche Umstände auch immer, Muster und Dose in der Hektik eines Laboralltags vergessen. Kann sein, daß schon ein bißchen Advent gefeiert wurde, was weiß man. Jedenfalls wurde die Probe erst am nächsten Tag aus dem Trockenspind geholt. Große Überraschung: Die "durchsichtige, harte Scheibe" war nicht wiederzuerkennen. Neckisch wie eine Baskenmütze saß der Deckel auf einem 25 Zentimeter hohen Schaumberg. Das Gebilde war starr und sah aus wie länglich verzogene Bienenwaben. Was da aus Versehen vorlag, war ein unhomogener Schaumstoff mit einem Leichtgewicht von etwa 5 bis 70 Gramm pro Liter. Die anfängliche Überraschung schlug in Jubel um. Ganz offensichtlich war man dem Geheimnis der Schaumbildung auf der Spur.

Die Fährte war zwar aufgenommen; das Wild aber noch lange nicht erlegt. Jetzt mußte herausgefunden werden, welche Treibmittelmenge zur optimalen Qualität der Schaumstruktur führte. Experimentiert wurde dabei auch mit anderen, die PS-Partikel aufplusternde Ingredienzien. Untersucht wurden diverse Benzinfraktionen, auch Sorten von Leichtbenzin, wie sie u.a. die Turbinen von Flugzeugmotoren antreiben. Überhaupt: Der Einsatz nicht lösender Flüssigkeiten als Treibmittel, die Methode des Heißwasser- und Wasserdampf-Aufschäumens, die Herstellung unterschiedlichster Formkörper aus den blähfähigen Partikeln sowie die Konzeption von Vorschäumverfahren waren weitere wegweisende Etappen. Bis 1952 wurde daran emsig gearbeitet, so daß die Grundlagen zur Großproduktion von EPS-Granulat bis zu diesem Zeitpunkt vorlagen. Bis hin zur Möglichkeit, jenen "Styropor"-Kahn als "leichtestes Schiff der Welt" auf der Düsseldorfer Plastshow '52 zu präsentieren und damit die Leichtigkeit des neuen Plastikseins überzeugend zu demonstrieren.

Einer der ersten Kunden war jedoch nicht etwa einer der großen Hersteller von Isoliermaterial oder ein Kabelwerk, sondern ein Kriegsversehrter, der eine pfiffige Idee hatte. Er stellte aus "Styropor" nach der Heißwassermethode Weihnachstglocken her, die man sich als Dekoration in den Tannenbaum hängen konnte. Da die Dinger nicht nur recht hübsch, sondern auch federleicht und preiswert waren, gingen sie weg wie warme Semmeln. Der Mann machte ein Riesengeschäft. Enttäuscht - so mutmaßt der "Styropor"-Biograph Störi - waren höchstens die Kinder. Denn denen waren beim beliebten "Plündern" des Christbaums Glocken aus Schokolade allemal lieber.

Es kamen noch weitere Kunden. Interesse war - wenn auch verhalten - da. Aber noch keine Apparatur zum Verarbeiten größerer Mengen von blähfähigem Granulat. Vorgeschäumt wurde unverändert in heißem Wasser oder mittels Dampf in denkbar primitiven Vorrichtungen. Die Firma Grünzweig + Hartmann AG in Ludwigshafen konstruierte dann eine der ersten Anlagen zum Vorschäumen. Durch ein Rohr mit Schneckenförderung wurden die PS-Partikel in ein Wasserbad von 10 Meter Länge hinein- und die dann vorgeschäumten Teilchen auch wieder hinaus transportiert. War dagegen Dampfschäumen angesagt, so arbeitete man mit Vorschäumkästen. Das waren Behälter, in denen die Partikel auf Siebböden in dünner Schicht von aufsteigendem Dampf bestrichen wurden.

Pech nur für Stastny und seinen Brötchengeber BASF, daß die frühen 50er Jahre ganz offensichtlich gar nicht so schrecklich wild waren auf dieses neuartige, aus winzigen Partikeln mit Treibmittel und unter Dampf aufgeplusterte Retortenzeug. Es gab Kork, Glaswolle, Torf, Stroh und Dämmstoffe anderer Art in ausreichendem Maße. Viel Zeit, Geduld und gute Worte - so erinnerte sich Stastny gegenüber dem Journalist Störi - waren erforderlich, um das geschäumte Polystyrol unter die Leute, vor allem aber unter die Fachleute zu bringen. Insofern ist die Markteinführung des neuen Produkts auf der Angebotspalette der BASF auch ein gutes Beispiel für gekonntes Marketing in der Steinzeit des auf Neudeutsch sogenannten "Product Placement". Einen wesentlichen Part in dieser PR-Strategie übernahm Stastny als Protagonist des gesamten Spektakels selbst. Er avancierte zum vagabundierenden Prediger in einer republikweiten "Styropor"-Mission.

Die erste saalfüllende Präsentation der schaumigen Neuheit nach dem Stapellauf des EPS-Musikdampfers auf der Messe in Düsseldorf erfolgte auf der Stuttgarter Kunststofftagung 1954. Stastnys Vortrag über "Styropor - ein neuartiger poröser Kunststoff" vor dem Auditorium dieser renommierten Fachtagung war der Anfang einer ganzen Serie von Auftritten in der damaligen BRD. Aber auch ins europäische Ausland und nach Übersee trug sein Erfinder die Kunde von "Styropor". Insgesamt müssen es an die 200 solcher Redemarathons gewesen sein, mit denen die Nachricht von dem luftig-leichten Retortengebilde aus Ludwigshafen über das Erdenrund verbreitet wurde.

Parallel dazu lief eine wandernde "Styropor"-Ausstellung durch die wichtigsten Großstädte der Bundesrepublik und Westeuropas. Unter dem Dach einer mobilen Traglufthalle tingelte der "Styropor-Zirkus" mit ausgewählten Exponaten, mit Modellen fiktiver Anwendungen, mit Dia-Show, Comics und Beratungsgesprächen durch die Lande. Flankiert wurde die Aktion durch Inserate in der Tages- und Fachpresse. Die Resonanz war überwältigend. Das Interesse an Ausstellung und Material war groß. Aber groß waren auch die Vorbehalte, wie sich alte "Styropor"-Hasen jener Zeit erinnern. Noch bedurfte es intensiver Aufklärung und fachlicher Überzeugungsarbeit, bis sich "der Stoff, aus dem die Schäume sind", so richtig etablieren konnte.

Zu der in jenen Jugendjahren des "Styropor" wahrscheinlich spektakulärsten Anwendung kam es 1964. Es ist ein Märchen wie aus "Tausendundeiner Nacht". Aber keines, das sich die Prinzessin Scheherazade aus den Fingern gesaugt hat, sondern eines, das vom Leben geschrieben und von cleveren Ingenieuren inszeniert wurde. Und es ist ein Märchen, das von ungeahnten Möglichkeiten modernster Kunststofftechnologie erzählt.

Die Geschichte begann damit, daß im Hafen des Scheichturms Kuwait das 1500-Tonnen-Schiff "Al Kuweit" mit 6000 Schafen an Bord gesunken war. Der Kahn lag jetzt 14 Meter tief auf dem Grund des Hafenbeckens und sollte gehoben werden. Aber wie, wo es damals und in jener Gegend an schwerem Bergungsgerät haperte? Da erinnerte sich jemand an einen Donald-Duck-Comic, in dem der gewitzte Erpel und seine drei fixen Neffen einen auf Grund gegangenen Dampfer größeren Kalibers mit Tennisbällen vollpumpten, um ihn dadurch mittels des wirksamen Auftriebs wieder an die Oberfläche seines nassen Grabs zu befördern. Ließ sich DonaIds Idee nicht adaptieren? Statt Tennisbälle aufgeblähte PS-Partikel?

Die Hebeaktion mit den Ping-Pong-Bällen wäre übrigens ein teurer Spaß geworden. Um einen Frachter von der Größe der "Al Kuweit" zu bergen, sind - so hat man ausgerechnet - immerhin rund 100 Millionen solcher luftgefüllten Plastikkuller erforderlich. Da könnte man für den Gegenwert auch gleich einen fabrikneuen Pott auf Stapel legen. Aber mit dem aufgeblähten PS klappte die Bergung Partikel mit einem Schüttgewicht von 30 Gramm pro Liter haben pro Kubikmeter mit ca. 950 Kilogramm einen Auftrieb von fast einer Tonne. Nach sechswöchigen Vorarbeiten konnte das Unternehmen starten. Täglich wurden 500 Kubikmeter "Styropor" in die Laderäume des abgesoffenen Viehtransporters gepumpt, insgesamt an die 2500 Kubikmeter. Als sich das Wrack dann hob, als es wie ein Geisterschiff aus den braunen Fluten des Hafens auftauchte, war die Sensation perfekt. Bilder des wie in einem Hollywoodfilm wundersam aus den Wassern aufsteigenden Schiffs gingen um die ganze Welt und trugen zum Bekanntheitsgrad von "Styropor" wohl mehr bei als die aufwendigste Werbeorgie.

Zwei Jahre später übrigens wurde das 580-Tonnen-Motorschiff "Neuwied" mit 1400 Tonnen Ladung an Bord nach gleichem, von Donald und Verwandtschaft inspirierten Prinzip aus der 20 Meter tiefen Westerscheide in Holland gehoben. Da assistierte dann aber schon ein mächtiger Schwimmkran, so daß sich der Einsatz von Schaumstoff mit lediglich 820 Kubikmeter in kostengünstigen Grenzen hielt.

Nach seinen "Styropor"-Erfolgen ruhte sich Stastny nun keineswegs auf den Lorbeeren der schäumenden Taten aus. Er war erfolgreich an weiteren Entwicklungsaufgaben der BASF beteiligt. So gehen Brandschutzplatten, wie sie von dem badischen Chemiewerk unter dem Markennamen "Palusol" vermarktet wurden, zu einem guten Teil auf sein Konto. Er entwickelte einen besonders wärmebeständigen HAT-Schaumstoff (HT steht für Hoch-Temperatur). Und schließlich kam mit "Neopolen" in den 60er Jahren auch ein geschäumtes Pendant zum Polystyrol auf Basis von Polyethylen (PE) auf den Markt.

Seit 1973 lebte Stastny im Ruhestand, mehr wohl im "Unruhestand". Denn immer wieder führte ihn der Weg an die Stätte seines früheren Schaffens. Und zuweilen mußte halt auch ein Protestschreiben der eingangs beschriebenen Art aufgesetzt werden. Wenn ihm jemand seinen Ehrenplatz auf der Ahnengalerie der Pioniere des polymeren Zeitalters streitig machen wollte. Dabei bleibt ihm dieser Sitz sicher; auch über seinen Tod hinaus. Stastny starb 1985 in Ludwigshafen.



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