| 22.05.2020, 11:33 Uhr | Lesedauer: ca. 4 Minuten |
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"Das deutsche Bruttoinlandsprodukt bricht dieses Jahr um 7,1 Prozent ein und legt im kommenden Jahr um 7,2 Prozent zu. Die Weltproduktion sinkt um 4,0 Prozent und nimmt dann um 6,5 Prozent zu." Dies geht aus der kürzlich veröffentlichten außerplanmäßigen Konjunkturprognose des IfW Kiel auf Basis jüngster Indikatoren hervor, die erstmals ein verlässlicheres Bild über die ökonomischen Folgen der Covid19-Pandemie zulassen sollen. Demnach sei der Tiefpunkt der Krise überwunden, aber der Aufholprozess werde sich noch bis weit in das kommende Jahr ziehen. Insgesamt dürfte der Studie zufolge das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 11,3 Prozent sinken. "Das markiert den größten Quartalsrückgang seit Bestehen der Bundesrepublik", sagte IfW-Konjunkturchef Stefan Kooths. Ab dem dritten Quartal werden dann wieder Zuwächse zu erwartet. Auf Jahressicht rechnet das IfW Kiel mit einem Einbruch des deutschen BIP um 7,1 Prozent. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen steige in der Spitze auf 3 Millionen Personen, im Jahresdurchschnitt steige die Arbeitslosenquote damit auf 6,1 Prozent. In der Spitze ist die deutsche Wirtschaftsleistung laut IfW Kiel in Reaktion auf den Corona-Schock um über 15 Prozent geschrumpft und verharrte über den gesamten April hinweg auf diesem Niveau. Indikatoren wie der Stromverbrauch oder die Passantendichte in Innenstädten deuten darauf hin, dass der Tiefpunkt des Einbruchs durchschritten sei und die ökonomische Aktivität im Zuge der Lockerungen seit Anfang Mai wieder anziehe. Der Aufholprozess aus der Krise vollziehe sich allerdings deutlich langsamer als der Einbruch. Das Vorkrisenniveau dürfte daher erst in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres wieder erreicht werden und das BIP auf Jahressicht um 7,2 Prozent zulegen, so die Prognose. "Damit sind die Folgen der Krise aber längst noch nicht wettgemacht, da die wirtschaftliche Aktivität dann immer noch merklich unter dem Niveau liegen wird, das sich ohne den Effekt der Corona-Pandemie ergeben hätte. Insgesamt dürfte die Krise Deutschland dann rund 300 Milliarden Euro an Wertschöpfung gekostet haben", erläutert Kooths. Staatliche Hilfen dort ansetzen, wo Ausfälle am größten Der massive Rückgang der Wirtschaftsleistung ist neben den Einbrüchen bei Exporten und Unternehmensinvestitionen auch Folge des drastisch eingeschränkten privaten Verbrauchs. "Die privaten Konsumausgaben erweisen sich in Krisen typischerweise als stabilisierender Faktor. Das ist in der Corona-Krise anders, in der sie ein Krisentreiber darstellen. Ein Großteil der zurückgestauten Kaufkraft wird sich jedoch im Zuge der Lockerungen nach und nach in Konsumnachfrage entladen, wenn die privaten Akteure auch wieder Klarheit über ihre beruflichen Perspektiven haben, und so zur Erholung beitragen", erklärt Kooths. Mit am besten durch die Krise komme der Bausektor, da es dort keine spürbaren Produktionsbehinderungen gegeben habe. Angesichts der hohen Kapazitätsauslastung dürfte sich eine geringere Nachfrage nach neuem Wohnraum, etwa aufgrund von Einkommensausfällen oder erhöhter Unsicherheit, auch in einem schwächeren Auftrieb der Baupreise bemerkbar machen. Kooths: "Wirtschaftspolitisch kommt es jetzt darauf an, Unternehmen mit grundsätzlich marktfähigen Geschäftsmodellen über die nächsten drei bis sechs Quartale zu bringen. Staatliche Hilfen müssen daher systematisch dort ansetzen, wo die Corona-bedingten Ausfälle am größten sind. Es wäre falsch, stabilisierungspolitische Eingriffe mit industriepolitischen Zielen zu überfrachten. So wäre den Gastronomen wenig geholfen, wenn jetzt staatliche Infrastrukturinvestitionen hochgefahren oder Digitalisierungsprogramme subventioniert würden. Damit würden vor allem solche Branchen befeuert, die die Krise am wenigsten spüren." Auch globale Wirtschaft hat Tiefpunkt durchschritten Auch die globale Wirtschaft dürfte laut IfW Kiel im April ihren Tiefpunkt durchschritten haben. Die Weltproduktion gehe im Jahr 2020 um 4,0 Prozent zurück und lege im kommenden Jahr um 6,5 Prozent zu. Der Konjunktureinbruch wirke sich auf dem globalen Arbeitsmarkt in einem drastischen Rückgang der Beschäftigung aus. Schätzungsweise werde sich die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden im Jahr 2020 weltweit um 6,7 Prozent verringern, was umgerechnet 230 Millionen Vollzeitstellen entspricht. In Ländern ohne Kurzarbeitsprogramme wie den USA kommt es in großem Umfang zu Entlassungen. Die Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten dürfte in der Spitze auf über 20 Prozent steigen. Der Konjunkturprognose liegt die Annahme zugrunde, dass die Beschränkungen für die wirtschaftliche Aktivität in den kommenden Monaten zunehmend gelockert werden können und im Jahr 2021 eine weitgehende Normalisierung der Situation erfolgt ist. Über IfW Kiel Das IfW Kiel versteht sich als das Forschungsinstitut für Globalisierungsfragen in Deutschland. Die dortigen Forscherinnen und Forscher untersuchen die Triebkräfte und Folgen internationaler wirtschaftlicher Aktivität, der Integration und Desintegration globaler Märkte sowie Möglichkeiten und Grenzen politischen Handelns in offenen Volkswirtschaften. Das Institut analysiert die Weltwirtschaft nicht als Summe nationaler Volkswirtschaften, sondern als globalen Wirtschaftsraum. Weitere Informationen: www.ifw-kiel.de |
Institut für Weltwirtschaft (IfW Kiel), Kiel
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