| 22.01.2010 | Lesedauer: ca. 3 Minuten |
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Die Situation für das PET-Recycling in Deutschland und Europa ist äußerst schwierig. Dr. Thomas Probst (Bild) ist Kunststoffexperte beim bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V. In einem Interview erläutert er die Probleme der PET-Recycler. Herr Dr. Probst, hat die Wirtschaftskrise auch das PET-Recycling getroffen? Dr. Thomas Probst: „Das ist leider so. Die PET-Recycler haben einen massiven Preiseinbruch verkraften müssen. Wir können inzwischen zwar eine Bodenbildung feststellen, aber von dem Niveau, das wir vor der Krise hatten, sind wir noch weit entfernt. Es ist ja so, dass die Preise für PET-Recyclate von dem immer noch relativ niedrigen Preis für Neuware limitiert werden. Hinzu kommen aber auch strukturelle Probleme, die mit der aktuellen Wirtschaftskrise weniger zu tun haben.“ Mit welchen strukturellen Problemen haben denn die Unternehmen zu kämpfen? Dr. Thomas Probst: „Wir haben europaweit mit Überkapazitäten zu kämpfen. Wir halten in Europa eine Verwertungskapazität vor, die irgendwo zwischen 1.240.000 und 1.370.000 Ton-nen pro Jahr liegt. Die Gesamtsammelmenge liegt jedoch nur bei ca. 1.300.000 Tonnen. Diese Menge geht aber natürlich nicht in Gänze in die europäischen Anlagen, zwischen 210.000 und 390.000 Tonnen werden exportiert und das verschärft die Problematik natürlich erheblich.“ Aber die Wirtschaftskrise muss doch auch zu einem Rückgang der Exporte geführt haben? Dr. Thomas Probst: „Vorübergehend ist der Export von PET-Flaschenabfällen tatsächlich zurückgegangen. Inzwischen kann aber auch hier eine Stabilisierung festgestellt werden und der Trend ist ganz klar: Der Exportanteil wird zukünftig weiter steigen.“ Das macht Ihnen große Sorgen? Dr. Thomas Probst: „Ja, diese Entwicklung ist nicht gut. Das Problem ist nicht, dass ein Wettbewerb um die Sekundärrohstoffe, hier die PET-Flaschenabfällen, stattfindet. Das Problem ist, dass der Wettbewerb nicht fair ist.“ Kann ein Exportverbot helfen? Dr. Thomas Probst: „Nein, das kann sich Deutschland als große Exportnation nicht leisten. Aber wir müssen dieses Problem, das ja nicht nur die PET-Recycler betrifft, erkennen und eine eigene Strategie entwickeln. Es ist ja nicht nur so, dass die Arbeits-, Sozial- und Umweltbedingungen beispielsweise in China auf einem deutlich niedrigeren Niveau sind und sich die dortige Verwertungsindustrie so einen großen Wettbewerbsvorteil verschafft. China greift aktiv in Märkte ein und steuert auch so seine Rohstoffversorgung. Das macht die Situation der Verwertungsindustrie in Europa nicht leichter, deshalb müssen wir hier als Europäer den Dialog suchen und uns für vergleichbare Ausgangsvoraussetzungen einsetzen.“ Und wie sieht die Situation in Deutschland aus? Dr. Thomas Probst: „Auf Deutschland bezogen ist die Situation noch schlechter. Da die bei uns gesammelten Flaschen qualitativ am besten sind, werden diese von allen europäischen Verwertern gesucht und gekauft, so dass die deutschen Verwerter nicht nur mit Asien konkurrieren, sondern sich auch mit den europäischen Kollegen einen knallharten Wettbewerb um die Materialströme liefern.“ Was hat das für Konsequenzen? Dr. Thomas Probst: „Der Standort Deutschland ist für PET-Verwerter ein ganz schwieriges Pflaster geworden. In den letzten beiden Jahren sind schon einige Unternehmen aus dem Markt ausgeschieden oder mussten schlicht Insolvenz anmelden.“ Trotzdem hört man immer wieder von der Absicht neue Verwertungskapazitäten aufzubauen? Dr. Thomas Probst: „Jeder kann sein Glück versuchen. Fakt ist jedoch, dass jede neue Investition in diesem Bereich zu weiteren Überkapazitäten bei der Verwertung und zu Marktverwerfungen führen wird.“ Weitere Informationen: www.bvse.de |
Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V., Bonn
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