| 08.01.2002 | Lesedauer: ca. 3 Minuten |
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Die Unternehmensgruppe Freudenberg, Weinheim, und die Rethmann-Gruppe (www.rethmann.de), Selm, stellten kurz vor Weihnachten 2001 auf einer Pressekonferenz in Frankfurt ein Jointventure zur weltweiten Wiederverwertung von PET-Getränkeflaschen vor. Das Gemeinschaftsunternehmen soll im Jahr 2002 die Arbeit aufnehmen. Mit den bestehenden zwei Werken von Freudenberg in Italien sowie von Rethmann in Taiwan und den Niederlanden ist das Jointventure bereits jetzt eines der weltweit größten Unternehmen der Branche. Zu Beginn des Jahres wird mit dem Aufbau einer Produktion in Kaiserslautern begonnen. Weitere Expansionsprojekte werden in den USA und China in Angriff genommen. Das Jointventure beschäftigt einschließlich der neuen Arbeitsplätze in Kaiserslautern zunächst 200 Mitarbeiter und erwartet einen Umsatz von 65 Millionen Euro.
Weltweit werden pro Jahr rund 900.000 Tonnen Flaschen aus PET wiederverwertet. Der Markt wächst um jährlich 10 Prozent. In Deutschland ist der Einsatz von PET in der Getränkeindustrie in den vergangenen Jahren stark gestiegen, hat aber noch nicht das Niveau der südeuropäischen Länder und der USA erreicht. Mit der neuen Anlage in Kaiserslautern können 20.000 Tonnen Recyclat hergestellt werden. Rund 50 neue Arbeitsplätze werden in der ersten Ausbaustufe entstehen. Das Werk wird so angelegt, dass die Produktionskapazitäten ausgebaut werden können. Die Flaschen für Mineralwasser und Softdrinks werden gesammelt, der PET-Anteil von anderem Abfall getrennt und zu Ballen von 400 Kilogramm Gewicht gepresst. Die Entsorgungslogistik und das Know-how der Mülltrennung gehören zu den Kernkompetenzen von Rethmann. In den Fabriken des Jointventures werden die Flaschen durch Waschen, Schreddern, Flotieren, Sortieren etc. zu Flakes aufgearbeitet oder in einem weiteren Arbeitsgang zu Granulaten extrudiert. Auf diese Weise entstehen hochwertige Rohstoffe, die Freudenberg zu Vliesstoffen verarbeitet, aus denen Dachbahnen, Innensohlen für Schuhe, Autodachhimmel, Motorraumisolierungen, Filter oder Teppichbodenträger hergestellt werden. Freudenberg ist der Erfinder und weltweit größte Produzent von Vliesstoffen. Das Unternehmen verfügt heute über umfangreiches Know-how in der Verwendung von recycliertem PET für die Herstellung von Vliesstoffen. "Wir erhalten auf diese Weise nicht nur Zugang zu kostengünstigen, hochwertigen Rohstoffen, wir entlasten gleichzeitig die Umwelt", sagt Dr. Albert Pürzer, Mitglied der Unternehmensleitung von Freudenberg. Für die Herstellung von 100 Tonnen Polyester müssen etwa 170 Tonnen fossile Brennstoffe eingesetzt werden, die bei der Wiederverwertung größtenteils eingespart werden. Beide Unternehmen verfügen über rund zehn Jahre Erfahrung im Recyceln von PET-Flaschen. Die Techniken sind ausgereift. Deshalb ist der Optimismus von Dr. Hermann Niehues, dem Vorstandsvorsitzenden der Rethmann AG & Co., gerechtfertigt: "Das Jointventure hat gute Perspektiven. Rethmann kann dadurch seine Aktivitäten in dem der Entsorgung nachgelagerten Glied der Wertschöpfungskette erweitern", sagte er in Frankfurt. Freudenberg ist ein diversifiziertes Familienunternehmen mit Aktivitäten in den Bereichen Dichtungs- und Schwingungstechnik, Vliesstoffe, Haushaltsprodukte, Spezialschmierstoffe, Bausysteme, flexible Leiterplatten und IT-Dienstleistungen. Die Unternehmensgruppe beschäftigt rund 30.000 Mitarbeiter in 42 Ländern und erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von 4,2 Milliarden Euro. "Als Familienunternehmen sind wir langfristig orientiert. Kooperationen, Allianzen und Partnerschaften sind dabei ein probates Mittel, um weltweit zügig zu wachsen und komplementäre Stärken anderer mit den unseren zu verbinden. Dieses Vorgehen spart Ressourcen und Zeit. Mit Rethmann haben wir einen Partner gefunden, der nicht nur über das Know-how und den Zugang zu den Märkten der Abfallentsorgung, sondern als Familiengesellschaft auch über eine ähnlich Firmenkultur und langfristige Orientierung verfügt", sagte Dr. Peter Bettermann, der Sprecher der Freudenberg-Unternehmensleitung. Rethmann, eines der größten Entsorgungsunternehmen Europas, ist darüber hinaus aber auch in den Bereichen Schlachtabfall- und Tierkörperentsorgung und -verwertung (SARIA Bio-Industries) und Logistik (Spedition Rhenus) aktiv. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen einen Umsatz von 1,7 Milliarden Euro erzielt und rund 14.000 Mitarbeiter beschäftigt. |
Rethmann AG & Co., Selm
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