| 06.11.2014, 12:43 Uhr | Lesedauer: ca. 4 Minuten |
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Das Schloss Puchberg bei Wels mutierte an 29. und 30. Oktober 2014 zum Mekka der Kunststoff-Branche in Österreich. Rund 200 Teilnehmer trafen sich beim 3. Internationalen Polymerkongress des Kunststoff-Clusters, um sich über Trends und Innovationen der Branche zu informieren und Erfahrungen im Branchen-Netzwerk auszutauschen. Nach einer Firmenbesichtigung am Nachmittag des ersten Tages, zur Auswahl standen die Erema Engineering Recycling Maschinen und Anlagen Ges. m. b. H. in Ansfelden, die Starlim Spritzguss GmbH in Marchtrenk und die Trodat Produktions GmbH in Wels, löste Dr. Maximilian Rapp von der Hyve AG mit seinem Vortrag Innovationsstrategien für produzierende Unternehmen in der Kunststoff-Branche, eine rege Diskussion aus. Seine Praxis-Beispiele über "Community-based Innovation", bei denen die Kreativität und kollektive Intelligenz von Online Communities mittels Crowdsourcing Ansätzen, für die erfolgreiche Entwicklung und das Management von Innovationen genützt wird, stießen bei einzelnen Teilnehmern zwar auf Skepsis hinsichtlich rechtlicher Aspekte, beeindruckten aber andererseits auch mit großartigen Erfolgen. Solarenergie und Kunststoff Parallel zu den Firmenbesichtigungen wurde in Schloss Puchberg der Eine-Welt-Solar-Kollektor erstmals in Österreich präsentiert. Der Ökoenergie- und der Kunststoff-Cluster nahmen den 3. Internationalen Polymerkongress zum Anlass, um einem fachkundigen Publikum den ersten, zu 100 Prozent aus Kunststoff gefertigten, Solarkollektor von Sunlumo vorzustellen. Mit einer vollautomatischen Produktionsanlage können im Jahr rund 500.000 Kollektoren produziert werden. Dadurch sei der Kollektor für den Volumenmarkt besonders kostengünstig herzustellen, erklärte Robert Buchinger, Geschäftsführer von Sunlumo, den zahlreichen Interessenten. Plenum 1: Technologie und Zukunft Der Einsatz von Kunststoffen für die Medizintechnik stand am zweiten Kongresstag im Zentrum des Vortrags von Dr. Markus Schönberger von der TU München. Der Hype sei zwar vorbei, die erwarteten Wachstumsraten der Medizintechnik-Unternehmen von 5 % pro Jahr seien aber trotzdem noch relativ hoch, so Schönberger. Themen seiner Ausführung waren beispielsweise auch die aseptische Fertigung, der riesige Markt der Diagnostiksysteme und der 3D-Druck für individuelle Medizinprodukte, der den Dentalbereich seiner Meinung nach in den nächsten fünf Jahren radikal ändern werde. Polyolefins - Commodity or Innovative Technical Materials? - diese Frage stellte Dr. Markus Schopf von der Borealis Polyolefine GmbH seinem Vortrag voraus. Wie mit Polyolefinen, die an und für sich als Standardkunststoffe gelten, dennoch Margen erzielt werden und mit welchen Eigenschaften sie in der heutigen Zeit punkten können, zeigte er in seinem Vortrag auf. Sessions: "Funktionsintegration" und "Werkstoffe und Fertigung" In den anschießenden Parallelsessions referierten Dr. Barbara Stadlober vom Joanneum Research, Günter Grabher von der Grabher Group, Martin Neff von Arburg, Christian Wögerer von der Profactor GmbH, Dr. Markus Dickerhof vom Karlsruher Institut für Technologie, Prof. Dr. Michael Ghede von der TU Chemnitz, Prof. Dr. Volker Altstädt von der Universität Bayreuth, Dr. Georg Bauer von Sony DACD und Prof. Dr. Christian Paulik von der Johannes Kepler Universität Linz. Die Teilnehmer nutzen sowohl die Vorträge als auch die anschließenden Pausen, um den Experten ihre persönlichen Fragen zu stellen und Erfahrungen auszutauschen. Plenum 2: Markt und Best Practice Wie Betriebe Kunststoffe im Kreislauf halten, führte Michael Heinzlreiter von der NGR GmbH aus. Er versuchte, mit seinem Vortrag mehr Bewusstsein in Betrieben zum Thema Ressourceneffizienz zu schaffen, sieht er die vorgeschlagenen Recycling-Zielvorgaben der EU künftig doch als große Herausforderung für die Kunststoffverarbeiter. Über Nachhaltigkeit bei Verpackungslösungen sprach Mattias Giebel von Berndt+Partner am zweiten Nachmittag. Er brachte zahlreiche Beispiele von Unternehmen aus der Markenartikel-Industrie, die das Thema "Nachhaltigkeit" für ihre Verpackung erkannt haben. Verpackung sei Risiko und Chance zugleich. Gerade die Sichtbarkeit der Verpackung mache aber dieses Medium ist für die Darstellung der Umweltfreundlichkeit eines Produktes besonders geeignet, so Giebel. Denkwerkzeuge nach der Natur Ein Highlight des Kongresses war zweifelsohne der Abschlussvortrag von Prof. Dr. Claus Mattheck vom Karlsruher Institut für Technologie. Der mit zahlreichen Wissenschaftspreisen ausgezeichnete studierte Physiker mit seiner mittlerweile zum Markenzeichen mutierten John-Lennon Brille beeindruckte nicht nur mit einer kurzweiligen Vortragsweise. Seine - auch für Laien verständlichen -"Denkwerkzeuge nach der Natur" zeigen, wie mit einfachen Mitteln leichter und ressourcensparender konstruiert und weniger Unfälle durch formbedingte Fehlstellen verursacht werden können. Beispielsweise bewirken nicht formoptimierte Kerben an mechanischen Bauteilen Spannungsspitzen, und dies führe zur Rissbildung. Der Spannungsabbau bei Bauteiloptimierungen mit der einfachen Methode der Zugdreiecke ließe sich auch durch die Finite Elemente Methode (FEM) nachweisen, so Mattheck. Ingenieure mehrerer Autobauer setzen deshalb auch auf seine Erkenntnisse, die der anerkannte Baumdiagnostiker auch aus seinen intensiven Baumforschungen bezogen hat. Fachausstellung Die begleitende Fachausstellung nutzen über 20 Unternehmen, um ihre Produkte und Dienstleistungen dem Fachpublikum zu präsentieren. Fortsetzung in drei Jahren Für den neuen Manager des Kunststoff-Clusters, Elmar Paireder, war der 3. Internationale Polymerkongress ein voller Erfolg: "Der Kongress ist ein wichtiger Treffpunkt für die Partnerunternehmen des Kunststoff-Clusters und Interessierte aus Wirtschaft und Wissenschaft. Die hochwertigen Vorträge nationaler und internationaler Referenten zeigten nicht nur Trends auf, sie unterstrichen auch eindrucksvoll die Innovationskraft der Kunststoffbranche. Der Kongress wird sicher in drei Jahren wieder seine Fortsetzung finden." Weitere Informationen: www.kunststoff-cluster.at |
Kunststoff-Cluster, Clusterland Oberösterreich GmbH, Linz, Österreich
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