bvse-Marktbericht Kunststoffe - August 2012

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1. Der Markt für Primärkunststoffe

Zum dritten Mal in Folge geben die Preise für Standardkunststoffe nach. Allerdings wurden dann auch im Juli die Kaufzurückhaltungen der Verarbeiter aus den Vormonaten aufgegeben, so dass der Preisverfall etwas geringer ausfiel als erwartet. Verarbeiter hatten nämlich schon seit längerem auf die Preisrückgänge gesetzt. Daher waren im Juli die Kaufordern außerordentlich hoch. Viele Bestellungen mussten schon bald abgewiesen werden. Bisher war der Kunststoffbedarf auch in der Sommerpause weitgehend zufrieden stellend. Die Lagerbestände der Verarbeiter sind noch immer gering, da die aufgelaufenen Kaufnachfragen nur teilweise befriedigt werden konnten. Die hohe Kaufnachfrage nach Standardkunststoffen setzen sich im August fort. Daher wird im August eine Stabilisierung der erreichten Preise wahrscheinlich. Einige Experten erwarten sogar leichte Preissteigerungen, nicht zuletzt auch deswegen, weil die Erdölpreise wieder merklich anziehen.

Bei den Standardkunststoffen werden im Juli Preisnachlässe von 80 €/t bis 180 €/t wirksam. So ergibt sich über zehn gelistete Kunststoffe in EUWID ein Durchschnittspreis von 1227 €/t. Damit ist der Kunststoffpreis um 118 €/t niedriger als im Vormonat. Der EUWID-Preisspiegel weist im Juli beispielsweise aus: LLDPE-Folie 1090-1170 €/t, HDPE-Spritzguss 1180-1220 €/t, HDPE-Blasware 1180-1220 €/t, PS-schlagfest 1460-1530 €/t, PP-Copolymer 1220-1280 €/t und PVC-Folien/Kabel 1180-1220 €/t. PET folgt dem Trend der anderen Standardkunststoffe. Während der ersten Juli-Tage verfielen die PET-Preise, um sich dann in der zweiten Juli-Hälfte zu festigen und zu erholen. PET folgt parallel den Notierungen seiner Vorprodukte, die Anfang Juli um 95 €/t für Paraxylol und um 40 €/t für Ethylenglycol nachgaben. Experten rechnen damit, dass sich die PET-Notierungen im August festigen.


2. Der Markt für Sekundärkunststoffe

Eine spannende Entwicklung zeichnet sich in den Kunststoffmärkten ab: Viele hofften auf eine längere Sommerpause, um ihre Anlagen einer gründlichen Revision zu unterziehen, wie dies der mehrfache Preisverfall in den Vormonaten anzeigte. Und dann verlockten die niedrigeren Preise bei der Primärware zu hohen Kaufnachfragen in der zweiten Julihälfte. Dies wirkt sich dann auch sofort auf die Sekundärmärkte aus: während die Ballenware noch im Preis nachgab, konnten für Recyclate schon bald wieder stabile bis anziehende Preise erzielt werden. Der erwartete deutliche Einbruch in der Sommerpause in der Nachfrage nach Kunststoffen bleibt somit weitgehend aus. Eine größere Lagerhaltung, die die Marktvolatilitäten abfängt, ist bei den meisten Kunststoffrecyclern zur Zeit nicht möglich. Allerdings kann eine kürzere Sommerpause von den meisten Kunststoffrecyclern im Juli oder August dennoch eingehalten werden.

Die Ballenware notiert auch deswegen geringer, da deren Abfluss nach China, trotz des erstarkten Dollars, stockt. Nach wie vor greifen die strengeren Exportregelungen der Volksrepublik. Exporte nach Hongkong sind erschwert. Nur hinreichend gute Qualitäten können die Exportanforderungen der VR China erfüllen.

Die Zeitschrift ki – Kunststoffinformation meldet im Juni 2012, dass in 2011 rund 15 Mio. To Kunststoffabfälle aus chinesischer Herkunft im Land recycelt wurden. Das ist deutlich mehr als die durchschnittliche Menge der letzten fünf Jahre in Höhe von 9,2 Mio. To. Zuzüglich der Recyklat- und Regranulatimporte in Höhe von 8,4 Mio. To standen im Inland insgesamt rund 23 Mio. To an Sekundärware für den inländischen Markt zur Verfügung.

EUWID und plasticker weisen im Juli-Preisspiegel für die Mehrzahl der notierten Standardaltkunststoffe Preisreduktionen aus. Die Preisrücknahmen fallen in EUWID mit durchschnittlich 25 €/t geringer aus als bei plasticker mit durchschnittlich 64 €/t. Die Prognosen lassen allerdings eine Stabilisierung der Standardkunststoffmärkte im August erwarten.


2.1 Preisspiegel EUWID

Die Preisnotierungen in EUWID für Altkunststoffe sind im Juli äußerst interessant, denn sie zeigen einerseits die oben dargestellten Preisrücknahmen und anderseits die hohe Kaufnachfrage in der zweiten Monatshälfte. Dies gilt insbesondere für PE und PP. Überdies bleiben bestimmte Notierungen unverändert, siehe beispielsweise das PS. Auch das PVC notiert weitgehend stabil. Des Weiteren sind die durchschnittlichen Preisveränderungen mit 25 €/t relativ gering, insbesondere dann, wenn der Vergleich zu den Preisrücknahmen der Primärware erfolgt. Manchmal verändert sich die Preisnotierung nur einseitig, nämlich die der Preisober- bzw. die der Preisuntergrenze.

PE: Die meisten Preisveränderungen können bei PE ausgemacht werden. Ausgesuchte Produktionsabfälle geben um 20 €/t nach, während die post user-Ware uneinheitlich notiert. Bei PE post user sind sogar vier Preiserhöhungen auszumachen. Bei den Produktionsabfällen notieren die Ballenware und Mahlgüter zum Beispiel zu: HDPE bunt 470-650 €/t, LDPE natur 650-700 €/t, LDPE-Folie bunt (K49) 230-290 €/t und LDPE natur (K40) 440-530 €/t. Deutlichere Preisänderungen sind bei post user zu melden, z.B.: LDPE-Schrumpfhauben natur (E40) 400-470 €/t, Folie transparent natur < 70 µm 350-380 €/t, Folie transparent farbig < 70 µm 70-120 €/t, LDPE-Agrarfolie s/w > 70 µm 40-60 €/t, Gewerbemischfolie 90/10 230-275 €/t, Gewerbemischfolie 80/20 220-240 €/t, HDPE-Kastenware farbsortiert 620-730 €/t und HDPE-Kastenware bunt 520-630 €/t. Besonders zu erwähnen ist der Preisnachlass bei HDPE-Hohlkörper bunt, der durchschnittlich 50 €/t beträgt. Folie transparent natur und Gewerbemischfolie notieren um 20 €/t bis 30 €/t höher.

Bei PP erniedrigen sich alle Notierungen und zwar um durchschnittlich 25 €/t. Die neuen Notierungen lauten beispielsweise: Folie bunt (K59) 120-280 €/t, Homopolymer bunt 430-650 €/t, Homopolymer natur 620-770 €/t und Copolymer natur 620-770 €/t. Die PP-Märkte zeigen sich deutlich ruhiger als die PE-Märkte. Die Nachfrage nach PP stagniert in den Sommermonaten.

Die Baukonjunktur stabilisiert immer noch die PS-Preise, obwohl der Druck von der Neuware im Juli recht hoch ist. Die PS-Märkte für Recyclate erweisen sich in den Juli-Notierungen als stabil. Selbst im August werden hier keine Veränderungen erwartet.

Auch bei PVC können stabile Preise bei relativ geringen Umsätzen gemeldet werden. Auch das PVC wird von der Baukonjunktur stabilisiert. Der Preisdruck aus der Primärware ist bei PVC am geringsten.

Die Notierungen für PET Einweg-Pfandflaschen weisen im Juli-Preisspiegel zum dritten Mal in Folge eine Reduzierung aus und zwar um durchschnittlich 80 €/t bei PET klar und um 60 €/t bei PET bunt. Die EUWID-Notierungen für gebrauchte PET-Einwegflaschen lauten: PET klar 330-380 €/t und PET bunt 150-190 €/t. Damit normalisieren sich jetzt endlich die hohen Einkaufspreise für die PET-Flaschenware. In den Sommermonaten ist außerdem der Getränkeverbrauch höher, so dass jetzt auch vermehrt PET in Europa angeboten wird. Überdies stockt der Abfluss der Flaschenware nach Fernost. Die PET-Verwerter kaufen weiterhin verhalten ein und setzen auf weitere Preisrückgänge.


2.2 Preisspiegel plasticker

Aufgrund der prognostizierten Marktveränderungen werden hier zum dritten Mal die tagesaktuellen Notierungen aus plasticker, vom 14.08.2012, sowohl für die Standardkunststoffe, s. Tabelle 1, wie auch für die Technischen Kunststoffe, s. Tabelle 2, eingestellt. Dies sind allerdings nicht die abschließenden August-Notierungen sondern lediglich ein Zwischenstand. Hierbei ergibt sich für August, dass plasticker bei den Standardkunststoffen eine Preisstabilisierung ausweist. Im Gegensatz hierzu sind bei den Technischen Kunststoffen Preisrücknahmen und zwar voraussichtlich um durchschnittlich 50 €/t ersichtlich.

Standardkunststoffe: Die prognostizierten Preisabschläge in Höhe von 45 €/t für die Juli-Notierung wurden beim endgültigen Monatsabschluss sogar noch übertroffen: Der Juli-Preisspiegel weist Abschläge um durchschnittlich 57 €/t aus. Die Preisrückgänge liegen Im Juli zwischen 10 €/t und 160 €/. Nur PET-Mahlgut notiert um 60 €/t höher. Die Angebotszahl im Juli ist vergleichbar mit der der ersten vier Monate; sie hat sich also normalisiert. Zur Erinnerung: im Juni wurden außerordentlich viele Angebote aber auch Nachfragen in plasticker registriert. Ein Einbruch bei der Nachfrage in der Sommerpause kann bisher nicht ausgemacht werden. Laut plasticker verändern sich im Juli z.B. die folgenden Preisnotierungen um mehr als ±40 €/t im Vergleich zum Vormonat bei: HDPE-Mahlgut -60 €/t, LDPE-Mahlgut -160 €/t, HDPE-Granulat -60 €/t, PS-Granulat -110 €/t, PET-Ballenware -100 €/t und PET-Mahlgut +60 €/t.

Eine erste Vorschau in die derzeitigen August-Notierungen, die allerdings abschließend erst im September gemeldet werden kann, weist eine Konsolidierung der Preise aus. Die Nachfrage nach Standardkunststoffen wird voraussichtlich derjenigen des Vormonats entsprechen.

Tabelle 1: Notierungen für Standardkunststoffe in plasticker; Angaben in €/t

*: Zu geringe Angebotszahl, um eine statistische Signifikanz zu erreichen; 1: entspricht der Qualität Produktionsabfall, bunt; 2: entspricht K49; 3: entspricht K59; 4: entspricht Standard bunt; 5: entspricht der Qualität Regranulat schwarz; 6 Vorschau, die sich durch weitere Angebote verändern kann.

Technische Kunststoffe: Der Preisverfall vom Mai zum Juni findet im Juli keine Fortsetzung. Im Juli haben sich die Preise für Technische Kunststoffe stabilisiert. Im Juli-Preisspiegel in plasticker notieren die Kunststoffe im Vergleich zum Vormonat um durchschnittlich 22 €/t höher. Die jeweiligen Preisveränderungen gleichen sich im Durchschnitt fast aus, das heißt: die Preiserhöhungen liegen im Bereich von 10 €/t bis 230 €/t und die Preisnachlässe bei 10 €/t bis 110 €/t. Dies zeigt, dass nach wie vor eine kunststoffspezifische Nachfrage die Preise individuell festsetzt und nicht ein alles beherrschender Markttrend nach unten. Eine befriedigende Nachfrage nach Technischen Kunststoffen lässt sich also auch in der Sommerpause ausmachen. Auch in der Sommerpause sind die Technischen Kunststoffe gut nachgefragt. Laut plasticker verändern sich im Juli die folgenden Preisnotierungen um mehr als ±70 €/t , z.B. bei: ABS-Granulat +170 €/t und PA 6-Mahlgut -110€/t.

Der prognostizierte Preisverfall findet im Juli nicht statt! Allerdings ergibt eine erste Vorschau in die derzeitigen August-Notierungen, die abschließend erst Anfang September gemeldet werden können, deutliche Preisrücknahmen, und zwar um durchschnittlich 50 €/t. Die Angebotszahl im August ist vergleichbar mit der der ersten vier Monate; sie hat sich also normalisiert. Ein Einbruch bei der Nachfrage nach Technischen Kunststoffen in der Sommerpause kann bisher nicht festgestellt werden.

Tabelle 2: Notierungen für Technische Kunststoffe in plasticker; Angaben in €/t

5: entspricht der Qualität Regranulat schwarz; 6 Vorschau, die sich durch weitere Angebote verändern kann.


Alle Preisangaben ohne Gewähr. Alle EUWID-Preise ab Station. Die Preise beziehen sich in der Regel auf Mengen größer 20 Tonnen. Aus den stündlich aktualisierten Monatspreisübersichten - erstellt aus den Angeboten in der Rohstoffbörse plasticker lassen sich monatliche Preisnotierungen für die Sekundärkunststoffe errechnen. Dieser Preisspiegel zeigt Notierungen, die allerdings unter dem Vorbehalt der Ermittlung aus den eingestellten Angeboten stehen. Darüber hinaus unterscheidet plasticker nicht zwischen den Qualitäten klar, bunt oder farbsortiert. Dadurch ergibt sich aus den plasticker-Angaben unter Umständen ein anderes Marktgeschehen als beim EUWID-Preisspiegel.


Die Informationen zur Marktlage von Kunststoffen wurden uns freundlicherweise bereitgestellt von:
bvse - Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V.

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