| 23.03.2026, 12:30 Uhr | Lesedauer: ca. 3 Minuten |
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Eine aktuelle Blitzumfrage des Gesamtverbandes Kunststoff verarbeitende Industrie e.V. (GKV) unter Mitgliedsunternehmen seiner Trägerverbände zeigt, dass die Kunststoff verarbeitende Industrie in Deutschland in breitem Umfang von Preisaufschlägen bei Rohstoffen und von Force-Majeure-Erklärungen der Lieferanten betroffen ist. Hintergrund sind die Auswirkungen der jüngsten Eskalation im Nahen Osten auf Rohstoffversorgung und Logistik. Nach Angaben des GKV sind bereits zwei Drittel der befragten Unternehmen wenige Tage nach der militärischen Zuspitzung mit Preisaufschlägen ihrer Rohstofflieferanten konfrontiert worden. Die übrigen Unternehmen haben nahezu ausnahmslos entsprechende Ankündigungen erhalten. Als Begründung nennen die Lieferanten vor allem geopolitische und logistische Faktoren. Genannt werden insbesondere die Blockade der Straße von Hormus beziehungsweise gestiegene Frachtkosten, der Krieg mit Beteiligung des Iran sowie allgemein höhere Rohstoff- und Energiepreise. Der Verband weist darauf hin, dass bestehende Verträge weiterhin einzuhalten seien. Die bislang übermittelten Force-Majeure-Erklärungen seien überwiegend pauschal formuliert und erfüllten nach Einschätzung des GKV die rechtlichen Anforderungen nicht. Der Verband empfiehlt den betroffenen Kunststoffverarbeitern daher, die Voraussetzungen eines solchen Ereignisses im Einzelfall detailliert darlegen zu lassen. Nach den Ergebnissen der Umfrage haben 39 Prozent der befragten Unternehmen Preisforderungen ihrer Lieferanten bereits zurückgewiesen. 28 Prozent haben eine konkrete Begründung der geltend gemachten Umstände verlangt. Zudem prüft rund jedes dritte Unternehmen eine Substitution durch alternative Lieferanten oder Materialien. Besonders kritisch wird von den Unternehmen bewertet, dass Force Majeure teilweise auch für Kunststoffe geltend gemacht werde, obwohl die dafür erforderlichen Ausgangsmaterialien bereits Wochen vor der Blockade in Europa eingetroffen seien. Der GKV sieht darin Anzeichen einer künstlichen Verknappung und einer zusätzlichen Preisdynamik. Von den Preissteigerungen betroffen sind laut Umfrage vor allem die Standardkunststoffe Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP). Die Aufschläge bewegen sich demnach in einer Größenordnung von 40 bis 60 Prozent. Angesichts dieses Anstiegs sehen sich zahlreiche Kunststoffverarbeiter gezwungen, ihre eigenen Produktpreise zu erhöhen. Der Verband rechnet daher kurzfristig mit spürbaren Preissteigerungen bei vielen Kunststoffprodukten. Die Möglichkeiten, die gestiegenen Kosten an Kunden weiterzugeben, sind nach den Umfrageergebnissen jedoch begrenzt. Nur zehn Prozent der befragten Unternehmen können die Mehrkosten überwiegend weiterreichen. 58 Prozent geben an, dies nur teilweise zu schaffen. Nahezu ein Drittel kann die Belastungen kaum überwälzen. Selbst dort, wo vertragliche Regelungen wie Preisgleitklauseln greifen, erfolgt die Weitergabe zum Teil erst mit zeitlicher Verzögerung. Entsprechend angespannt ist die wirtschaftliche Einschätzung der Unternehmen. Für 58 Prozent haben die aktuellen Entwicklungen sehr starke Auswirkungen auf das Betriebsergebnis. Bei drei Prozent der befragten Betriebe wird die Situation als existenzbedrohend eingestuft. Die zusätzlichen Belastungen treffen die Branche in einer Phase anhaltend schwacher Nachfrage. Nach Darstellung des GKV kämpfen viele Unternehmen seit drei Jahren mit Umsatzrückgängen. Der starke Kostenanstieg erhöht nun zusätzlich den Druck auf Liquidität und Ertragslage. Der Verband warnt in diesem Zusammenhang vor einer Überforderung der Kunststoffverarbeiter durch überzogene Preisaufschläge und vor möglichen strukturellen Schäden für den Standort Deutschland. Weitere Informationen: www.gkv.de, www.pro-kunststoff.de |
Gesamtverband Kunststoff verarbeitende Industrie e.V., Berlin
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