bvse-Marktbericht Kunststoffe - Januar 2012

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1. Der Markt für Primärkunststoffe

Im Rückblick auf das Jahr 2011 erwiesen sich die Kunststoffherstellung und Kunststoffverarbeitung als Wirtschaftsmotoren. Insgesamt war die Nachfrage nach Kunststoffen gut. Die Höchstpreise wurden vor allem durch eine eingeschränkte Verfügbarkeit sowie durch hohe Vorproduktpreise bedingt. Die Notierungen der Standardkunststoffe stiegen bis April, bis diese ab September- nach einer Hochphase von April bis August – dann rückläufig waren. Die Dezember-Notierungen 2011 liegen unter denen von Dezember 2010. Ausgewählte Preismonate, die den beschriebenen Trend veranschaulichen, sind in Tabelle 1 dargestellt. Der Verlauf der Preisnotierungen für Technische Kunststoffe, s. Tabelle 2, ist charakterisiert durch einen Preisanstieg bis Juni und anschließend fallende Preise. Die Dezember-Notierungen 2011 kommen innerhalb der Standardabweichung denen aus Dezember 2010 gleich.

Tabelle 1: Vergleich der EUWID-Notierungen von Standardkunststoffen; Preise in €/t.

Im Dezember 2011 können die Märkte für Standardkunststoffe als verhalten bis ruhig beschrieben werden. Der seit August beobachtbare Preisverfall verlangsamt sich. Experten berichten von einem uneinheitlichen Kaufverhalten. Besonders erfreulich ist, dass erste Stabilisierungstendenzen sichtbar werden. Die Kunststoffhersteller versuchen, ihre Produktion, dem voraussichtlichen Bedarf der Kunststoffverarbeiter anzupassen. Bis auf PS geben im Dezember alle Standardkunststoffe im Preis nochmals nach. So ergibt sich über die zehn unten gelisteten Kunststoffe in EUWID ein Durchschnittspreis von 1253 €/t. Damit ist der Kunststoffpreis um 17 €/t niedriger als im Vormonat. Allerdings hat sich der Preisverfall deutlich verlangsamt. PET folgt dem Trend der anderen Kunststoffe. So notiert das PET im Dezember 2011 zu 1400-1520 €/t und gibt damit durchschnittlich um 40 €/t im Preis nach. PET ist in den europäischen Märkten weiter gut verfügbar. Die PET-Hersteller rechnen allerdings im ersten Quartal 2012 mit steigenden PET-Preisen. Im Januar wird ein ausgeglichener Markt bezüglich Angebot und Nachfrage erwartet. Der Bedarf der Kunststoffverarbeiter sollte ab Januar steigen. Deswegen sollten sich die Kunststoffpreise dann auch stabilisieren.

Auch bei den Technischen Kunststoffen sind im Dezember 2011 weitere Preisrückgänge zu melden. Die Preise geben um 50 €/t bis 300 €/t bzw. durchschnittlich um 122 €/t nach. Nur PA notiert unverändert. Insgesamt ist der Bedarf an Technischen Kunststoffen zwar hoch, allerdings haben die Verarbeiter im Dezember auf ihre Lagerbestände zurückgegriffen und daher kaum geordert. Im Januar wird wieder mit einer erhöhten Nachfrage gerechnet, wodurch die sich die Preise stabilisieren sollten.

Tabelle 2: Vergleich der EUWID-Notierungen von Technischen Kunststoffen; Preise in €/t.


2. Der Markt für Sekundärkunststoffe

Das Jahr 2011 kann als relativ erfolgreich für die Kunststoffrecycler bewertet werden. Recyclate waren das ganze Jahr über national, europaweit und international gut nachgefragt. Recyclate ergänzen die Primärware äußerst vorteilhaft. Die Kunststoffmärkte für Recyclate gewinnen weiter an Profil. Die Märkte für Standardkunststoffe notierten von April bis September hohe Preise. Besonderes Interesse fanden die Recyclate aus Technischen Kunststoffen, die von Mai bis September Rekordpreise erzielten. Hohe Inputpreise sind allerdings nachteilig für die Aufbereitung und die Verwertung von Kunststoffen. Darüber hinaus beunruhigen die in 2010 und 2011 gemeldeten Insolvenzen von Kunststoffrecyclern die verbleibenden Aufbereiter und Verwerter. Die europäischen Kunststoffmärkte erhalten immer mehr Unabhängigkeit vom Fernostexport. Im Fernostexport wird inzwischen sehr selektiv nach Preis und Qualität geordert. Die europäischen Binnenmärkte mit dem Austausch von Input für die Aufbereitung sowie von Recyclaten gewinnen zunehmend an Bedeutung.

Im Dezember 2011 ist ein weiterer Preisverfall sowohl bei den Standardkunststoffen als auch bei den Technischen Kunststoffen zu melden. Die Marktbeteiligten spekulierten auf weiter fallende Preise, so dass sich die Verkaufsangebote häuften und damit die Preise nach unten zogen. Der Dezember überraschte allerdings auch dadurch, dass zum Jahresende noch eine verhältnismäßig gute Nachfrage nach Kunststoffen bestand, die soweit möglich aus Lagerbeständen bedient wurde. Im Januar zeichnet sich schon jetzt eine zunehmende Nachfrage nach Recyclaten ab. Darüber hinaus findet das Chinesische Neujahr bzw. Frühlingsfest vom 22. Januar bis zum 28. Januar statt. Daher bleibt es spannend zu beobachten, wie lange die Winterpause andauern wird.


2.1 Preisspiegel EUWID

Im Dezember 2011 weist EUWID bei 28 Standardkunststoffe von insgesamt 36 notierten Standardkunststoffen nochmals Preisrücknahmen und zwar durchschnittlich von 22 €/t aus. Die Sekundärkunststoffpreise folgen damit den Marktveränderungen aus den Primärmärkten. Experten berichten über unerwartete Nachorderungen von Recyclaten im Dezember, die die Preise stabilsierten.

PE-Produktionsabfälle: Bei den Produktionsabfällen sind im Dezember Preisrücknahmen von 10 €/t bis 50 €/t zu verzeichnen. Mahlgüter weisen Preisabschläge von 20 €/t bis 50 €/t aus, während Ballenware um 10 €/t bis 30 €/t niedriger notiert. Die Dezemberpreise lauten beispielsweise: HDPE bunt 470-650 €/t, LDPE natur 620-770 €/t, LDPE-Folie bunt (K49) 220-310 €/t und LDPE-Folie natur (K40) 410-510 €/t. Bei PE post user geben die Schrumpfhauben und HDPE-Kastenware im Preise nach. Beispiele für die veränderten Notierungen lauten: LDPE-Schrumpfhaube natur (E40) 400-480 €/t, LDPE-Schrumpfhaube bunt (E49) 210-270 €/t, LDPE-Agrarfolie s/w > 70 μm (B41) 30-60 €/t, und HDPE-Kastenware bunt 550-660 €/t. Die Nachfrage nach PE sollte sich im Laufe des ersten Quartals stetig verbessern.

Bei den PP-Märkte geben die Produktionsabfälle im Dezember um durchschnittlich 23 €/t nach. Folgende beispielhafte PP-Notierungen gelten somit im Dezember: Folie bunt (K59) 150-300 €/t, Homopolymer bunt 420-650 €/t, Copolymer bunt 450-660 €/t und Copolymer natur 600-750 €/t. Aufgrund höheren Mengenaufkommens bei Hohlkörpern rechnen Experten für Januar mit Preisnachlässen.

Im Dezember sind die Preisnachlässe bei PS moderat, was auch auf die Winterbautätigkeiten zurückzuführen ist. Die PS-Preise geben nur in der Spitze nach. Somit beträgt der durchschnittliche Preisabschlag nur 9 €/t. Die Notierungen lauten jetzt: beispielsweise, Standard glasklar 600-800 €/t, Standard weiß 600-800 €/t, Schlagfest schwarz 600-700 €/t und Schlagfest weiß 700-840 €/t.

Deutlichere Preisabschläge sind bei PVC zu melden. Bei PVC-Produktionsabfällen beträgt der durchschnittliche Preisnachlass 33 €/, so z.B. t: Weich transparent 400-510 €/t und Rohrqualität bunt 400-540 €/t. Bei PVC-Fensterware beträgt der durchschnittliche Preisnachlass 8 €/t. Hier einige Notierungen: Fensterqualität weiß 620-720 €/t, und Fensterqualität Typware weiß 700-820 €/t. Bestimmte Qualitäten in den PVC-Märkte verlieren seit Oktober überraschend deutlich in den Notierungen. Die PVC-Märkte sind instabil und profitieren kaum von der Bautätigkeit im Winter.

PET post user: Der PET-Markt ist in Bewegung – die Flaschenpreise geben weiter nach. Zusätzlich zieht die billigere Neuware die Preise für gebrauchte Getränkeflaschen nach unten. Zurzeit sind ausreichend PET-Flaschen im nationalen Markt und im EU-Binnenmarkt im Angebot. Überdies haben PET-Verarbeiter eine längere Winterpause eingeplant, wodurch die Flaschenachfrage weiter stockt. Bunte Qualitäten sind nur gering nachgefragt. Die Recycler füllen ihre Lager mit guten Qualitäten. Der Fernostexport von PET-Flaschen stagniert. Im Dezember 2011 geben die EUWID-Notierungen wiederum, und zwar bei PET klar um 40 €/t und bei PET bunt um 75 €/t, nach. Die EUWID-Notierungen für gebrauchte PET-Einwegflaschen lauten jetzt: PET klar 340-400 €/t und PET bunt 180-230 €/t. Die Anfallstellen hoffen im Januar auf steigende Preise bei PET-Neuware, die auch die Preise für gebrauchte Flaschen nach oben ziehen sollten. Im Januar ist allerdings eher eine Stabilisierung der im Dezember gefundenen Preise für PET-Flaschen wahrscheinlich.


2.2 Preisspiegel plasticker

Der Jahresverlauf 2011 für die Standardkunststoffe ist aus dem Vergleich der Dezembernotierungen in Tabelle 3 ersichtlich. Bis Mai wurde der Höchststand bei den Notierungen erreicht, die dann ab Juni monatlich sinken. Die Dezember-Notierungen 2011 liegen unter denen von Dezember 2010. Der Verlauf der Preisnotierungen für Technische Kunststoffe, s. Tabelle 4, ist charakterisiert durch eine Preisdelle bis März. Ab April bis November befanden sich die Preise für die Technischen Kunststoffe auf hohem Niveau, um dann im Dezember 2011 unter die Notierungen aus Dezember 2010 zu fallen.

Im Dezember 2011 hat ein Ausverkauf der Lagerbestände bei den Standardkunststoffen stattgefunden. Dies lässt sich sowohl an den Preisnachlässen als auch an der hohen Angebotszahl festmachen. Dadurch sind die Preise um durchschnittlich 100 €/t gesunken. Die Preisnachlässe liegen dabei zwischen 10 €/t und 280 €/t. Nur w_PVC-Mahlgut konnte seine Preise um 110 €/t erhöhen und LDPE-Mahlgut behauptete sich. Eine erste Vorschau in die Januar-Notierungen weist bei einer deutlich niedrigeren Angebotszahl als im Dezember Preiserhöhungen aus – die Talfahrt ist gestoppt.

Tabelle 3: Notierungen für Standardkunststoffe in plasticker; Angaben in €/t

*: Zu geringe Angebotszahl, um eine statistische Signifikanz zu erreichen; 1: entspricht der Qualität Produktionsabfall, bunt; 2: entspricht K49; 3: entspricht K59; 4: entspricht Standard bunt; 5: entspricht der Qualität Regranulat schwarz.

Auch bei den Technischen Kunststoffen hat im Dezember ein deutlicher Preisverfall stattgefunden. Auch hier ist ein Ausverkauf vor der Winterpause zu melden. Der Dezember ist von einer hohen Angebotszahl geprägt. Die Preisnachlässe liegen dabei zwischen 10 €/t und 290 €/t. Im Durchschnitt haben die Kunststoffpreise um 174 €/t nachgeben. Nur PC-Granulat kann sich behaupten und legt dabei sogar um 170 €/t zu. Eine erste Vorschau in die Januar-Notierungen weist bei einer deutlich niedrigeren Angebotszahl als im Dezember nochmals Preisrückgänge für die Granulate aus, während die Mahlgüter im Preis zulegen können – das sind sehr uneinheitliche Märkte.

Tabelle 4: Notierungen für Technische Kunststoffe in plasticker; Angaben in €/t

5: entspricht der Qualität Regranulat schwarz.


Alle Preisangaben ohne Gewähr. Alle EUWID-Preise ab Station. Die Preise beziehen sich in der Regel auf Mengen größer 20 Tonnen. Aus den stündlich aktualisierten Monatspreisüber-sichten - erstellt aus den Angeboten in der Rohstoffbörse plasticker lassen sich monatliche Preisnotierungen für die Sekundärkunststoffe errechnen. Dieser Preisspiegel zeigt Notierungen, die allerdings unter dem Vorbehalt der Ermittlung aus den eingestellten Angeboten stehen. Darüber hinaus unterscheidet plasticker nicht zwischen den Qualitäten klar, bunt oder farbsortiert. Dadurch ergibt sich aus den plasti-cker-Angaben unter Umständen ein anderes Marktgeschehen als beim EUWID-Preisspiegel.


Die Informationen zur Marktlage von Kunststoffen wurden uns freundlicherweise bereitgestellt von:
bvse - Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V.

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