| 15.06.2026, 11:47 Uhr | Lesedauer: ca. 3 Minuten |
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Die Kunststoffrecyclingbranche in Deutschland und Europa sieht Rezyklate zunehmend als strategischen Rohstoff für die industrielle Versorgungssicherheit. Auf dem 28. Internationalen Altkunststofftag des bvse in Bad Neuenahr standen die wirtschaftliche Lage der Branche, politische Rahmenbedingungen sowie die Weiterentwicklung der Kreislaufwirtschaft im Mittelpunkt. Nach Angaben des bvse hat sich die Situation der Kunststoffrecycler gegenüber dem Vorjahr zwar verbessert, bleibt jedoch angespannt. Herbert Snell, Vizepräsident des Verbandes, verwies auf die Erfahrungen aus der Corona-Pandemie sowie auf aktuelle geopolitische Konflikte und gestörte Handelswege. Diese hätten die Abhängigkeit Europas von internationalen Rohstoffströmen deutlich gemacht. Vor diesem Hintergrund bezeichnete der Verband Rezyklate als strategisch wichtigen Rohstoff für die europäische Industrie. Gleichzeitig verwies der bvse auf den anhaltenden wirtschaftlichen Druck in der Branche. Seit 2023 seien europaweit mehr als eine Million Tonnen Recyclingkapazität vom Markt verschwunden. Als Ursachen nennt der Verband sinkende Preise für Neuware, eine schwache Nachfrage nach Rezyklaten sowie schwierige Investitionsbedingungen. Nach Einschätzung der Branche zeigen die Entwicklungen, dass Recycling ohne unterstützende politische Rahmenbedingungen häufig nicht mit Primärkunststoffen konkurrieren kann. Kritik äußerte der Vorsitzende des bvse-Fachverbandes Kunststoffrecycling, Dirk Textor, an den bestehenden Rahmenbedingungen des Verpackungsrecyclings in Deutschland. Das derzeitige System orientiere sich aus seiner Sicht zu stark an Erfassungs- und Recyclingquoten. Dadurch würden Qualität und Wirtschaftlichkeit des Recyclings vernachlässigt. Der Verband fordert deshalb, die Bewertung stärker am tatsächlichen Output der Recyclingprozesse auszurichten. Ein weiterer Schwerpunkt der Veranstaltung war die Recyclingfähigkeit von Verpackungen. Der bvse sieht die Verantwortung bereits in der Produktentwicklung. Nach Ansicht des Verbandes werden weiterhin Verpackungen mit komplexen Materialverbunden eingesetzt, obwohl recyclingfreundlichere Alternativen verfügbar sind. Zudem kritisiert die Branche, dass die Einführung einer Ökomodulierung mit finanziellen Anreizen für recyclinggerechtes Design und den Einsatz von Rezyklaten in Deutschland bislang nur langsam vorankommt. Diskutiert wurde auch die Rolle unterschiedlicher Recyclingverfahren. Der bvse sprach sich gegen eine Gegenüberstellung von mechanischem und chemischem Recycling aus. Mechanisches Recycling bleibe dort die bevorzugte Lösung, wo hochwertige Stoffkreisläufe technisch möglich seien. Chemisches Recycling könne jedoch zusätzliche Verwertungswege für Kunststoffabfälle eröffnen, die ansonsten energetisch verwertet oder deponiert würden. Trotz der aktuellen Herausforderungen bewertet die Branche die europäische Kreislaufwirtschaftspolitik grundsätzlich positiv. Instrumente wie Rezyklateinsatzquoten und die erweiterte Herstellerverantwortung seien in Europa weiter entwickelt als in vielen anderen Weltregionen. Der bvse warnt jedoch davor, diesen Vorsprung durch hohe Energiekosten, zunehmende Bürokratie und mangelnde Investitionssicherheit zu gefährden. Der Verband fordert daher verlässliche politische Rahmenbedingungen, faire Wettbewerbsbedingungen und eine stärkere industriepolitische Einordnung des Kunststoffrecyclings. Nach Einschätzung der Branchenvertreter wird der weitere Ausbau der Kreislaufwirtschaft weniger von technologischen Möglichkeiten als von den wirtschaftlichen und regulatorischen Voraussetzungen abhängen. Weitere Informationen: altkunststofftag.bvse.de, www.bvse.de |
Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V., Bonn
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