| 14.11.2023, 14:17 Uhr | Lesedauer: ca. 2 Minuten |
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Vor der Abstimmung des Europäischen Parlaments über die EU-Verpackungsverordnung kritisieren führende Verpackungsexperten in Deutschland die vorgeschlagenen verbindlichen EU-Rezyklateinsatzquoten für Lebensmittelverpackungen aus Kunststoff und warnen vor den negativen Folgen. Wie der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen e.V. weiter mitteilt, schlagen Verpackungshersteller und Recycler als Lösung ein Gutschriftenmodell auch für mechanisches Recycling vor. „Die geplanten EU-Rezyklateinsatzquoten führen zu einem ökologischen und ökonomischen Desaster“, kritisierte Kurt Schüler, Geschäftsführer der GVM Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung, den Gesetzentwurf aus Brüssel im Rahmen des BKV-Symposium am 8. November 2023 in Berlin. Da bereits jetzt absehbar sei, dass es nicht genügend zugelassene Kunststoffrezyklate für kontaktempfindliche Verpackungen, wie z.B. für Lebensmittel, geben werde, wirkten die Regelungen wie ein Verbot. Hinzu komme ein Ausweichen auf andere Verpackungsmaterialien: „Der Vorschlag, Verbundverpackungen mit weniger als fünf Prozent Kunststoffanteil von den Quoten auszunehmen, befeuert massiv den Trend hin zu schwer recycelbaren beschichteten Papierverbunden“, so Schüler. Während die Verpackungsmengen von Papier, Kunststoff, Glas und Metall seit 2021 in Deutschland zurück gingen, stiegen die Mengen von solchen Papierverbunden weiter an – mit negativen Folgen für die Umwelt. Schüler verwies dazu auf eine aktuelle Untersuchung von GVM und ifeu, wonach eine Reduktion von Kunststoffverpackungen um zehn Prozent bis 2030 – sofern sie durch andere Materialien ersetzt werden – die Menge an Haushaltsverpackungen um etwa zehn bis 20 Prozent und die Treibhausgasemissionen um zehn bis 14 Prozent erhöht. In der anschließenden Podiumsdiskussion stellte sich Dr. Joachim Christiani, Geschäftsführer der Institut cyclos-HTP GmbH und der Ingenieurgesellschaft HTP, hinter diese Kritik: „Das was Kurt Schüler gesagt hat, kann ich alles unterschreiben.“ Ergänzend führte er aus: „Es ist ein Irrglaube, Recyclingfähigkeit von Kunststoffverpackungen und Rezyklateinsatz in Kunststoffverpackungen seien die Kehrseiten ein und derselben Medaille. Wissenschaftlich ist es offenkundig, dass verbindliche Rezyklateinsatzquoten in originären Anwendungen den ökologischen Zielen der Kreislaufwirtschaft in hohem Maße zuwiderlaufen – mal ganz abgesehen von den ebenfalls absehbaren massiven volkswirtschaftlichen Schäden.“ Um die negativen Folgen des Rezyklatmangels für die Lieferketten, vor allem im Bereich der PE- und PP-Rezyklate, abzumildern, fordern die Hersteller von Kunststoffverpackungen und die Kunststoff-Recycler ein Gutschriftensystem. Die Idee dahinter ist einfach: Hersteller, die mehr recycelte Kunststoffe in ihren Produkten verwenden als die Quoten vorgeben, erhalten Gutschriften, die sie an andere Hersteller verkaufen können, die die Quote noch nicht erfüllen können. Ein ähnliches System wird derzeit bereits für das chemische Recycling diskutiert. Um ein Greenwashing von vornherein zu verhindern, sollte nur der tatsächlich recycelte Inhalt werblich geltend gemacht werden können. Weitere Informationen: |
IK - Industrievereinigung Kunststoffverpackungen e.V., Bad Homburg
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