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19.03.2021, 06:06 Uhr | Lesedauer: ca. 4 Minuten    

GKV: Lieferausfälle und Preisexplosion bei Kunststoffen - Verarbeiter schlagen Alarm

Die Hersteller von Kunststoffprodukten schlagen angesichts der anhaltenden Rohstoffverknappung Alarm: Ausbleibende Kunststofflieferungen haben bereits zu Einschränkungen der Produktionsund Lieferfähigkeit geführt. Nun setzen teilweise drastische Preissprünge bei Kunststoffen die überwiegend mittelständischen Kunststoff-Verarbeiter noch mehr unter Druck. Betroffen sind alle Bereiche der Kunststoff verarbeitenden Industrie, sowie alle Kunststofftypen angefangen von den Standard-Kunststoffen wie PP, PE und PVC, über die Technischen Kunststoffe wie ABS, PC und PA bis hin zu den Hochleistungskunststoffen wie PVDF und PTFE.

Der Gesamtverband der Kunststoff verarbeitenden Industrie (GKV e.V.) stellt fest, dass die Rohstoff-Lieferkette derzeit massiv gestört ist. Zwar arbeiten die Hersteller von Kunststoffprodukten derzeit beharrlich daran, die sich daraus ergebenen Risiken für ihre Kunden zu minimieren, weisen aber auch auf den wirtschaftlichen Druck hin, der die gesamte Branche belastet.

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Es sei aber nicht nur die Preisentwicklung, die die Unternehmen vor eine große Herausforderung stellt, es würden schlicht auch die Mengen fehlen. Gewünschte Rohstoffe, die durch die wieder steigende Nachfrage notwendig wären, stehen ebenfalls nicht in dem Maße zur Verfügung und dämpfen somit die Rückkehr auf den Wachstumspfad der Branche.

Kunststoffe
Die Preise für Standard-Kunststoffe seien im ersten Quartal 2021 in Europa durchweg stark gestiegen. So habe sich der für Verpackungen wichtige Rohstoff Polyethylen (PE-LD) bis Mitte März um mehr als 35 Prozent verteuert. Ähnliche Zahlen werden für PE-HD, PE-LLD und PP gemeldet. Bei Polystyrol (PS) bzw. expandiertem Polystyrol (EPS) sei die Lage ebenso dramatisch: Die Preise seien allein im März um 30 Prozent gestiegen und beim S-PVC sei ein Preisanstieg von 61 Prozent innerhalb der letzten zehn Monate zu verzeichnen. Bei PUR liege die Preissteigerung um 50 Prozent in den letzten sechs Monaten.

Auch die Technischen Kunststoffe seien von starken Preisanstiegen betroffen – der Preisindex Plastixx TT sei allein im Februar um über zehn Prozent im Vergleich zum Vormonat gestiegen. Vor allem bei den für die Automobil- und Elektroindustrie wichtigen Materialien PA 6 und PA 6.6 werden dreistellige Aufschläge erwartet. Der für Gehäuse von Elektrogeräten und medizinisches Inventar wichtige Rohstoff ABS sei in den letzten sechs Monaten um 35 Prozent teurer geworden. Ähnlich verhalte sich die Situation auch bei den Hochleistungskunststoffen wie PVDF und PTFE.

Petrochemische Ausgangsstoffe
Auch die petrochemischen Ausgangsstoffe für die Kunststoffherstellung sind den Angaben nach teurer geworden, allerdings teils deutlich geringer als die daraus gefertigten Kunststoffe. So seien beispielsweise im ersten Quartal die Kosten für Ethylen, dem Ausgangsstoff für Polyethylen, um 17 Prozent gestiegen. Für Propylen, dem Ausgangsstoff für Polypropylen liege der Preisanstieg bei 21 Prozent. Die Aufschläge auf Polyolefine erreichen nominal teils mehr als das Dreifache der Preissteigerung der Vorprodukte. Der für ABS und Polystyrol/EPS wichtige Ausgangsstoff Styrol habe sich allein im März um 48 Prozent verteuert.

Fracht und Logistik
Der Einbruch des Welthandels zu Beginn der Covid-19-Pandemie und die im vierten Quartal 2020 sprunghaft wieder angestiegene Nachfrage haben zu teils chaotischen Situationen im Frachtgeschäft geführt: Vielfach fehle es an Containern, die infolge der Pandemie in den falschen Häfen gestrandet seien. Das knappe Angebot und die starke Nachfrage nach Frachtkapazitäten hätten beispielsweise die Containerpreise auf der Strecke Asien-Europa seit Ende 2020 um mehr als 400 Prozent ansteigen lassen. Allein das verteueet auch Kunststoffe im Schnitt um 200 Euro/Tonne, deren Non-EU-Importquote nach Deutschland bei circa 15 Prozent liege. In den letzten Wochen scheine sich die Lage allerdings zu stabilisieren und auf den Wachstumspfad von vor der Corona-Krise zurückzukehren. Damit könne zumindest im Bereich der Frachtkosten auf eine mittelfristige Entspannung gehofft werden. Weiterhin fehle aber der Frachtraum der Passagierflieger.

Einsatz von Sekundärrohstoffen
Ein Ausweichen auf Recyclingmaterialien sei in vielen Fällen nur begrenzt möglich. Für viele Anwendungen würden gesetzliche Sicherheitsvorschriften, technische Hürden und hohe Qualitätsanforderungen derzeit einen breiteren Einsatz von Rezyklaten verhindern. Auch seien Rezyklate vielfach noch nicht in ausreichenden Mengen in gleichbleibender Qualität verfügbar. Dort, wo Rezyklate etabliert seien, würden die Preise parallel zur Neuware deutlich steigen – und das bei sinkender Verfügbarkeit.

Hintergrund
Die Gründe für die schwierige Lage der Kunststoff Verarbeiter werden vom GKV als vielfältig beschrieben: Die Covid-19-Pandemie führte weltweit zu einem Ungleichgewicht von Nachfrage und Angebot von Kunststoffprodukten. Dadurch, dass Asien, speziell China, bereits in der zweiten Jahreshälfte 2020 auf den Wachstumspfad zurückgekehrt ist, ist die Nachfrage nach Rohstoffen dort früher gestiegen als in Europa oder den USA. Viele Rohstoffe aus dem Mittleren Osten und den USA wurden und werden nach Asien umgelenkt und fehlen daher in Europa. Verschärft wurde die Situation Anfang des Jahres durch Anlagenausfälle in den USA infolge des Wintereinbruchs, geplante Wartungsarbeiten in europäischen Anlagen sowie Force-Majeure-Meldungen der Kunststoff-Hersteller. Ein Ende der angespannten Rohstoffsituation ist vorerst nicht in Sicht – Experten rechnen mit einer Erholung erst im Herbst 2021.

Weitere Informationen: www.gkv.de

Gesamtverband Kunststoff verarbeitende Industrie e.V. (GKV), Berlin

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