Fachartikel vom 30.05.2005

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Aus Alt mach Neu - Der Stand der Dinge im PVC-Recycling

Andreas Arnold, Arbeitsgemeinschaft PVC und Umwelt e.V.


PVC-Produkte sind nicht nur besonders haltbar und pflegeleicht, sondern am Ende ihres langen Lebens auch gut wieder verwertbar. Die Palette der PVC-Recyclingprodukte reicht mittlerweile vom wärmedämmenden Fenster bis zur trendigen Designertasche.

Die Prognosen zeigen es deutlich: Der Werkstoff PVC befindet sich weltweit auf Wachstumskurs, dabei erfreuen sich vor allem PVC-Bauprodukte immer größerer Beliebtheit: Rohre, die sich wegen ihrer glatten Innenfläche wenig zusetzen und ohne Kran verlegt werden können, Bodenbeläge mit geringem Pflegeaufwand, witterungsbeständige Dach- und Dichtungsbahnen und hochisolierende Fenster, die man nicht streichen muss. Etwa 60 Prozent der PVC-Produktion fließt alleine in diese Anwendungen.

Zu wertvoll für die Deponie

Ein besonderer Vorzug ist die Langlebigkeit von PVC-Produkten. So können PVC-Fenster etwa bis zu 50 und PVC-Rohre sogar bis zu 100 Jahre alt werden. Aber auch das langlebigste Produkt muss irgendwann einmal ausgetauscht werden. Für die Deponie sind die alten PVC-Böden, Dachbahnen, Fenster und Rohre jedoch zu wertvoll. Nahezu vollständig wieder verwertbar, kann ihnen in einem neuen Produkt neues Leben eingehaucht werden.

Kein Neuland

Die Wiederverwertung von Produkten aus PVC ist für die Branche schon längst kein Neuland mehr. Bereits Anfang der 90er Jahre wurde damit begonnen, Recyclinganlagen zu errichten und Sammelsysteme aufzubauen bzw. zu optimieren - und dies mit immer größerem Erfolg. Beständig konnte die Menge der recycelten Bauprodukte in den letzten Jahren gesteigert werden. So wurden im vergangenen Jahr die von der europäischen PVC-Branche im Rahmen ihrer Selbstverpflichtung zur Nachhaltigen Verpflichtung, Vinyl 2010, selbst gesteckten Recyclingquoten zum Teil deutlich überschritten. Für den deutschen Markt hat sich hierbei vor allem die für Europa einzigartig enge Zusammenarbeit der Arbeitsgemeinschaft PVC und Umwelt e.V. mit den vier Recyclinginitiativen für Bodenbeläge (AgPR), Dachbahnen (ROOFCOLLECT), Fenster (Rewindo) und Rohre (KRV) bei der Aktion "PVC-Baustoffe Recycling" positiv ausgewirkt.

Neue Produkte aus alten Zutaten: PVC im werkstofflichen Recycling

Die Recyclingverfahren der verschiedenen Anlagen basieren grundsätzlich auf zwei unterschiedlichen verfahrenstechnischen Prozessen. Bei Produkten aus Hart-PVC (Fensterprofile und Rohre) erfolgt zunächst eine Vorzerkleinerung über einen Brecher mit nachfolgender Hartstoff-Abscheidung (Glas und Metall). Nach weiteren Aufbereitungsschritten wird das verbliebene PVC schließlich in einem Extruder regranuliert. Produkte aus Weich-PVC (Bodenbeläge, Dachbahnen) werden mittels eines Schredders zerkleinert. Zur Abtrennung der mineralischen Anhaftungen folgen mechanische und/oder pneumatische Reinigungsstufen. Die gereinigte PVC-Fraktion wird durch Kryogenvermahlung pulverisiert. Das so zurückgewonnene Mahlgut oder Pulver kann dann problemlos und ohne Qualitätsverlust zur Produktion neuer Anwendungen verwandt werden.

Mittlerweile wurden weitere hochmoderne Recyclingverfahren entwickelt. So ermöglicht das neue Vinyloop-Verfahren bei Altmaterialien, die Weich-PVC enthalten, durch selektives Auflösen die Trennung von PVC-Verbunden. Auch hier ist das Endprodukt hochwertiges sofort wieder einsetzbares PVC-Recyclat. Bei der neuen Recyclinganlage der Firma RGS90 in Stigsnaes (Dänemark) kann weiches und hartes PVC auch in nicht gereinigtem Zustand angenommen werden. In einem chemischen Verfahren wird das PVC durch Hydrolyse, Pyrolyse und Nanofiltrierung zu den Rohstoffen Öl, Salz, Kalk und anderen Mineralien umgewandelt.

Das Qualitätsprinzip Boden zu Boden, Fenster zu Fenster .........

Der Clou beim Recycling von PVC-Böden, Dachbahnen, Fenstern und Rohren ist, dass der aufbereitete Rohstoff wieder in den gleichen Anwendungen verwendet werden kann, aus dem er ursprünglich stammt, d.h. konkret: das aus alten Fenstern gewonnene Recyclat wird für die Produktion neuer Fensterprofile wieder eingesetzt.

In den neuen Fensterprofilen ist es dann als Recyclingkern zu finden, der außen mit PVC-Neumaterial ummantelt wird (Bild rechts). Der Einsatz solcher Profile ist mittlerweile Standard. Der Profilhersteller Gealan Fenstersysteme GmbH bietet im Rahmen seines Profilsystems S 300 sogar eigens eine Recyclingkern-Variante an, aber auch bei den Profilen anderer Produzenten wird Recyclat verwendet.

Ähnliches gilt für PVC-Böden. Hier besteht zumeist die Unterseite aus Recycling-PVC, für die Oberfläche wird neues PVC verwendet. Eingesetzt wird der wieder aufbereitete Rohstoff im großen Maßstab beispielsweise bei der Tarkett AG am Produktionsstandort Clervaux in Luxemburg. 155.000 Tonnen Kunststoffböden, 110.000 Tonnen davon aus PVC werden hier jährlich hergestellt. Jeder Tarkett-Kunststoffboden, der das Werk verlässt, enthält ca. 22% Prozent Recyclat.

Einen eigens ausgewiesenen Recycling-Bodenbelag bietet die Dunloplan GmbH als "REPLAN" an. Dieser schwer entflammbare Bodenbelag ist vor allem für starke Beanspruchung geeignet und besteht zu mindestens 75 Prozent aus recyceltem Altboden.

Auch die Hersteller von PVC-Rohren und Dach- und Dichtungsbahnen nutzen den aufbereiteten Rohstoff. PVC-Rohrrecyclat wird für Schutzrohre verwendet, als Mittelschicht großvolumiger Kanalrohre oder auch als Außenschicht bei Hausabflussrohren. Für die Herstellung neuer Dach- und Dichtungsbahnen dient der aus ausgedienten Bahnen gewonnene Rohstoff als idealer Ausgangs- oder Zusatzstoff.

Sicherheit im Straßenverkehr und auf der Datenautobahn

Doch nicht nur PVC-Böden, Dachbahnen, Fenster und Rohre können wieder verwertet werden. Weitere wichtige Ausgangsmaterialien für PVC-Recyclingprodukte sind beispielsweise Kabel und PVC-Scheckkarten. Zwar enthalten Recyclate, die aus Kabeln gewonnen werden, auch andere Materialien wie Polyethylen, Gummi oder Restkupfer, der Hauptbestandteil aber ist PVC. Produkte, die hieraus entstehen, dienen z.B. als Bakenfüße und Verkehrsleitschwellen später der Sicherheit im Straßenverkehr. Weitere Anwendungen sind Stallböden oder Industriebodenbeläge.

Kreditkarten, Girokarten, Mitgliedsausweise oder Kundenkarten werden weltweit in großer Stückzahl hergestellt und sind immer häufiger aus PVC. Wiederaufbereitet werden ausgediente PVC-Karten z.B. bei der BEKU Kunststoffwerke GmbH & Co. in Beverungen. Die BEKU verarbeitet das Altmaterial zu hochwertigen Kabelschutzprodukten, die sich als optimaler mechanischer und optischer Schutz für empfindliche Erdkabel bewährt und etabliert haben. Mittlerweile reicht die Produktpalette aus recyceltem PVC von Kabelabdeckplatten über Abdeckrundhauben bis hin zu Kabelschutzrohren.

Die WIPAG-Polymertechnik, Neuburg/Donau wiederum gewinnt PVC-Regranulat aus den Stanzabfällen von Instrumententafeln für PKW. Ein Abnehmer dieses separierten Weich-PVC-Mahlgutes ist die Kunststofftechnik ZEHDENICK GmbH in Brandenburg, die hieraus Fußmatten für PKW fertigt (Bild rechts). Neben Standard-Universal-Matten werden auch beliebig bedruckbare Dekor-Matten angeboten.

Prämierte Qualität: Kunststoff Recycling-Produkt des Jahres 2004 mit Kern aus PVC-Recyclat

Wie wertvoll wieder aufbereitetes PVC ist, zeigt auch das Produkt KERIDUR der Firma Kerium Wertstoff Recycling GmbH & Co. KG. aus Hilter. Keridur ist eine Composite Tafel, die z.B. für Kofferaufbauten im LKW-Bau eingesetzt werden kann. Sie ist 60 Prozent leichter als das im gleichen Anwendungsgebiet eingesetzte Konkurrenzprodukt. Damit wird Treibstoff eingespart und zugleich der CO2-Ausstoß verringert. Umweltfreundlich ist auch die Herstellung von Keridur. Der Wabenkern und dessen Deckschicht werden aus recycelten Kunststoffen produziert. Laut Hersteller liegt der PVC-Recyclatanteil aus alten Fenstern und Verpackungsfolien bei 85 bis 95 Prozent. Dies überzeugte die Fraunhofer UMSICHT und die FKuR Kunststoff GmbH so sehr, dass sie Keridur zu einem Recycling-Produkt des Jahres 2004 erklärten.

Trendige Wiederverwendung: Hippe Designertaschen aus alten LKW-Planen

Sowohl die Liste der PVC-Ausgangsmaterialien als auch der PVC-Recyclingprodukte ließe sich noch um einiges verlängern. So werden aus PVC-Recyclat Reifen, Gardinenleisten, Schuhsohlen, Bürsten, Besen, Pinsel, Bauzaunfüße, Rasenkanten (Bild links) oder Artikel für das Golfspiel (Bild mitte) hergestellt und vertrieben.

     

Etwas ganz Besonderes haben sich zwei Jungunternehmer aus Zürich einfallen lassen. Aus alten LKW-Planen produziert die Firma Freitag in Handarbeit modische Umhängetaschen (Bild rechts), die mittlerweile zum regelrechten Szenekult avanciert sind.

Weitere Informationen zum Thema erhalten Sie auf der Homepage der Arbeitsgemeinschaft PVC und Umwelt e.V. (www.agpu.com). Dort finden Sie auch eine in regelmäßigen Abständen aktualisierte Liste der PVC-Verwerter in Deutschland.


AgPU - Arbeitsgemeinschaft PVC und Umwelt e.V.

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Fax:   +49 (0) 228 53 89 594
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