| 02.09.2002 | Lesedauer: ca. 3 Minuten |
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Diese Frage stellte sich die diesjährige Frühjahrstagung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (www.baua.de), die am 4. und 5. Juni 2002 in der Energiehalle der Deutschen Arbeitsschutzausstellung in Dortmund stattfand. Rund einhundert Arbeitsschutzexperten aus Wissenschaft, Industrie, Verbänden, Gewerkschaften und Aufsichtsbehörden diskutierten an beiden Tagen über Sicherheit und Gesundheit, Technologien sowie Rechtsgrundlagen dieser Branche mit Zukunft.
In seiner Begrüßungsrede verwies Hans-Jürgen Bieneck, Präsident der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, auf den diesjährigen Weltumwelttag, der unter dem Motto "Nachhaltige Entwicklung - unsere Chance für die Zukunft" am 5. Juni gefeiert wurde. Einer der Grundpfeiler der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie sei die Kreislaufwirtschaft. Der Blick auf die Ökobilanz dürfe nicht die Arbeitsbedingungen der rund 200.000 Beschäftigten in der Entsorgungswirtschaft ausklammern, so Bieneck. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin verknüpfe darum mit der Arbeitsschutztagung "Recycling - Alles im Griff?" das ökologische Thema Wiederverwertung von Materialien mit dem Arbeitsschutz für die arbeitenden Menschen in der Recyclingwirtschaft. In der einleitenden Podiumsdiskussion beleuchteten Vertreter der Spitzenverbände der Recyclingwirtschaft, der Gewerkschaften, der Aufsichtsbehörden und der Bundesanstalt das Motto der Tagung. Fazit: Zwar hat sich in punkto Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit einiges gebessert, aber alles haben die Akteure des betrieblichen Arbeitsschutzes noch nicht im Griff. In dieser "jungen" Branche müsse sich erst eine Arbeitsschutzkultur entwickeln. Insbesondere beim Umgang mit Gefahrstoffen bestehe noch viel Informations- und Schulungsbedarf. Hier seien die Unternehmen auf Unterstützung durch die Bundesanstalt, die Aufsichtsbehörden und die Berufsgenossenschaften angewiesen. Mit Blick auf die Hersteller mahnte das Podium verbesserte Produktinformationen hinsichtlich einer späteren Wiederverwertung an. Insgesamt 18 Referate stellten neueste Entwicklungen und Forschungsergebnisse aus den Recyclingbereichen Kunststoff, Elektronikschrott, Altautos, Textilien und Kompostierung vor. Dazu gehörten auch neue Ergebnisse aus Forschungsprojekten der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Messungen in Betrieben für Elektronikschrott-, Kfz- und Kunststoffrecycling zeigten, dass die Beschäftigten erfreulicherweise im Allgemeinen weit weniger durch Gefahrstoffe belastet sind, als bislang angenommen. So liegt die Belastung durch Dämpfe aus Ottokraftstoffen beim Auto-Recycling deutlich unter dem Luftgrenzwert von 250 Milligramm pro Kubikmeter. Dies gelang vor allem durch die Einführung moderner Technik. Bei der Trockenlegung alter Autos wird der Kraftstoff abgepumpt und läuft nicht mehr in offene Behälter. Neue Technologie in den Sortieranlagen entschärft auch die Gefahrstoffproblematik beim Kunststoffrecycling. Ebenso werden beim Recycling von Elektronikschrott die Grenzwerte in neun von zehn Fällen eingehalten. Als Schwachstelle kristallisierte sich hier das Schreddern von elektronischen Geräten und die Zerlegung von Bildröhren heraus. Die dabei entstehenden Stäube belasten die Gesundheit der Beschäftigten stark. Die Erkenntnisse aus den Studien flossen in Empfehlungen des Länderausschusses für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik zum Umgang mit Gefahrstoffen beim Kfz- und Elektronikschrottrecycling ein. Beide Handlungshilfen wurden auf der Tagung vorgestellt und sind über die Bundesanstalt zu beziehen. Eine Kreislaufwirtschaft fordert aber auch Unternehmen dazu auf, recyclingfähige Produkte zu entwickeln. So können beispielsweise Reste von Stoffen in einer Verpackung, die sich nicht vollständig entleeren läßt, die Gesundheit der Beschäftigten gefährden. Verbindungen, die sehr fest oder nur schwer erreichbar sind, erhöhen das Verletzungsrisiko bei der Demontage. Vorausschauende Konstruktion, die eine Wiederverwertung einbezieht, kann hier das Gefährdungspotenzial für die Beschäftigten der Recyclingbranche mindern. |
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Dortmund
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