| 11.11.2008 | Lesedauer: ca. 2 Minuten |
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Die Arbeitsgemeinschaft Verpackung und Umwelt e.V. (AGVU, www.agvu.de) sieht Klärungs- und Beratungsbedarf von Handel und Industrie zur Berechnung eines sogenannten Kohlenstoff-Fußabdrucks („Carbon Footprint“). Das Konzept wird derzeit vor allem in Großbritannien getestet, steht aber auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern zur Debatte. Ziel des Kohlenstoff-Fußabdrucks ist, sämtliche bei der Herstellung und dem Vertrieb eines Produktes entstehenden Treibhausgase zu berechnen und in einer Zahl zusammenzufassen. Bei einer AGVU-Tagung in Berlin erläuterte vor wenigen Tagen Hervé Humbert, europäischer Repräsentant der von der britischen Regierung gegründeten Organisation Carbon Trust, London, das Konzept des Kohlenstoff-Fußabdrucks. Grundlage ist eine standardisierte Methode, die Freisetzung von klimaschädlichen Gasen über den gesamten Lebensweg eines Produktes – vom Rohmaterial über die Herstellung bis zum Vertrieb, Verbrauch und der Entsorgung beziehungsweise Wiederverwertung – zu ermitteln („PAS 2050“). Das Ergebnis kann von den teilnehmenden Unternehmen in Form eines Labels auf der Verpackung oder in anderer Form kommuniziert werden. Andreas Detzel vom Institut für Energie- und Umweltforschung (IFEU), Heidelberg, machte bei der AGVU-Veranstaltung deutlich, dass das Carbon Footprint -Konzept eine Simplifizierung gegenüber den eingeführten Ökobilanzen darstellt, die eine Reihe von weiteren wichtigen Umweltaspekten bewusst ausblendet. Es gebe in Europa eine wachsende Zahl von unterschiedlichen „Carbon Footprint“-Initiativen, deren größtes Problem sei, dass Methoden entwickelt würden, ohne dass der Zweck des ‚Carbon Footprint’ präzise geklärt ist. Dazu erklärt der Vorsitzende der AGVU, Professor Dr. Werner Delfmann: „Albert Einsein sagte, dass alles so einfach wie möglich sein sollte, aber nicht noch einfacher. Genau an dieser Stelle setzen unsere Fragen zum ‚Carbon Footprint’ an. Auch wenn es prinzipiell ein guter, zeitgeistgerechter Gedanke ist, der Öffentlichkeit die Klimarelevanz des Konsums plakativ vor Augen zu führen, so muss sich die wissenschaftliche Tragfähigkeit und die Verantwortbarkeit des Konzepts noch erweisen, bevor eine Umsetzung im Markt empfohlen werden kann. Vor allem sollte es nicht zu unharmonisierten, widersprüchlichen Kennzeichnungen von Verpackungen im europäischen Binnenmarkt kommen, die den Warenverkehr beeinträchtigen und den Verbraucher eher verwirren als informieren.“ Die AGVU hat daher einen Arbeitskreis unter Leitung von Dr. Klaus Stadler, Coca-Cola GmbH, zum Thema Kohlenstoff-Fußabdruck eingerichtet, der die Grundlagen des Konzepts evaluieren und eine gemeinsame Position führender Industrie-, Handels- und Recyclingunternehmen erarbeiten soll. Zugleich appelliert die AGVU an das Bundesumweltministerium und das Umweltbundesamt, das dort betriebene „Carbon Footprint“-Projekt klarer zu strukturieren und in transparenter Weise für Unternehmen und Wissenschaft zu öffnen, um Praxiserfahrungen und externen Sachverstand frühzeitig einzubinden und die Akzeptanz des Ergebnisses sicherzustellen. |
Arbeitsgemeinschaft Verpackung und Umwelt e.V., Berlin
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