| 03.06.2026, 09:30 Uhr | Lesedauer: ca. 2 Minuten |
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Die Kunststoffrecycling-Branche in Deutschland steht nach Einschätzung des Wuppertal Instituts unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. In einem Positionspapier ("Optionen für einen funktionsfähigen Markt für Kunststoffrecyclate", 34 Seiten, Mai 2026) im Auftrag der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) warnt das Institut vor sinkenden Recyclingkapazitäten, ausbleibenden Investitionen und dem Verlust von technischem Know-how. Vorgestellt wurde das Papier auf der Umwelttechnologie-Messe IFAT in München. Hauptproblem ist demnach die schwache Nachfrage nach Rezyklaten, also recycelten Kunststoffen. Obwohl höhere Ölpreise Neuware verteuern könnten, bleibt der Markt für Sekundärrohstoffe angespannt. Zugleich verschärfen kommende EU-Vorgaben den Handlungsdruck. Die Verpackungsverordnung PPWR, die ab August 2026 angewendet wird, sieht ab 2030 verbindliche Mindestanteile für Rezyklate vor, etwa 30 Prozent bei bestimmten PET-Verpackungen und Einweggetränkeflaschen. Ab 2040 steigen die Quoten je nach Anwendung weiter an. Nach Einschätzung von Prof. Dr. Henning Wilts, Autor des Positionspapiers und Leiter der Abteilung Kreislaufwirtschaft am Wuppertal Institut, droht ohne stabile Nachfrage eine Rezyklatlücke. Unternehmen könnten dann zur Erfüllung der EU-Vorgaben verstärkt auf Importe angewiesen sein. Als Ursachen nennt das Institut unter anderem Vorbehalte gegenüber recycelten Kunststoffen, spezielle Materialanforderungen und die große Vielfalt an Kunststofftypen, Farben und Additiven, die Sortierung und Wiederverwertung erschwert. Das Positionspapier schlägt sechs Maßnahmen vor. Dazu zählen die Förderung zirkulärer Geschäftsmodelle, eine Reduzierung der Materialvielfalt, der gezielte Einsatz öffentlicher Beschaffung zur Nachfrageförderung sowie eine global koordinierte Plastikabgabe, die Umweltkosten fossiler Rohstoffe stärker berücksichtigt. Zudem sollen Recyclingtechnologien schneller in den industriellen Maßstab gebracht werden. Die DBU betont die Bedeutung einer umfassenden Kreislaufwirtschaft für Klima- und Ressourcenschutz sowie für die industrielle Wertschöpfung. Kunststoffproduktion und -nutzung seien bislang weitgehend linear organisiert. Erforderlich sei ein stärkerer Fokus auf abfallarmes Produktdesign, Wiederverwendung, Reparatur und Recycling. Weltweit werden nach Angaben von Plastics Europe jährlich rund 431 Millionen Tonnen Kunststoff produziert, davon etwa 55 Millionen Tonnen in Europa und 13 Millionen Tonnen in Deutschland. Das Wuppertal Institut beziffert die Kunststoffabfälle auf rund 16 Millionen Tonnen in Europa und sechs Millionen Tonnen in Deutschland. In Deutschland werde knapp die Hälfte recycelt, in Europa deutlich weniger. Technisch seien höhere Recyclinganteile möglich; ohne verlässliche Nachfrage blieben viele Innovationen jedoch auf Labor- oder Pilotniveau. Dateianhang zur Meldung: Weitere Informationen: www.dbu.de, wupperinst.org |
Deutsche Bundesstiftung Umwelt, Osnabrück + Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH, Wuppertal
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