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Japanisches PET-Recycling: Bottle-to-Tray Thomas Gerstl, KRONES AG Bottle-to-Tray – aus gebrauchten PET-Behältern Lebensmittel-Schalen und -Transportbehälter herstellen: Das ist die Idee, die die japanische FP Corporation (FPCO) seit kurzem verfolgt. Ende 2010 war dazu eine erste Bottle-to-Bottle-Recyclinganlage von Krones im Werk Gifu-Hashima in Betrieb gegangen, mit der es möglich ist, lebensmitteltaugliches PET-Recyclat zu gewinnen. Die hohe Effizienz dieser Anlage und der Bedarf an weiteren Kapazitäten veranlasste das überaus erfolgreiche Privatunternehmen nun, eine zweite identische Linie zu installieren, die im Juni 2012 die Produktion aufnahm. FPCO stellt damit Flakes her, die in eigenen Betrieben gemeinsam mit Virgin-PET zu neuen, durchsichtigen Trays und Verpackungen verarbeitet werden. FPCO hat sich so einen neuen Recyclingmarkt erschlossen und den Kreislauf für einen Teil der PET-Behälter am Markt geschlossen. FPCO bietet marktgerechte Lösungen
![]() Über die Jahrzehnte hinweg hat FPCO eine enge Zusammenarbeit mit Supermarktketten, Verpackungsgroßhändlern und Verbraucherkooperationen zum Sammeln und Recycling von Polystyrol-Trays und transparenten Behältern aufgebaut. Innovationswille verinnerlicht FPCO war das erste Unternehmen überhaupt, das sich das umweltfreundliche Recycling von Lebensmittelbehältern auf die Fahnen geschrieben hat. Im Herbst 1990 wurden die ersten Food-Trays in 1.000 Geschäften gesammelt und von FPCO recycelt. Heute beteiligen sich mehr als 7.000 Läden an dem System. Aber auch die Logistik gehorcht ökologischen Gesichtspunkten. Zum einen ist das Netzwerk an Sammelstellen, Sortierwerken, Recyclinganlagen und Distributionscentern landesweit hoch dezentralisiert, was die Verbrauchernähe stärkt. Zum anderen wird versucht, die Ausliefer-Lkws optimal auszulasten, indem sie auf der Rückfahrt die gebrauchten Trays mitbringen. ![]() Die erste Krones Recyclinganlage erreicht mit ihrer maximalen Leistung von einer Tonne pro Stunde Input derzeit einen Ausstoß von rund 700 Tonnen pro Monat fertige Flakes. Dies entspricht einem Wirkungsgrad von 93 Prozent. Wichtige FDA-Zulassung Etwa die Hälfte der gesammelten transparenten Trays und Behälter bestehen aus PET, dem gleichen Material wie die PET-Getränkebehälter. Die Sammelrate von PET-Flaschen liegt derzeit bei mehr als 70 Prozent. Mehr als die Hälfte davon wird zu Fasern recycelt, überwiegend allerdings nicht in Japan, sondern in China. Konkret gingen 2009 in Japan 596.000 Tonnen PET-Flaschen in den Verkauf, von denen ein Großteil wieder eingesammelt wurden, sei es von der Japan Containers and Packaging Recycling Association (JCPRA), sei es von Kommunen oder der industriellen Abfallwirtschaft aus dem Hausmüll. Fast 430.000 Tonnen gesammelte PET-Flaschen wurden exportiert, ganz überwiegend nach China. In Japan selbst wurden ca. 200.000 Tonnen weiterverarbeitet, hauptsächlich zu extrudierten Folien (95.000 Tonnen) und zu Fasern (73.000 Tonnen). „Gerade weil die Exportraten der PET-Flaschen so hoch waren, überlegten wir uns, die gesammelten PET-Verpackungen und die PET-Flaschen wieder zu PET-Trays zu verarbeiten. Es müssen einfach mehr japanische Recyclingaktivitäten aufgebaut werden, um diese Ressourcen zu nutzen. Wir wollten also sowohl Tray-to-Tray als auch Bottle-to-Tray umsetzen“, erklärt Yasuhiro Komatsu. „Damit eine Wiederverwendung als lebensmittelgeeignetes Food-Grade-PET möglich ist, war die FDA-Zulassung mit dem No Objection Letter nötig. Die konnten wir dank der zertifizierten Krones Technologie Ende 2011 für unsere Anlage erhalten.“ Neues Chubu Recyclingzentrum Im zentraljapanischen Gifu-Hashima in der Nähe der Millionenstadt Nagoya eröffnete FPCO 2009 deshalb das neue Chubu Recyclingzentrum mit zwei Hallen á 4.000 Quadratmetern, zum einen für das Recycling von Polystyrol-Trays und PET-Verpackungen, zum anderen für das Recycling von PET-Flaschen. Auf der Strasse gegenüber entstand ein neues fünfstöckiges Distributionszentrum mit mehr als 30.000 Quadratmetern Lagerfläche. Die Recyclinganlage läuft im 24-Stunden-Betrieb rund um die Uhr und wird in vier Schichten von je vier Mann betrieben. Für die Bedienung der Anlage selbst genügt je ein Mitarbeiter. FPCO schickte zur Einarbeitung für die erste Linie fünf Mitarbeiter an die Krones Akademie nach Neutraubling, bei der zweiten Linie weitere zwei Bediener. Die pfandfreien PET- Flaschen werden gepresst in Blocks auf dem Werksgelände angeliefert. Das Front-End, die Eingangssortierung, wird nun gemeinsam für die erste und zweite Anlage genutzt. Je nach Herkunft sind die PET-Behälter unterschiedlich verschmutzt: Während PET-Flaschen beispielsweise aus den Supermärkten relativ sauber ankommen, sind PET-Flaschen aus dem Hausmüll logischerweise eher schmutzig. Effizientes Waschmodul Die zwei Anlagen bestehen je aus einem Waschmodul mit einer Leistung von 1.000 Kilogramm pro Stunde sowie einem Dekontaminationsmodul für ebenfalls 1.000 Kilogramm pro Stunde. Das Waschmodul liefert zunächst Nonfood-Grade-rPET-Flakes, die das daran anschließende Dekontaminationsmodul zu Food-Grade-Flakes weiterverarbeitet. ![]() Das Waschmodul liefert zunächst Nonfood-Grade-rPET-Flakes, die das daran anschließende Dekontaminationsmodul zu Food-Grade-Flakes weiterverarbeitet. Das Produktgemenge aus PET, Flakes und Deckelmaterialien wandert weiter in die Vorwäsche und wird mit warmem Wasser vermischt und eingeweicht. Nächste Stufe ist der Laugenwäscher. Sämtliche Rückstände aus der Oberfläche wie Klebstoff oder Papier werden durch Reibung schonend abgewaschen und mit Filtrationssystemen aus der Waschlauge entfernt. Ein Schwimm-Sink-Verfahren trennt die spezifisch gewichtigen Deckelmaterialien von den schwereren PET-Flakes. Die PET-Flakes sinken auf den Boden ab. Deckelmaterialien schwimmen an der Oberfläche und werden abgezogen. Die PET-Flakes gelangen nun in eine heiße, mehrstufige Nachwäsche. Hier werden sie sehr schonend mit erhitztem Frischwasser nachgereinigt. Danach werden die PET-Flakes in eine zweistufige Trocknung überführt. In einem Zentrifugaltrockner wird zunächst der größte Anteil des Wassers herausgeschleudert. In der zweiten Stufe wird das Material mit Heißluft in ein Puffersilo transportiert. Dekontaminationsmodul liefert lebensmitteltaugliche Flakes ![]() Im Dekontaminationsmodul wird das Material auf die erforderliche Dekontaminationstemperatur erhitzt. Abschließend folgt die Behandlung im Vakuumreaktor, in dem alle Kontaminanten aus dem Produkt entfernt werden. 93 Prozent Wirkungsgrad Die erste Krones Recyclinganlage erreicht mit ihrer maximalen Leistung von einer Tonne pro Stunde Input derzeit einen Ausstoß von rund 700 Tonnen fertige Flakes pro Monat. Dies entspricht einem Wirkungsgrad von 93 Prozent. „Das ist das Maximum, was wir aus der derzeitigen Qualität dieses Sammelsystems erreichen können“, erklärt der Generalmanager der Recyclingabteilung bei FPCO, Takashi Ikemoto. „Deshalb sind wir damit sehr zufrieden, auch wenn wir natürlich permanent versuchen, das noch zu verbessern, indem wir beispielsweise die Verbraucher bitten, bereits die Etiketten zu entfernen.“ Die aus benutzten PET-Flaschen gewonnen Food-Grade-PET-Flakes werden in den beiden eigenen Werken Kyoto und Kanto zu neuen PET-Trays und Verpackungen verarbeitet, etwa als Lebensmittel-Trays in den Supermärkten. Der PET-Recyclingweg ist geschlossen. Bestehende Logistik zum Sammeln von PET-Behältern nutzen Über die Jahrzehnte hinweg hat FPCO eine enge Zusammenarbeit mit Supermarktketten, Verpackungsgroßhändlern und Verbraucherkooperationen zum Sammeln und Recycling von Polystyrol-Trays und transparenten Behältern aufgebaut. Dieses System und die dahinter stehende Logistik will FPCO jetzt auch verstärkt beim Sammeln von PET-Behältern nutzen. „Das Recycling von PET-Behältern ist eine neue Herausforderung für uns“, erklärt Yasuhiro Komatsu. „Um dieses europäische Business-Modell nach Japan zu importieren, war das richtige Timing ausschlaggebend. Als Marktführer im Recycling waren wir einfach in der Verantwortung, dies anzustoßen. Ich denke, es war genau der richtige Zeitpunkt für diese langfristige Investition“, ist Yasuhiro Komatsu überzeugt. „Unser Ziel war es auch, das Tray-to-Tray-Recycling zu optimieren. Hierzu muss das Etikett auf dem Tray abgewaschen werden. Das kann die Krones Anlage mit hoher Effizienz. Sie sorgt definitiv für eine bessere Qualität des Recyclingmaterials. Auch das Bottle-to-Tray funktioniert damit hervorragend. Entscheidend für uns ist die Qualität der Flakes und die Effizienz der Linie.“ Zukünftig auch an direktes Bottle-to-Bottle-Recycling denken ![]() Die lebensmitteltauglichen Flakes sind in ihren optischen und physikalischen Eigenschaften mit Neuware vergleichbar. „Es ist jetzt möglich, Trays, Verpackungen und Getränke-Flaschen aus PET unbegrenzt als Food-Grade-Material wieder zu verwenden“, meint Vorstands- und Aufsichtsratvorsitzender Yasuhiro Komatsu. „Je höher der Recyclinganteil, umso niedriger der Verbrauch an neuem Rohmaterial. Damit wird sich der Import von Rohöl nach Japan reduzieren. FPCO kommt mit dem Recyclinggeschäft den Ansprüchen einer Gesellschaft und Wirtschaft entgegen, die Energie und Ressourcen sparen will, recyclingorientiert ist, neue Energien nutzen will und nachhaltig denkt.“ Quelle: Krones Magazin 3/2012 KRONES AG Böhmerwaldstraße 5 Tel.: +49 (0) 9401 70–0 Internet: www.krones.de |
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