| 30.07.2026, 13:40 Uhr | Lesedauer: ca. 3 Minuten |
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Die Karl Hess GmbH & Co. KG mit Sitz in Neunkirchen bei Siegen hat am 24. Juli 2026 beim Amtsgericht Siegen einen Insolvenzantrag gestellt. Das Gericht bestellte am 27. Juli 2026 Rechtsanwalt Nikolaos Antoniadis zum vorläufigen Insolvenzverwalter (siehe auch plasticker-News vom 28.07.2026). Der Geschäftsbetrieb des unter der Marke „Hess plastics“ tätigen Kunststoffverarbeiters wird nach Unternehmensangaben ohne Einschränkungen fortgeführt. Produktion, Entwicklung und Auslieferung sollen vollständig aufrechterhalten werden. Das 1950 gegründete Unternehmen beschäftigt rund 290 Mitarbeiter. Hess plastics entwickelt und produziert Kunststofflösungen für Kunden aus der Automobilindustrie, der Elektronikbranche und dem Haushaltsgerätesektor. Zum Leistungsspektrum gehören die Entwicklung von Prototypen aus Kunststoff und Metall, spezialisierte Kunststoffspritzgussverfahren sowie der Werkzeugbau. Der vorläufige Insolvenzverwalter und sein Team prüfen derzeit die wirtschaftliche Lage und arbeiten gemeinsam mit der Geschäftsführung an einer Stabilisierung des Unternehmens. Nach Angaben der Beteiligten ist die Finanzierung des laufenden Geschäftsbetriebs für die kommenden Monate gesichert. Die Löhne und Gehälter der Beschäftigten werden zunächst über das Insolvenzgeld abgedeckt. Die Belegschaft wurde unmittelbar nach der Bestellung des vorläufigen Insolvenzverwalters im Rahmen einer Betriebsversammlung über die Situation und die weiteren Verfahrensschritte informiert. Gespräche mit Kunden, Lieferanten und weiteren Geschäftspartnern wurden aufgenommen, um die Fortführung des Betriebs abzusichern und die Voraussetzungen für eine Sanierung zu schaffen. Als wesentliche Ursache für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten nennt das Unternehmen die anhaltende Schwäche der Automobilindustrie. Hess plastics erzielt rund drei Viertel seines Umsatzes mit Kunden aus diesem Sektor. Rückläufige Produktionszahlen und geringere Abrufmengen hätten in den vergangenen Monaten zu deutlichen Umsatzverlusten geführt. Gleichzeitig belasteten gestiegene Energie- und Rohstoffkosten das Unternehmen. Insbesondere die energieintensiven Fertigungsprozesse im Kunststoffspritzguss erhöhten den Kostendruck. Bereits vor dem Insolvenzantrag hatte die Geschäftsführung Restrukturierungsmaßnahmen eingeleitet. Dazu zählten die Verlagerung und Verkleinerung des Verwaltungssitzes, Personalmaßnahmen, weitere Kostensenkungen sowie eine stärkere Konzentration auf die technologischen Kernbereiche. Zudem wurden unrentable Projekte beendet und das Produktportfolio bereinigt. Nach Angaben des Unternehmens führten diese Maßnahmen zwar zu Verbesserungen, konnten die Folgen der anhaltenden Marktbelastungen jedoch nicht ausreichend ausgleichen. Im weiteren Verlauf des vorläufigen Insolvenzverfahrens soll kurzfristig ein strukturierter Investorenprozess beginnen. Dafür ist die Beauftragung eines auf Unternehmenstransaktionen spezialisierten M&A-Beratungshauses vorgesehen. Ziel ist die Übernahme des Unternehmens durch einen Investor, der die weitere Finanzierung und langfristige Fortführung am Standort Neunkirchen ermöglicht. Erste Gespräche mit potenziellen Interessenten laufen nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters bereits. Als Grundlage für eine mögliche Fortführung gelten die vorhandenen Produktionskapazitäten, die Entwicklungs- und Fertigungskompetenz, die Kundenbeziehungen sowie die qualifizierte Belegschaft. Der Investorenprozess soll zügig eingeleitet werden. Über den weiteren Verlauf des Insolvenzverfahrens und mögliche Sanierungslösungen liegen bislang keine näheren Angaben vor. Weitere Informationen: www.hess-plastics.com, anure.de |
Karl Hess GmbH & Co. KG, Neunkirchen
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