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Außen Echtmetall, innen die Funktionalität von Kunststoffen Hinterspritzen von Metallfolien zur Realisierung von hochwertigen OberflächenDipl.-Ing. Marius Fedler, B.Eng. Timo Schulz, Kunststoff-Institut Lüdenscheid
Der Einsatz von Kunststoffen in technischen und designtechnischen Applikationen hält zunehmend Einzug. Die Verbrauchsmenge, des für derartige Produkte eingesetzten Kunststoffs, wächst dabei von Jahr zu Jahr nicht proportional zu anderen Werkstoffklassen, sondern zeichnet sich durch überproportionale Steigerungsraten aus. Ursachen sind die kosteneffektive Nutzung des Werkstoffes, die Reduzierung des Bauteilgewichts sowie die Gestaltungsfreiheit der Artikelkonstruktion und die hohe Funktionalität, die in ein Spritzgussteil integriert werden kann. Dies bedeutet, dass bereits jetzt viele andere Werkstoffe wie bspw. die Metalle durch Kunststoffe substituiert werden. Wo eine gänzliche Substitution des Metalles nicht möglich oder erwünscht ist, werden Materialkombinationen eingesetzt. Beispielsweise bei Echtmetalloberflächen mit Cool-Touch-Haptik werden Metallfolien im Spritzguss mit Kunststoffen verbunden. Cool-Touch-Effekt erfordert höhere Schichtdicken ![]() Hinterspritzte Bleche erzeugen eine hochwertige Echtmetalloberfläche mit Cool-Touch-Effekt Haftvermittlersysteme sorgen für stoffschlüssige Verbünde Da eine chemische Inkompatibilität zwischen den meisten Metallen und Kunststoffen besteht, können für eine stoffschlüssige Verbindung Beschichtungen eingesetzt werden, die auf ein Band aufgetragen werden und durch den Spritzgussprozess aktivierbar sind, so dass ein Verbund entsteht. Ein stoffschlüssiger, flächiger Verbund verhindert das Eindringen von korrosiven Medien und steigert die Freiheitsgrade der Artikelkonstruktion.
![]() Hochfeste, stoffschlüssige Verbünde am Beispiel einer ABS-Zugstabhinterspritzung (schwarz) auf einem haftungsmodifizierten Edelstahlblech (gelb) Die Auswahl etwaiger Beschichtungssysteme ist nicht nur abhängig von der hinterspritzten Kunststoffkomponente, sondern ebenso von den späteren Einsatzbedingungen, die Einfluss auf die Güte des Verbundes besitzen. Erst Klimawechsellagerungen und bauteilspezifische Belastungstests ermöglichen hier eine Aussage über die Einsatzmöglichkeiten im Feld. Darüber hinaus ist bei der Artikelkonstruktion die Symbiose zweier stark unterschiedlicher Werkstoffe zu berücksichtigen. Unter anderem sind hier die thermischen Längenänderungen und der durch die Schwindung bedingte Verzug zu nennen, welche bereits in der Planungsphase bekannt sein müssen. Ein Schwindungsausgleich durch das Schäumen von derartigen Bauteilen ist ebenfalls ein Aspekt der berücksichtigt werden kann. Verkürzung der Prozessketten Darüber hinaus hat die Prozessführung einen entscheidenden Einfluss auf die Bauteilqualität, wobei hier die Festigkeit des Kunststoff-Metallverbundes als weiteres Qualitätskriterium zu berücksichtigen ist. Die optimale Prozessführung ist abhängig vom eingesetzten Hinterspritzmaterial und nicht zuletzt vom Haftvermittlersystem, welches es zu aktivieren gilt. Die notwendige Aktivierungstemperatur muss durch den Fertigungsprozess zur Verfügung gestellt werden und stellt sich durch den Kontakt zwischen der flüssigen Schmelze und dem Einlegeteil ein. Überdies lässt sich eine weitere Verkürzung der Prozesskette durch diese Technologie realisieren. So kann der Umformprozess ebenfalls in den Spritzgussprozess integriert werden. Kleinere Umformvorgänge, Schriftzüge und Embleme können in Abhängigkeit der eingesetzten Materialien direkt im Prozess generiert werden, so dass ein optisch und qualitativ hochwertiges fertiges Produkt aus dem Spritzgusswerkzeug fällt. Ebenfalls ist ein Tag- und Nachtdesign an hinterspritzten Blechen möglich, welches auf einer Hinterleuchtung von Symboliken in einem Echtmetallgehäuse beruht. Es kann festgehalten werden, dass durch das Hinterspritzen von haftungsmodifizierten Metallblechen leistungsfähige Hybridbauteile hergestellt werden können. Durch das stetige Interesse an dieser Technologie werden vom Markt immer mehr Haftvermittlersysteme angeboten, die ausschließlich durch Praxisversuche getestet werden können. Das Kunststoff-Institut Lüdenscheid beschäftigt sich mit dieser Thematik seit längerer Zeit und hat sich durch Projektierungen entsprechendes Know-How erarbeitet. Ein aktuelles Verbundprojekt mit zahlreichen Kooperationsfirmen beschäftigt sich mit einem Benchmarking der verschiedenen Haftvermittler. Darüber hinaus werden die Möglichkeiten einer Blechprägung im Werkzeug, unter der Berücksichtigung umformtechnischer Aspekte, weiter beleuchtet. Ebenfalls sollen die realisierbaren Oberflächendekore und Anwendungen erarbeitet werden. Dabei werden nicht nur dekorative Applikationen beleuchtet, sondern ebenfalls Strukturbauteile die bspw. durch eine partielle Hinterspritzung haftungsmodifizierter Bleche ermöglicht werden. Der Problematik der Verzugsneigung soll durch den Einsatz von Schäumverfahren entgegen gewirkt werden. Das Verbundprojekt, mit einer Laufzeit von zwei Jahren, ist im November 2008 gestartet. Ein Quereinstieg interessierter Unternehmen ist jederzeit möglich. KIMW - Kunststoff-Institut Lüdenscheid Karolinenstraße 8 Tel.: +49 (0) 2351 106419-1 Internet: www.kunststoff-institut.de |
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