| 02.10.2026, 06:10 Uhr | Lesedauer: ca. 3 Minuten |
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Das Amtsgericht Halle (Saale) hat am 1. Oktober 2026 das Insolvenzverfahren über die Leuna-Polyamid GmbH eröffnet. Das Unternehmen hatte sich seit dem 20. Juni 2026 in einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung befunden (siehe auch plasticker-News vom 22.06.2026). Mit der Eröffnung wird das Verfahren als Regelinsolvenz fortgeführt. Zum Insolvenzverwalter wurde Prof. Dr. Lucas F. Flöther von der Kanzlei Flöther & Wissing bestellt, der zuvor als Sachwalter tätig war. Freigabe von Anlagen und Grundstücken Unmittelbar nach der Verfahrenseröffnung gab der Insolvenzverwalter einen Großteil der Immobilien, Anlagen und Grundstücke aus der Insolvenzmasse frei. Hintergrund ist, dass nach Angaben des Insolvenzverwalters in der Insolvenzmasse nicht ausreichend Mittel vorhanden sind, um die vollständige Stilllegung und den Rückbau des weitläufigen Chemieareals zu finanzieren. Durch die insolvenzrechtliche Freigabe gehören die betreffenden Vermögensgegenstände nicht mehr zur Insolvenzmasse und werden damit auch nicht länger auf deren Kosten verwaltet. Die freigegebenen Immobilien und Anlagen fallen an die Leuna-Polyamid GmbH zurück. Sicherheits- und Umweltpflichten entfallen dadurch nicht. Da die Gesellschaft nach Darstellung des Insolvenzverwalters wirtschaftlich nicht in der Lage ist, die erforderlichen Sicherungsmaßnahmen vollständig selbst zu finanzieren, übernimmt das Land Sachsen-Anhalt Aufgaben im Rahmen der Gefahrenabwehr. Die Überwachung des Stilllegungsbetriebs erfolgt durch das zuständige Landesverwaltungsamt. Produktion endet Anfang Oktober Die Geschäftsführung hatte Anfang September mitgeteilt, dass die Suche nach einem Investor ohne Ergebnis geblieben sei, und daraufhin die Stilllegung vorbereitet. Die Produktionsanlagen wurden seit September schrittweise heruntergefahren. Die letzten Produktmengen sollen in den ersten Oktobertagen 2026 die Anlage verlassen. Anschließend beginnen die Beschäftigten mit der Sicherung, Entleerung und Reinigung der Produktionsanlagen. Der Abfahr- und Stilllegungsbetrieb soll geordnet erfolgen und unter behördlicher Aufsicht abgeschlossen werden. Rund 440 Beschäftigte von Kündigungen betroffen Die rund 440 Beschäftigten sollen im Oktober ihre Kündigungen erhalten. Diese werden nach Angaben des Insolvenzverwalters in der Regel zum Ende Januar 2027 wirksam. Bis dahin sollen die Mitarbeiter weiterhin für die Stilllegungs-, Sicherungs- und Reinigungsarbeiten eingesetzt und aus der Insolvenzmasse bezahlt werden. Parallel dazu sollen gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit sowie Unternehmen am Chemiestandort Leuna und in der Region Möglichkeiten für eine weitere Beschäftigung geprüft werden. Hintergrund ist der weiterhin bestehende Bedarf an qualifizierten Fachkräften in Teilen der chemischen Industrie. Übernahme des "Domo"-Geschäftsbetriebs im April Die Leuna-Polyamid GmbH hatte im April 2026 den Geschäftsbetrieb der insolventen "Domo Caproleuna GmbH" übernommen. Nach Angaben des Unternehmens verschärfte sich die wirtschaftliche Lage anschließend durch deutlich gestiegene Kosten für Energie und Grundstoffe. Als Auslöser für den erneuten Kostenschub nennt das Unternehmen die Folgen des Iran-Krieges seit Februar. Bereits im April stellte die Geschäftsführung einen Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Produkte und Bedeutung für die Kunststoffindustrie Am Standort werden organische Basisprodukte wie Caprolactam, Phenol und Aceton sowie Polyamid 6 als Hauptprodukt hergestellt. Polyamid 6, auch als Nylon 6 bezeichnet, zählt zu den technischen Kunststoffen und wird unter anderem wegen seiner Festigkeit, Zähigkeit und Verarbeitbarkeit eingesetzt. Typische Anwendungen finden sich in der Automobilindustrie, der Elektro- und Elektronikbranche sowie bei technischen Konsumgütern. Dort wird Polyamid 6 für leichte, belastbare und langlebige Bauteile verwendet. Mit der eingeleiteten Stilllegung endet die Produktion am Standort Leuna. Für die Kunststoffbranche ist die Entwicklung insbesondere wegen der Bedeutung des Standorts für die Polyamid-Wertschöpfung, die Verfügbarkeit von Vorprodukten und technischen Kunststoffen sowie die Auswirkungen auf regionale Lieferketten und Beschäftigung relevant. Weitere Informationen: www.floether-wissing.de |
Leuna-Polyamid GmbH, Leuna/Halle (Saale)
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