Plasticker-News

Anzeige

10.02.2020, 10:02 Uhr | Lesedauer: ca. 5 Minuten Optionen:       

GKV/TecPart: Starker Rückgang der Erstsemester für die Kunst­stoff­ver­ar­beit­ung

Eine kurzfristig angesetzte GKV/TecPart-Erhebung Anfang Dezember förderte einen Rückgang der Erstsemester für die Studienfächer Kunststofftechnik/ Kunststoffverarbeitung von 45 Prozent weniger zu Tage.

Angeschrieben wurden insgesamt 33 Universitäten und Fachhochschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die ein Studium in den Fächern Kunststofftechnik und Kunststoffverarbeitung anbieten, entweder als eigenständigen Studiengang oder als Vertiefungsrichtung, etwa innerhalb eines Maschinenbaustudiums. Angefragt wurde die Anzahl der Studierenden bzw. der Erstsemester jeweils zu Studienbeginn in den letzten drei Jahren. Der Rückgang von Studierenden, der sich aus dem Vergleich des Durchschnitts der Jahre 2017 und 2018 zu 2019 ergibt, ist durchweg negativ, startet bei minus 25 Prozent und liegt absolut bei 45 Prozent weniger Erstsemestern.

Besonders betroffen von dem dramatischen Rückgang waren die Hochschulen, die den Studiengang Kunststofftechnik bzw. -verarbeitung eigenständig anbieten. Etwas besser sieht es aus, wenn die Kunststofftechnik als Vertiefungsschwerpunkt angeboten wird.

Anzeige

Das Institut für Kunststofftechnik (IKT) berichtet von hoher Nachfrage der Studierenden, bis zu 80 Masterarbeiten werden pro Jahr eingereicht. Dennoch sei auch in Stuttgart im Vergleich zu 2016 die Studierendenzahl in 2019 um 25 Prozent zurückgegangen. Die derzeit rund 450 Studierenden, die sich die Grundlagenvorlesung Kunststofftechnik anhören, setzen sich aus einer Bandbreite verschiedener Studiengänge zusammen. Kunststofftechnik kann dort nur und erst im Masterstudiengang als Vertiefungsmodul oder Spezialisierungsfach gewählt werden. Die FAU Erlangen mit Kunststofftechnik als Vertiefungsschwerpunkt des Maschinenbaus konstatiert noch Schwankungen in den Anmeldezahlen, allerdings ohne diese schon als Negativ-Trend zu bewerten.

Im Gesamtvergleich der Hochschullandschaft seien die kunststoffbezogenen Studiengänge deutlich unterrepräsentiert. Professor Thomas Seul, Hochschule Schmalkalden, sieht entschiedenen Handlungsbedarf bei den Lehrinstituten selbst: „Im Vergleich zu ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen (…), werden Studiengänge, die speziell auf die Kunststoffbranche zugeschnitten sind, in viel zu geringer Anzahl angeboten. Dies gilt für alle Hochschultypen. Es ist ein großer Unfug, diesbezüglich regionale Wettbewerbsstrukturen der Hochschulen untereinander auszuleben. Die Branche braucht jede verfügbare Lehr- und Forschungsinstitution, um die Bedarfe zu decken. Gefragt sind hier nicht partikulare, regionale Interessen, sondern die kooperative Zusammenarbeit im Sinne der Studierendengewinnung.“

Proaktives Vorgehen der Hochschulen und die Differenzierung des Ansatzes sei gefragt: „Wenn den jungen Menschen interessante und lohnenswerte Karrieremöglichkeiten aufgezeigt werden, die nachhaltig wirken, ist schon mal ein großer Schritt in Richtung Überzeugung für die Studienwahl Kunststofftechnik/Kunststoffverarbeitung getan. Den Fokus auf die klassische Metallverarbeitung im Vergleich zur Kunststoffverarbeitung zu legen, ist nicht mehr zeitgemäß und entspricht auch nicht mehr der wirtschaftlichen Marktsituation. Wer bei Kunststofftechnik und -verarbeitung nur in chemischen Strukturen denkt, hat die Vielfältigkeit der Branche nicht verstanden. Chemie liegt nicht jedem, Technik und Ingenieurbegeisterung jedoch dagegen vielen. Das ist ein Ansatz. Und auch ein Argument der Überzeugung“, so Professor Seul.

Der Worst-Case könne, mangels Studierendenzahlen, sogar das generelle Ende der Eigenständigkeit des Studiengangs der Kunststoffverarbeitung/Kunststofftechnik bedeuten, wie seitens einer weiteren Hochschule mitgeteilt wurde. Dass eine direkte Nachfrage nach qualifizierten Nachwuchskräften für die Kunststoffverarbeitung seitens der Industrie die Lehrinstitute bereits vor massive Probleme stelle, sei bereits eine traurige Tatsache.

Auch außerhalb der Lehrinstitute werde die Suche nach Auszubildenden im Lehrberuf des Verfahrensmechanikers für Kunststoff- und Kautschuktechnik für die Unternehmen immer schwieriger. Die Zahl der neuabgeschlossenen Ausbildungsverträge ging laut GKV 2018 abermals gegenüber dem Vorjahr um 0,9 Prozent zurück. Verglichen mit den Zahlen der Studiengänge sei dies als robuste Entwicklung zu werten.

Professor Tobias Walcher, Hochschule Aalen, bringt das Gebot der Stunde für die Branche und deren Interessenvertretung auf den Punkt: „Unseres Erachtens sollte[n] der Verband [und die] kunststofftechnische Industrie über alle Facetten der Kunststofftechnik informieren und die Notwendigkeit der Kunststofftechnik für alle Bereiche des Lebens darstellen.“

Michael Weigelt, Verbandsgeschäftsführer des GKV/TecPart, bestätigt diese Notwendigkeit, „die aber auch einen höheren Organisationsgrad der Branche erfordert. Derzeit finanzieren die Arbeit für das Kunststoffimage über die GKV-Trägerverbände nur ein Drittel der in Deutschland registrierten Unternehmen. GKV/TecPart, die Industrievereinigung Kunststoffverpackungen und auch PlasticsEurope haben auf ihren Mitgliederversammlungen dazu ein Sonderbudget beschlossen, um eine Kampagne zu finanzieren, die deutlich macht, welche wichtige Rolle klimafreundliche Kunststoffprodukte für die CO2-Reduzierung haben. Um dies umsetzen zu können, braucht es dringend Fachkräfte, die auch zukünftig noch die wichtigen Innovationen und damit die notwendigen Produkte entwickeln und umsetzen können.“ Diese Kampagne könnten alle Unternehmen in der Wertschöpfung mit einer Mitgliedschaft in einem der Trägerverbände des GKV fördern.

Weigelt betont, dass es wichtig ist, dass hier etwas passiert, denn „sonst verfestigen sich Aussagen von Umweltverbänden, die eine radikale Reduzierung von Kunststoffprodukten fordern, ohne sich jedoch Gedanken über die CO2-Emmisionen der Alternativprodukte gemacht zu haben.“

Zudem müsse wieder stärker ins Bewusstsein rücken, dass Digitalisierung, Leichtbau, Gebäudeisolierung, Landwirtschaft, Operationen, Beleuchtung, Automobilbau und eben auch Verpackungen ohne Kunststoffe nicht oder nur mit erheblich mehr CO2-Emisionen zu haben seien. Weigelt schließt mit der provokanten These, „dass das Klima sich wegen höherer CO2-Emissionen ändert, nicht wegen mehr Kunststoffmüll! Und Kunststoffmüll ist ein Wertstoff – was wir in Deutschland täglich durch eine Verwertungsquote von 99 Prozent und steigende Rezyklatanteile in den Produkten nachweisen. Weitere Innovationen werden folgen, wenn wir die Jugend wieder mit Argumenten und Emotionen erreichen und sie für eine Ausbildung mit dem Werkstoff des 21. Jahrhunderts begeistern können!“

Weitere Informationen: www.tecpart.de

GKV/TecPart – Verband Technische Kunststoff-Produkte e.V., Frankfurt am Main

Ihre News im plasticker? Bitte senden Sie Ihre Pressemitteilungen an redaktion@plasticker.de!


  zurück zum Seitenanfang


Premium-Partner
Top News / Meist gelesen
Apps für die Kunststoffbranche
plasticker Newsletter
Wir informieren Sie schnell, umfassend und kostenlos über das, was in der Branche passiert.

Jetzt anmelden!

Machen Sie Ihre Reste zu Geld!
Sie haben Neuware-Restmengen, Mahlgüter oder Produktionsabfälle?

Dann veräußern Sie diese kostenlos
in der Rohstoffbörse.

Für Ihre ausrangierten Maschinen und Anlagen finden Sie Abnehmer in der Maschinenbörse.
Aktuelle Rohstoffpreise
Preise von Angeboten
in der Rohstoffbörse
PE-LD Mahlgut [€/kg]
Neue Fachbücher
Polymer-Aufbereitung und Kunststoff-Compoundierung

Die Herstellung von Kunststoffprodukten umfasst drei wesentliche Verfahrensschritte. Es sind dies die Synthese des Polymers, die Aufbereitung und Compoundierung sowie die Verarbeitung. [mehr]

Deutsches Kunststoff Museum
Das Exponat des Tages

Handelsvertreter-Börse
Benötigen Sie für Ihre Produkte und Dienstleistungen Vertriebspartner im In- und Ausland?
Oder können Sie selbst eine Vertretung anbieten?
Hier finden Sie das optimale Umfeld!

6 Anfragen von Unternehmen
1 Anfragen von Handelsvertretern

Eigene Anfragen kostenfrei inserieren