| 20.05.2026, 06:06 Uhr | Lesedauer: ca. 3 Minuten |
|
|
Plastics Europe sieht die Transformation der europäischen Kunststoffindustrie zur Kreislaufwirtschaft zunehmend gefährdet. Nach Angaben des Verbands zeigt der neue zweijährliche Bericht „Die Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe: Eine europäische Analyse“, dass sich das Wachstum zirkulärer Kunststoffproduktion und -nachfrage in Europa im Jahr 2024 deutlich abgeschwächt hat. Als zentrale Ursachen nennt Plastics Europe eine verschärfte Wettbewerbs- und Kostensituation, hohe Energie- und Rohstoffpreise, steigende Emissionskosten sowie unzureichende politische Rahmenbedingungen. Dem Bericht zufolge wurden 2024 in Europa 8,7 Mio. Tonnen Kunststoffe zirkulär produziert. Das entspricht 15,8 Prozent der gesamten Kunststoffproduktion. Als zirkulär gelten dabei Kunststoffe, die auf recycelten Rohstoffen oder Biomasse basieren. Zwar weist Europa damit weiterhin den höchsten Anteil zirkulärer Kunststoffe im Produktionsmix auf. Diese Position beruht nach Einschätzung von Plastics Europe jedoch nicht allein auf Fortschritten bei zirkulären Materialien, sondern auch auf einem deutlichen Rückgang der fossilbasierten Kunststoffproduktion. Diese sank zwischen 2022 und 2024 um 8,3 Prozent auf 43,3 Mio. Tonnen. Besonders deutlich fällt die Verlangsamung beim Produktionswachstum aus. Das jährliche Wachstum der zirkulären Kunststoffproduktion in Europa ging von 13,6 Prozent im Jahr 2022 auf 1,2 Prozent im Jahr 2024 zurück. Gleichzeitig beschleunigte sich das globale Wachstum der zirkulären Kunststoffproduktion von 5,0 Prozent auf 7,7 Prozent. Auch auf der Nachfrageseite schwächte sich die Entwicklung ab: Das Wachstum der Nachfrage europäischer Verarbeiter nach zirkulären Kunststoffen sank von 16,2 Prozent im Jahr 2022 auf 4,0 Prozent im Jahr 2024. Der Bericht verweist zudem auf eine zunehmende Abhängigkeit Europas von internationalen Wertschöpfungsketten. Rund 19 Prozent der Nachfrage europäischer Verarbeiter nach zirkulären Kunststoffen werden durch Importe gedeckt. Zugleich werden 12,4 Prozent der in Europa gesammelten Kunststoffabfälle außerhalb Europas recycelt. Bei fossilbasierten Kunststoffen liegt die Importquote mit 25 Prozent noch höher. Beim Abfallmanagement verzeichnet Plastics Europe zwar Fortschritte, sieht aber weiterhin erheblichen Handlungsbedarf. Die Recyclingquote der gesammelten Kunststoffabfälle stieg 2024 auf 29,6 Prozent. Dennoch wurden 70,4 Prozent der gesammelten Kunststoffabfälle weiterhin verbrannt oder deponiert. Nach den Angaben entfielen 16,0 Mio. Tonnen beziehungsweise 48,9 Prozent auf die Verbrennung und 7,0 Mio. Tonnen beziehungsweise 21,5 Prozent auf die Deponierung. Damit bleibe ein großer Teil potenzieller Sekundärrohstoffe ungenutzt. Plastics Europe warnt, dass die aktuelle Entwicklung die europäischen Klimaziele, die industrielle Wettbewerbsfähigkeit und die strategische Autonomie Europas schwächen könne. Der Verband sieht die Kunststoffindustrie in einer wirtschaftlich angespannten Lage, die Investitionen in Kreislaufwirtschaft und Dekarbonisierung erschwere. Statt einer Transformation der industriellen Basis drohe eine Verringerung der Emissionen durch Produktionsrückgang und Deindustrialisierung. Aus Sicht des Verbands reichen die bestehenden politischen Rahmenbedingungen auf EU-Ebene nicht aus, um die Entwicklung umzukehren. Zwar werde die strategische Bedeutung der Kunststoff erzeugenden Industrie im Zusammenhang mit dem Industrial Accelerator Act anerkannt. Es fehlten jedoch ausreichende Marktsignale, Skalierungseffekte und Umsetzungsgeschwindigkeit. Plastics Europe fordert daher Maßnahmen zur Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit, zur Senkung von Energie- und Emissionskosten, zur Sicherstellung fairer Handelsbedingungen sowie zur Stärkung der Nachfrage nach zirkulären Kunststoffen. Eine zentrale Rolle misst der Verband dem geplanten Circular Economy Act bei. Dieser müsse dazu beitragen, zirkuläre Kunststoffe in Europa wirtschaftlich tragfähig zu machen. Dazu gehöre auch, Kunststoffabfälle stärker in Europa zu halten und dort zu verwerten, statt sortierte Abfälle zu exportieren und recycelte Materialien zu importieren. Plastics Europe bewertet Kunststoffabfälle als strategische Ressource, die zur Verringerung der Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen beitragen könne. Der Bericht kommt damit zu dem Ergebnis, dass Europa beim Umbau des Kunststoffsystems zwar weiterhin eine führende Position einnimmt, diese aber zunehmend unter Druck steht. Ohne politische und wirtschaftliche Impulse drohten Investitionen, industrielle Wertschöpfung und Teile der Transformation in andere Regionen abzuwandern. Dateianhang zur Meldung: Weitere Informationen: www.plasticseurope.org |
Plastics Europe, Brüssel, Belgien + PlasticsEurope Deutschland e.V., Frankfurt am Main
» insgesamt 291 News über "Plasticseurope" im News-Archiv gefunden
Ihre News im plasticker? Bitte senden Sie Ihre Pressemitteilungen an redaktion@plasticker.de!
| » zurück zum Seitenanfang |
Top-Meldungen der letzten Tage
hapego plastics: Rezyklat-Compounds mit Freigabe für Anwendungen im Fahrzeuginnenraum
MoldTecs: Automobilzulieferer beantragt Sanierung in Eigenverwaltung
Meist gelesen, 10 Tage
Domo + Radici: Zusammenschluß zu globalem Tier-1-Compounder
Domo Engineering Plastics: Investor übernimmt in Premnitz
Mahle: Automobilzulieferer plant Schließung des Werks Neustadt an der Donau
Meist gelesen, 30 Tage
Barnes-Molding-Solutions: Bündelung der Spritzgießkompetenzen unter neuem Namen „Spectrix“
Vynova Wilhelmshaven: Westlake Vinnolit plant Übernahme
LyondellBasell: Verkauf von Olefin/Polyolefin-Anlagen in Europa abgeschlossen
HydroDyn: Fortführung des Geschäftsbetriebes nach Sanierung unter neuer Eigentümerstruktur
Meist gelesen, 90 Tage
Domo: Leunaer Werk durch Übernahme gesichert - Künftige Firmierung unter Leuna-Polyamid GmbH
Plastic Manufacturing Group: Investor übernimmt Standorte Diepersdorf und Lüdenscheid
ASS Maschinenbau: Dr. Andreas Külschbach neuer Geschäftsführer
BASF: Neuen Verbundstandort in Zhanjiang offiziell in Betrieb genommen
KraussMaffei Extrusion: Recyclinglösungen für mechanische und chemische Verfahren
Evosys: Vertriebspartnerschaft mit Schaeffler für Medizintechniklösungen im Osten der USA
Neue und gebrauchte Maschinen & Anlagen finden Sie in der großen Maschinenbörse.
Kostenfreie Nutzung aller Börsen! Registrieren Sie sich jetzt!
| Physikalischer Schaumspritzguss - Grundlagen für den industriellen Leichtbau
|