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09.06.2021, 12:55 Uhr | Lesedauer: ca. 4 Minuten    

KNF: Auftaktveranstaltung des Arbeitskreises "Digitalisierung"

Dr. Ralf Seidler (l.) und Christian Haupt (r.) übernehmen die Leitung des neuen KNF-Arbeitskreises „Digitalisierung“ - (Bilder: KNF).
Dr. Ralf Seidler (l.) und Christian Haupt (r.) übernehmen die Leitung des neuen KNF-Arbeitskreises „Digitalisierung“ - (Bilder: KNF).
Ziel des neu gegründeten Arbeitskreises "Digitalisierung" im Kunststoff-Netzwerk Franken e.V. (KNF) ist es, Transparenz in das komplexe und facettenreiche Themenfeld der Digitalisierung zu bringen. Gleichzeitig soll das Know-how aus den unterschiedlichsten Bereichen der kunststoffverarbeitenden und technologieorientierten Zulieferindustrie (Werkzeug- und Maschinenbau, Automatisierungstechnik, Softwarebranche, etc.) zusammengebracht und zur gemeinsamen, unternehmensübergreifenden Lösungsfindung genutzt werden.

Im Vorfeld zur Auftaktveranstaltung wurde eine Befragung zu relevanten Themen und vorhandener Expertise unter den Netzwerkmitgliedern durchgeführt. Anhand der Ergebnisse der Umfrage sollen die Schwerpunkte der zukünftigen Arbeit im Arbeitskreis ausgewählt werden. Die Leitung des Arbeitskreises übernehmen Dr. Ralf Seidler (Schwindt Digital GmbH) und Christian Haupt (Staedtler Mars GmbH & Co. KG).

Rund 50 Expertinnen und Experten auf dem Gebiet der Digitalisierung kamen zum ersten Treffen des Arbeitskreises zum Thema "Digitale Geschäftsmodelle" virtuell zusammen.

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Ralph Hufschmied, Geschäftsführer der Hufschmied Zerspanungssysteme GmbH, ging in seinem Impulsvortrag auf die Chancen ein, welche sich durch die Digitalisierung für KMU bieten. Der Referent erläuterte, dass sich Vorteile aus der Vereinfachung von Prozessen, der Verbesserung von Produkten und des Kundenservices sowie durch die Möglichkeit eines effektiven und kostengünstigen Marketings über Netzwerke, Plattformen und soziale Medien ergeben würden. Digital erhobene Daten könnten für das eigene Unternehmen genutzt und zunehmend mehr unternehmerische Freiheit gewonnen werden. Nicht zuletzt müssten sich Unternehmen aufgrund politischer Vorgaben im Bereich Umweltschutz, die zukünftig nur durch den Einsatz digitaler Arbeitsweisen erfüllt werden können, mit dem Thema Digitalisierung beschäftigen, so Hufschmied. Nachteilig auf den Fortschritt im Bereich Digitalisierung würden sich die erhöhten Kosten für Software, Hardware und Mitarbeiterweiterbildungen sowie für Datenschutz und Cybersicherheit auswirken. "Letztendlich soll die Digitalisierung dem Kunden bessere Produkte und Dienstleistungen mit einem noch höheren Mehrwert bieten. Dafür ist es aber notwendig, Zeit und Geld zu investieren", schlussfolgerte Hufschmied.

Ralph Hufschmied (Hufschmied Zerspanungssysteme GmbH) referierte über den Einsatz digitaler Werkzeuge in der Produktion.
Ralph Hufschmied (Hufschmied Zerspanungssysteme GmbH) referierte über den Einsatz digitaler Werkzeuge in der Produktion.

Als Beispiele für digitale Werkzeuge in der Produktion nannte Hufschmied unter anderem den Einsatz künstlicher Intelligenz zur Entscheidungsfindung und Problemlösung, die Nutzung ausgewählter Produktionsdaten mit dem Ziel, die Produktion effizienter zu machen (Big Data) sowie das Internet of Things (IoT) mit digitalen Zwillingen physischer Objekte. Der Mangel an IT-Fachkräften und die erschwerte Kommunikation zwischen IT und Produktion seien neben den hohen Kosten die größten Herausforderungen.

Anhand des Praxisbeispiels "Inline-Qualitätskontrolle bei Zerspanungsprozessen" zeigte Hufschmied , wie durch den Einsatz digitaler Tools und eine gemeinsame Datennutzung über Unternehmensgrenzen hinweg die Herstellkosten im Groß-Werkzeugbau zum Teil um über 50 % reduziert werden können.

Um "Digitale Geschäftsmodelle in der Kunststoffindustrie - ermöglicht durch Technologie, Daten und Innovation" ging es in der anschließenden Präsentation von Prof. Holger Ruckdäschel (Lehrstuhl Polymere Werkstoffe, Universität Bayreuth). Der Referent führte aus, dass die Digitalisierung immer relevanter wird, weil die digitale Aufstellung und Präsenz eines Unternehmens zunehmend die Kaufentscheidungen der Kunden beeinflussen und die Ablehnung digitaler Arbeitsweisen zukünftig Umsatzverluste verursachen wird. "Möglichmacher" der digitalen Transformation seien vor allem der Anstieg der Datenspeicherung, Rechenleistung und Datentransferraten, so Prof. Holger Ruckdäschel.

Prof. Holger Ruckdäschel (Lehrstuhl Polymere Werkstoffe, Universität Bayreuth) zeigte auf, wie durch Digitalisierungstechnologien Wettbewerbsvorteile generiert werden können.
Prof. Holger Ruckdäschel (Lehrstuhl Polymere Werkstoffe, Universität Bayreuth) zeigte auf, wie durch Digitalisierungstechnologien Wettbewerbsvorteile generiert werden können.

Im Vortrag wurde verdeutlicht, wie die Digitalisierung entlang existierender Wertschöpfungsketten umgesetzt werden kann. "Entlang linearer Wertschöpfungsketten werden überwiegend digitale Lösungen und Angebote eingesetzt, die nahe am existierenden Geschäft liegen und in denen oftmals Effizienzsteigerung eine wesentliche Rolle spielt. Die Firmen müssen sich dafür öffnen, aber gleichzeitig muss die Vertraulichkeit der Daten gewährleistet sein", erläutert Ruckdäschel. Er erklärte, dass in jedem einzelnen Schritt der Wertschöpfungskette von der Materialentwicklung über die Produktherstellung, den Vertrieb, die Logistik bis hin zur Nutzung und Rezyklierung digitale Prozesse einsetzbar sind. Die Nutzung künstlicher Intelligenz, die Analyse, Strukturierung und Vernetzung von Daten, der Einsatz sozialer Medien für die Produktpositionierung und das Marketing, QR-Codes und RFID-Chips zur Erfassung von Warenströmen, die Integration von den Anwender unterstützenden Sensoren in Kunststoff-Produkte sowie die Einbringung von Tracern für ein effizienteres Recycling seien nur einige Beispiele.

Zum Abschluss ging Ruckdäschel noch auf digitale Plattformen als Geschäftsmodell ein und erklärte, wie Fertigungs-, Distributions- und Recyclingplattformen Anbieter und Käufer zusammenbringen können und gleichzeitig darin unterstützen, Wissen aufzubauen und Services zu verbessern. "Betreiber der Plattformen sind dabei nicht diejenigen, die etwas verkaufen wollen, sondern Vermittler zwischen Anbieter und Käufer."

In einer anschließenden Live-Umfrage sei deutlich geworden, dass die Anwesenden im Mittel ein hohes Digitalisierungs-Potential sowohl für das eigene Unternehmen als auch die Kunststoffindustrie im Allgemeinen sehen und dass bereits einige digitale Aktivitäten erfolgt sind, die aber noch weiter ausgebaut werden können. Als die größten Hürden bei der Umsetzung digitaler Arbeitsweisen nannten die Befragten vor allem den Mangel an Zeit und Kompetenzen.

Prof. Holger Ruckdäschel (Lehrstuhl Polymere Werkstoffe, Universität Bayreuth) zeigte abschließend auf, wie durch Digitalisierungstechnologien Wettbewerbsvorteile generiert werden können.

Beiden Vorträgen folgte eine Diskussion über Themen wie Datensicherheit und Mitarbeiter-Schulungen auf dem Gebiet digitaler Kompetenzen, woraus bereits weitere Inhalte und Ideen für kommende Arbeitskreis-Treffen abgeleitet wurden.

Weitere Informationen: www.kunststoff-netzwerk-franken.de

Kunststoff-Netzwerk Franken e.V., Bayreuth

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