| 01.08.2011, 06:06 Uhr | Lesedauer: ca. 2 Minuten |
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Kunststoff - Ein Stoff für alle Fälle? Wir benutzen ihn täglich und in allen Lebenslagen, beruflich und privat, beim Sport und im Verkehr. Er kann durchsichtig sein oder in allen Farben schillernd, spröde oder biegsam, flockig oder elastisch. Trotz seiner Allgegenwärtigkeit wissen wir vielfach recht wenig über seine Eigenschaften. Wenn uns jemand fragt, aus welchem Material der neue Sessel, das Radio, die Küchenmaschine etc. denn sei, sagen wir: aus Plastik. Seit Ende des 19. Jahrhunderts entstehen zunehmend neue Materialien, ohne die unser industrieller Fortschritt nicht möglich gewesen wäre – die Kunststoffe. Ob Zelluloid, Bakelit oder Resopal, Plexiglas oder Nylon – schon früh haben die nahezu unerschöpflichen, sich bis heute ständig erweiternden Möglichkeiten der vielfältigen Materialien die Gestalter unserer Alltagskultur herausgefordert und ihnen ungeahnte Freiräume eröffnet. Seit ca. 1930 experimentierten professionelle Designer mit Kunststoffen und setzten sie nicht nur für leichtes Haushaltsgeschirr ein, sondern vor allem bei der Gestaltung der neuen Erfindungen - für Leuchten und Kameras, für Telefone, Lautsprecher, Radios und Plattenspieler. Im Bereich von Technik und Kommunikation ist unser Leben ohne Kunststoffe undenkbar geworden, aber auch unsere Wohn- und Arbeitswelt wird durch sie geprägt. Der Fantasie sind wegen der besonderen Formbarkeit des Materials keine Grenzen gesetzt: So konnte ein Radio in den 1930er Jahren wie ein Wolkenkratzer oder eine Kühlerhaube aussehen, in den 1960er Jahren wie ein Sputnik oder eine Raumkapsel. Die Pop-Ära scheint ohne die in kräftigen Farben leuchtenden Plastikmöbel undenkbar, die zum Inbegriff einer neuen Jugendkultur wurden. Hier zeigt sich mit aller Deutlichkeit, wie sehr unsere Alltagskultur immer ein Spiegel der jeweiligen Gegenwart mit ihren Ereignissen, unseren Wünschen und Träumen ist. Etwa ab Mitte des 20. Jahrhunderts wurden Kunststoffe für nahezu jeden Gebrauchsgegenstand eingesetzt; sie wurden zunehmend als vorteilhafte Alternative zu anderen Werkstoffen geschätzt. Mit der maßgeblichen Unterstützung vor allem privater Sammler ist es gelungen, in der Ausstellung außerordentlich schöne, seltene und kostbare Beispiele aus der Geschichte des Kunststoffdesigns zu präsentieren, die alle Vorurteile gegenüber „minderwertigen Plastikartikeln“ vergessen lassen. Die Namensliste der Gestalter liest sich wie ein "who is who" der Designgeschichte; sie reicht von Friedrich Adler bis zu Wilhelm Wagenfeld, dessen Leistungen auf dem Gebiet der Kunststoffgestaltung erstmals umfassend gezeigt werden. Ausstellung "Kunststoffdesign im 20. Jahrhundert" 6.5. bis 3.10.2011 Wilhelm Wagenfeld Haus Am Wall 209, 28195 Bremen Di. 15-21 Uhr, Mi – So. 10-18 Uhr Weitere Informationen: wilhelm-wagenfeld-stiftung.de, dg-kunststoffgeschichte.de |
Deutsche Gesellschaft für Kunststoffgeschichte e.V., Bayreuth
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