Fachartikel vom 27.03.2006

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Recycling von Kunststoffabfällen in Chile

Dipl.-Ing. Frank Radon, FKuR Kunststoff GmbH


Die chilenische Kunststoffindustrie hatte in den letzten Jahren signifikante Zuwächse zu verzeichnen. Der Pro-Kopf-Verbrauch an Kunststoffen stieg zwischen 1998 und 2004 von 30 kg auf 44 kg an (siehe Abbildung 1). Im Jahr 1993 lag dieser Wert bei 22 kg. Somit hat sich der Pro-Kopf-Kunststoffverbrauch innerhalb von 11 Jahren verdoppelt. Aufgrund des starken Wirtschaftswachstums und der weltweit zunehmenden Bedeutung dieses Werkstoffs ist auch in den kommenden Jahren mit vergleichbaren Wachstumsraten zu rechnen.


Im Jahr 2004 betrug der Kunststoffverbrauch 604.000 t; davon wurden 464.000 t importiert. Nur PP und LDPE werden in Chile hergestellt. Allerdings konnte der einzige LDPE-Hersteller nicht die gesamte nachgefragte Menge bedienen. Bei PP wurde dagegen ein Exportüberschuss erzielt. Insgesamt wurden Kunststoffe (Rohstoffe) im Wert von 90 Mio. $ (FOB) exportiert und im Wert von 544 Mio. $ (CIF) importiert. Der Export an Kunststoffartikeln (Halb- und Fertigwaren) betrug 158 Mio. $ (FOB); der Import 395 Mio. $ (CIF). Die Kunststoffarten mit den höchsten Verbräuchen waren HDPE und LDPE mit einem Marktanteil (bezogen auf die Masse) von jeweils 21% (siehe Abbildung 2)2.
Es wurden Kunststoffverarbeitungsmaschinen, Zubehör und Ersatzteile im Wert von 42 Mio. $ (CIF) importiert (Jahr 2004; siehe Tabelle 1). Die bedeutendsten Lieferanten waren Italien, Deutschland, Kanada und die USA (siehe Abbildung 3).

Die Entsorgung der Kunststoffabfälle ist aufgrund des stark ansteigenden Kunststoffverbrauchs zu einem akuten Problem in Chile geworden. Kunststoffabfälle werden wie viele andere recycelbare Abfälle derzeit als Teil von Haus-, Gewerbe- und Industrieabfällen weitgehend gemischt gesammelt und auf Deponien abgelagert. Auch wenn innerhalb der letzten Jahre zahlreiche Deponien gebaut wurden, die an deutsche Standards heranreichen (Abdichtung, Sickerwasser- und Deponiegasbehandlung), sind immer noch viele qualitativ schlechte Deponien im Betrieb.

Um das Kunststoffrecycling in Chile zu stärken, führt die FKuR Kunststoff GmbH zurzeit in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH ein Public Private Partnership (PPP) Projekt aus. Weitere Projektpartner sind die chilenischen Recyclingunternehmen Envasa S.A. 6, Recipet S.A. und Plásticos Bozzo Ltda., das Fraunhofer Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT und die chilenische Universität Concepción. FKuR berät die chilenischen Partnerunternehmen bei der Optimierung und Ausweitung ihrer Recyclingaktivitäten. Projektbegleitend werden zur Sensibilisierung von Verbrauchern, abfallproduzierenden Unternehmern, Abfallsammlern und -händlern gemeinsam mit der GTZ Seminare und Workshops veranstaltet. Es finden regelmäßig Gespräche mit staatlichen Institutionen statt, um auch diese im Bereich Kunststoffrecycling zu beraten. So ist z. B. geplant, Politikempfehlungen für das im Jahr 2010 vorgesehene Abfallgesetz zu erarbeiten. Auch werden laufend Gespräche mit informellen Wertstoffsammlern ("recolectores independientes") und Zwischenhändlern ("intermediarios") geführt, um diese über die Möglichkeiten des Handels mit Kunststoffabfällen zu informieren.

Wichtige Entwicklungswirkungen des Projektes sind:
- Schaffung von Arbeitsplätzen
- Entwicklung von Möglichkeiten für Abfallsammler zum Verkauf von Kunststoffabfällen
- Reduzierung des Verbrauchs nicht-erneuerbarer Rohstoffquellen (Erdöl)
- Schonung von Deponiekapazitäten

Es wurden drei Arbeitsbereiche für die Werkstoffe PP, PET und PE definiert. Diese drei Bereiche und sonstige Projektaktivitäten sollen im Folgenden kurz vorgestellt werden.


PP (Kooperationspartner: Envasa S.A.)

Die Envasa Tochter Reprocesa arbeitet in der Reinigung gebrauchter Big Bags aus PP. Es wird jeweils eine Reinigungsanlage in der Nähe der Großräume Santiago und Concepción / Talcahuano betrieben. Die Abfälle, die bei der Reinigung entstehen (ausgemusterte Big Bags) werden zurzeit von einer anderen Firma recycelt. Zukünftig sollen diese für die Produktion von Kunststoffholzprofilen eingesetzt werden.

Es wird ständig nach Produzenten von Big Bag-Abfällen gesucht, um die Reinigungsanlagen besser auszulasten. Um die Transportkosten zu reduzieren und somit auch entlegene Regionen bedienen zu können, wird überlegt, eine mobile Ballenpresse oder einen mobilen Zerkleinerer (für ausgemusterte Big Bags) zu entwickeln.



PET (Kooperationspartner: Recipet S.A.)

Recipet arbeitet im Recycling von PET-Flaschen. Aus den Abfällen werden neue Flaschen (Multilayer) und Schalen (Clamshells) hergestellt. Kerngeschäft ist das Recycling von ausgemusterten Mehrwegflaschen. Zusätzlich wurden in Apartmenthäusern und Supermärkten in der Hauptstadt Santiago Sammelbehälter zur getrennten Erfassung von Einwegflaschen installiert. Außerdem werden PET-Flaschen in Hotels, Restaurants, Militärkasernen, Geschäften, Bürogebäuden, Sportvereinen, Fitnesscentern und Stadtverwaltungen gesammelt. Im Großraum Viña del Mar / Valparaiso (ca. 150 km westlich von Santiago) wird in Kürze mit der Sammlung begonnen. Für den Großraum Concepción / Talcahuano (ca. 500 km südlich von Santiago) wird zurzeit ein Sammelkonzept entworfen. Auch mit anderen Kommunen wurden Gespräche geführt, um diese bezüglich der Möglichkeiten der Getrenntsammlung von PET-Flaschen zu informieren.

In Kürze werden in einigen Schulen probeweise PET-Flaschen gesammelt. Dieses Projekt soll in Zusammenarbeit mit der nationalen Umweltbehörde CONAMA umgesetzt werden. Neben der Sammlung von PET-Flaschen ist das Ziel dieser Initiative, Schüler und Lehrer für Recycling zu sensibilisieren.


PE (Kooperationspartner: Plásticos Bozzo Ltda.)

Plásticos Bozzo arbeitet im Recycling von PE-Folien. Aus den Abfällen werden Beutel hergestellt. Die Abfälle werden bei verschiedenen Industrie- und Handelsunternehmen und bei landwirtschaftlichen Betrieben eingesammelt. Es wurden vier Zentren für die Sortierung der Abfälle errichtet. Mittelfristig sollen sechs weitere Zentren eröffnet werden. Die Abfälle stammen aus der Landwirtschaft, der Industrie und aus dem Handel. Zurzeit werden Gespräche mit zahlreichen Abfallproduzenten geführt, um die recycelte Abfallmenge zu erhöhen.




Sonstige Projektaktivitäten

Das Recyclingprojekt wurde im August 2005 wichtigen Vertretern staatlicher Institutionen im Rahmen eines Workshops präsentiert und diskutiert. Im Dezember 2005 wurde ein "Runder Tisch - Kunststoffrecycling" veranstaltet. An dieser Veranstaltung nahmen 20 Teilnehmer aus dem öffentlichen und privaten Bereich teil. Ein "Runder Tisch" soll in Zukunft regelmäßig stattfinden. Die nächste Veranstaltung ist für Mai 2006 geplant.


Das Projekt wurde auf den Umweltmessen in Valdivia (Feria Ambiental Region de los Lagos, 06.10.2005 - 08.10.2005) und Santiago (Feria Ambiental Metropolitana, 10.11.2005 - 12.11.2006) vorgestellt.

In den nächsten Monaten sind unter anderem die folgenden Veranstaltungen geplant:
- März 2006: Kick-Off Veranstaltungen zur Sammlung von Kunststoffabfällen an vier Schulen.
- Mai 2006: Vortrag für Schuldirektoren und Lehrervertreter. Es sollen die Erfahrungen, die an den vier Schulen gesammelt wurden, vorgestellt und weitere Schulen zur Durchführung von Sammelaktivitäten gewonnen werden.
- Mai 2006: Seminar für Vertreter aus Kommunen. In diesem Seminar sollen Kommunen über die Möglichkeiten im Bereich Kunststoffrecycling beraten werden.
- Mai 2006: Seminar für Filialleiter und Lagerarbeiter über die Getrenntsammlung von Kunststofffolienabfällen im Handel.


Fußnoten

1,2,4,5 Quelle: ASIPLA (Verband der chilenischen Kunststoffindustrie)
3 Quelle: ASIPLA (Zahlen aggregiert)
6 Vertreten durch das Tochterunternehmen Reprocesa Ltda.


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