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16.06.2026, 10:32 Uhr | Lesedauer: ca. 2 Minuten    

Covestro: EU-Projekt „Bio4PURConti“ soll kontinuierliche Herstellung von biobasiertem Anilin ermöglichen

Covestro hat das EU-geförderte Forschungsprojekt „Bio4PURConti“ (Bio-Based Continuous Production for Sustainable Polyurethane Industry) gestartet. Ziel der Initiative ist die Entwicklung des weltweit ersten kontinuierlichen Produktionsprozesses für biobasiertes Anilin. Das Unternehmen übernimmt die Koordination des Konsortiums aus zehn Partnern aus sieben europäischen Ländern.

Anilin ist ein zentraler Grundstoff der chemischen Industrie und wird insbesondere zur Herstellung von Methylendiphenyldiisocyanat (MDI) verwendet, einem wichtigen Ausgangsmaterial für Polyurethane. Die konventionelle, fossile Anilinproduktion verursacht nach Angaben von Covestro weltweit rund 20 Millionen Tonnen CO₂-Emissionen pro Jahr.

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Im Rahmen des Projekts wird ein biotechnologischer Herstellungsweg weiterentwickelt. Dabei wandelt ein speziell entwickelter Mikroorganismus pflanzenbasierte Zucker aus Biomasse durch Fermentation zunächst in ein Zwischenprodukt um. Anschließend erfolgt die Umwandlung zu Anilin mittels chemischer Katalyse. Das resultierende Produkt basiert vollständig auf biogenem Kohlenstoff und soll als sogenannter Drop-in-Rohstoff ohne Anpassungen bestehender Produktionsprozesse in der Polyurethan-Wertschöpfungskette eingesetzt werden können.

Im Mittelpunkt des Projekts steht die Umstellung von der bislang verwendeten Fed-Batch-Fermentation auf einen kontinuierlichen Fermentationsprozess. Während bei Fed-Batch-Verfahren Rohstoffe schrittweise zugeführt und Produkte chargenweise entnommen werden, soll die kontinuierliche Prozessführung eine höhere Produktivität und Effizienz ermöglichen. Zudem sollen erneuerbare Rohstoffe wie holzbasierte Zucker genutzt werden.

Die Entwicklung wird vom Labor- bis in den halbindustriellen Maßstab skaliert. Geplant sind Demonstrationsanlagen mit einem Reaktorvolumen von 1,5 Kubikmetern bei der Bio Base Europe Pilot Plant in Gent sowie bei Covestro in Leverkusen. Dabei werden unter anderem Zellrecycling, Echtzeit-Analytik und nachgeschaltete Aufarbeitungsschritte integriert. Zu den technischen Zielen zählen höhere Raum-Zeit-Ausbeuten sowie eine deutliche Reduzierung des produktbezogenen CO₂-Fußabdrucks.

Das Konsortium umfasst neben Covestro die Unternehmen und Forschungseinrichtungen Fibenol Imavere OÜ (Estland), Universität Stuttgart, Bio Base Europe Pilot Plant VZW (Belgien), ZEDO Dortmund, NTNU (Norwegen), Axel'One (Frankreich), VTT Technical Research Centre of Finland (Finnland), den Cluster Industrielle Biotechnologie (CLIB) sowie AEIMIS (Spanien).

Das Gesamtbudget des Projekts beträgt 8,4 Millionen Euro. Davon stammen 7 Millionen Euro aus Fördermitteln der Europäischen Union. Die Laufzeit beträgt 42 Monate. Die Förderung erfolgt durch das Circular Bio-based Europe Joint Undertaking (CBE JU) im Rahmen des Forschungs- und Innovationsprogramms Horizon Europe unter der Finanzhilfevereinbarung Nr. 101292477.

Mit einer Anilinkapazität von mehr als einer Million Tonnen pro Jahr zählt Covestro zu den weltweit größten Herstellern dieses Grundstoffs. Das Unternehmen sieht in der kontinuierlichen biobasierten Produktion einen Ansatz zur Verringerung der Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen und zur Senkung der Treibhausgasemissionen entlang der Polyurethan-Wertschöpfungskette.

Weitere Informationen: www.covestro.com

Covestro AG, Leverkusen

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