Fachartikel vom 06.12.2005

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Schwarzataler Kunststofftechnik zwischen allen Stühlen

Mit Gewinn in die Insolvenz?

Meinolf Droege, Kunststoff-Magazin


Schwierige gesetzliche Rahmenbedingungen und Regelungslücken können dazu führen, dass ein Unternehmen von der Schließung bedroht ist, obwohl es im operativen Betrieb Gewinne erwirtschaftet. Der Fall des Recyclingunternehmens Schwarzataler Kunststoffe.

Seit 1. Januar 2005 fungiert Hanns Pöllmann als Insolvenzverwalter des nach eigenen Angaben größten und modernsten Verwertungsunternehmens für Kunststoffflaschen in Deutschland: der Schwarzataler Kunststoffe GmbH im thüringischen Eisleben. Das durch Managementfehler Ende der 90er Jahre im Verlauf der letzten Jahre in finanzielle Schieflage geratene Unternehmen arbeitet laut Hanns Pöllmann mit einer Verwertungsleistung von voraussichtlich etwa 36.000 Tonnen - bei einer Kapazität von 40.000 Tonnen - im laufenden Jahr bei sehr guten 90 Prozent Auslastung. Nicht nur die Aufbereitungstechnik und Logistik funktionieren, auch die betriebs-wirtschaftliche Seite wurde nach einigen Eingriffen stabilisiert. "Heute", so Hanns Pöllmann "schreiben wir im Tagesgeschäft stabile, wenn auch nicht sehr üppige Gewinne, aus denen alle Forderungen bedient und alle Abschreibungen getätigt werden. Lediglich Zins und Tilgungsleistungen für einen Teil der erheblichen Investitionsleistungen im Jahr 1998 werden derzeit nicht erbracht."

Gewinne aus dem laufenden Geschäftsbetrieb, sehr gute Auslastung und Aufbereitungskapazitäten, die von Wettbewerbern kurzfristig nicht ersetzt werden können – das sollten prinzipiell hervorragende Voraussetzungen sein, das Unternehmen ganz im Sinne des modernen Insolvenzrechts fortzuführen. Dessen oberstes Ziel ist es, angeschlagene Unternehmen nach Möglichkeit so weit zu sanieren, dass sie auf neuer, gesunder Basis weiter geführt werden können.

Was in einer anderen Branche – bei gleicher Ausgangslage – gute Erfolgsaussichten bietet, könnte im Fall der Schwarztaler Kunststoffwerke zum Ende des laufenden Jahres zum endgültigen Aus führen. Zwei Kernprobleme belasten die von Hanns Pöllmann für möglich gehaltene Fortführungsstrategie:



Hanns Pöllmann: "...subventionierte Entsorgung der Abfälle ins Ausland bei gleichzeitiger Schließung eines betriebswirtschaftlich funktionierenden Unternehmens mit 200 Arbeitsplätzen kann ja wohl nicht der Sinn unserer Gesetzgebung zum Abfallrecht sein."
Der Zuteilungsvertrag mit der DKR – Deutsche Gesellschaft für Kunststoff Recycling, dem Tochterunternehmen der Duale System Deutschland GmbH, endet am 1.12.2005. Damit entsteht er-heblicher Zeitdruck.
Etwa 7500 Tonnen nicht recyc-lingfähiges Material müssen jährlich entsorgt werden. Das ist aber nach der neuen Verordnung zur Deponierung von Siedlungsabfällen nicht mehr möglich. Diese Frage ist völlig ungelöst, auch für alle anderen Aufbereiter.

"Das letztgenannte Problem ist vom Unternehmen ebenso wenig lösbar wie von allen vergleichbaren. Hier hat der Gesetzgeber einmal mehr Fakten geschaffen, ohne die Folgen zu bedenken bzw. Alternativen zu ermöglichen", beschreibt Hanns Pöllmann die Lage.

Die Zusammenarbeit mit der DKR ist der Dreh- und Angelpunkt des gesamten Unternehmenserfolgs. Die DKR ist voraussichtlich sogar bereit, im nächsten Jahr die Zuteilungsmengen nochmals leicht zu erhöhen, und damit das Werk vollständig auszulasten. Unter den gegebenen Bedingungen, vor allem aufgrund der immens steigenden Kosten für elektrischen Strom ist es jedoch erforderlich, das die DKR ihren Betriebskostenzuschuss leicht anhebt. "Um hier kein Missverständnis zu verursachen", rückt Hanns Pöllmann zurecht, "Schwarzataler Kunststoffe ist kein Unternehmen, das am Tropf irgendwelcher Zuschussgeber hängt. Die Subventionen liegen ganz deutlich unter zehn Prozent vom Umsatz."



Fortführung betriebswirtschaftlich sinnvoll

Die drei maßgeblich beteiligten Banken koordinieren ihr Vorgehen untereinander, um einem potenziellen Investor die Übernahme zu sinnvollen Konditionen zu ermöglichen. Laut Insolvenzverwalter Hanns Pöllmann führen derzeit drei an der Übernahme ernsthaft interessierte und potente Unternehmen Sondierungsgespräche, um die Möglichkeiten auszuloten. Voraussetzung für eine Übernahme und Fortführung ist in allen Fällen jedoch ein laufender Geschäftsbetrieb über das Jahresende hinaus. Moderne Anlagentechnik – die Recyclingkapazitäten von 40.000 Tonnen sind
nicht von Wettbewerbern ersetzbar.


Es kann sich die kuriose Situation ergeben, dass ein Unternehmen mit sehr guter betriebswirtschaftlicher Substanz und 200 Mitarbeitern zum Ende des laufenden Jahres stillschweigend geschlossen wird, obwohl es Gewinne erwirtschaftet und dessen Kapazitäten am Markt derzeit nicht ersetzbar sind. "Die einzige Alternative zur Aufbereitung bei Schwarztaler Kunststoffe, die subventionierte Entsorgung der Abfälle ins Ausland bei gleichzeitiger Schließung eines betriebswirtschaftlich funktionierenden Unternehmens mit 200 Arbeitsplätzen kann ja wohl nicht der Sinn unserer Gesetzgebung zum Abfallrecht sein", trifft Hanns Pöllmann den Nagel auf den Kopf.

Kontakt:

Schwarzataler Kunststoffe, Eisfeld
Tel. 03686/3944-0
www.schwarzataler-kunststoffe.de

Kanzlei Pöllmann, München
Tel. 089/3300809-0
www.hanns-poellmann.de


Dieser Beitrag ist erschienen im Kunststoff-Magazin, Ausgabe 10 2005.


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