| 15.12.2023, 11:31 Uhr | Lesedauer: ca. 4 Minuten |
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Die Kunststoffrecyclingunternehmen kämpfen mit existenzbedrohenden Herausforderungen. Das machte bvse-Vizepräsident Dr. Herbert Snell auf der 6. Konferenz Verpackungsrecycling, einer Veranstaltung von AGVU, BDE und bvse, am 5. Dezember in Berlin deutlich. "Ich kann mich nicht erinnern, dass die Lage jemals so prekär war, wie in den letzten Wochen und Monaten", so Herbert Snell. In einer Umfrage unter den im bvse organisierten Kunststoffrecyclingunternehmen hätten 30 Prozent angegeben, dass sie ihre wirtschaftliche Situation als mangelhaft oder ungenügend einschätzen. Auch der Ausblick ins nächste Jahr lasse nichts Gutes erwarten, denn 25 Prozent der Unternehmen erwarten keine Verbesserung ihrer Situation. Diese Entwicklung komme nicht von ungefähr. Die hohen Energiekosten treffen die Recyclingbranche stark. In den letzten beiden Jahren hätten die Unternehmen eine sechzigprozentige Energiekostensteigerung verkraften müssen. Die Rezession und die damit verbundene Konsumzurückhaltung in Deutschland treffe die Branche ebenso. Die Kunststoffrecyclingunternehmen bewegen sich in einem Markt mit fixen bzw. steigenden Kosten auf der Beschaffungsseite: Sammlung, Sortierung und massiv steigenden Prozesskosten. "Auf der Absatzseite kämpfen wir mit dem Problem, dass die Absatzpreise für Recyclate massiv eingebrochen sind. Zum Beispiel PP Copolymer, schwarz, laut Kunststoff Information von Juni/Juli letzten Jahres um 36 Prozent bis letzten Monat oder klare PET Flakes von August 22 um 42 Prozent zum November 23", führte Snell in Berlin aus. Die Neuwarepreise richten sich demnach nach Angebot und Nachfrage der Kunststoff verarbeitenden Industrie sowie nach Kosten für Energie und Rohstoffe. Fehlende Nachfrage, wie zurzeit weltweit, führe zu einem Verfall der Neuwarepreise. Momentan tobe ein brutaler Preiskampf zwischen Neuware und Kunststoffrecyclaten. Der Absatz von Mahlgütern, Regranulaten und Compounds stocke. Die Kunststoffrecycler würden im Input mit Verarbeitungsware volllaufen und für ihre Produkte im Warenausgang keine Abnehmer finden. Auf die Frage, wann rechnen die Kunststoffrecycler damit, dass sich der Recyclat-Absatz wieder bessert, hätten 37 Prozent geantwortet, dass sie im nächsten Jahr keine Besserung erwarten. "Das zeigt: Die Branche steht mit dem Rücken zur Wand. Der dauerhafte wirtschaftliche Betrieb der Recyclinganlagen ist kaum noch möglich. Wir sehen eine bedrohliche Situation, die das gesamte Recycling gefährdet", warnte der bvse-Vizepräsident. Entscheidend für die prekäre Situation ist laut Herbert Snell jedoch ein strukturelles Problem, das angepackt werden müsse. Die Jahre 2021 und 2022 hätten gezeigt, dass es nicht an der Qualität oder Verfügbarkeit von Recyclaten liegen könne, denn in diesen Jahren hätten die Kunststoffverarbeiter alles gebrauchen und einsetzen können. Die jahrelangen Beschwerden über die Qualität seien verstummt. Das strukturelle Problem liege offensichtlich darin, das Recyclate nicht eingesetzt werden, wenn Neuware preisgünstiger sei. Allein im zweiten Quartal dieses Jahres sei die Menge der in die EU eingeführten PETs gegenüber dem Vorjahr um 20 Prozent gestiegen, weil PET-Neuware aus dem Ausland billiger sei. Weil der klimaschädliche CO2-Rucksack, der bei der Produktion von Kunststoffneuware entstehe, bei der Preisbildung völlig außen vor bleibe – erst recht bei der importierten Neuware. Der CO2-Rucksack von Recyclaten sei im Verhältnis zur Neuware um 1,5 bis 3,2 Tonnen leichter pro Tonne Kunststoff. Vereinfacht gesagt, für die Herstellung von Recyclaten werde nur die Hälfte an Energie genutzt wie für Neuware. Würde diese positive Klimabilanz eingerechnet werden, könnte eine Parität zwischen Recyclaten und aus fossilen Rohstoffen gewonnenen Kunststoffen hergestellt werden. "Wir sind uns deshalb mit vielen Akteuren einig, dass eine angemessene CO2-Bepreisung als wirksames marktwirtschaftliches Instrument das dringend benötigte Level-Playing Field schaffen kann", erklärte der bvse-Vizepräsident. Wenn mehr Recyclate und weniger Kunststoffneuware eingesetzt würden, würden sich die CO2-Emissionen reduzieren. Wer darauf aus Kostengründen verzichtet, dürfe nicht belohnt, sondern müsse mit einem deutlichen Preisaufschlag sanktioniert werden. Der Gesetzgeber, ob in Berlin oder in Brüssel, sei aufgefordert, das Ziel einer echten Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe beizubehalten, ohne die Wettbewerbsfähigkeit und Widerstandsfähigkeit der Märkte zu gefährden. Es müssten die notwendigen Anreize gesetzt werden, die auf die gesamte Wertschöpfungskette abzielen, um Investitionen in Recyclingkapazitäten und technologische Entwicklungen voranzutreiben. Zu diesem Zweck müssten die Stärkung der Recycling- und Recyclateinsatzziele, die Förderung von Design-for-Recycling und die Bewältigung verbleibender Herausforderungen in der Abfallwirtschaft, z.B. die Qualität der dem Recycling zur Verfügung gestellten Rohstoffe, wie z.B. aus den dualen Systemen, ganz oben auf der politischen Agenda stehen. Weitere Informationen: www.bvse.de |
Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V., Bonn
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