| 18.07.2017, 15:43 Uhr | Lesedauer: ca. 4 Minuten |
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Mehr als 2,1 Millionen Kubikmeter expandiertes Polystyrol (EPS) fallen jedes Jahr in Deutschland an. Das entspricht mehr als vier Mal der Größe der Elbphilharmonie in Hamburg. Die Problematik des Abfalls liegt jedoch nicht in der bloßen Masse, sondern vor allem in den Bestandteilen des Abfalls, wie etwa dem zugesetzten Flammschutzmitteln Hexabromcyclododecan (HBCD) begründet. Insbesondere HBCD gilt laut neuesten Einstufungen weltweit als persistenter organischer Schadstoff (POP) und muss am Ende seiner Verwendung rückstandsfrei zerstört werden. Dieser Umstand sorgt dafür, dass HBCD-haltige EPS-Abfälle bislang nur verbrannt wurden. Die beiden deutschen Unternehmen EPC Engineering Consulting GmbH und CreaCycle GmbH haben gemeinsam mit dem renommierten Fraunhofer Institut (IVV Freising) eine Lösung für diese Problematik entwickelt: die „CreaSolv“ Technologie. Polystyrol-Abfälle gelten derzeit als gefährlicher Abfall Polystyrol ist der Grundstoff für zahlreiche Produkte und findet Verwendung in verschiedenen Anwendungsgebieten. Als sogenanntes EPS wird es häufig als Dämmstoff für Häuser oder auch als Verpackung für Lebensmittel oder Elektroartikel eingesetzt. Die Verwendung von Polystyrol gilt im Alltag als unproblematisch. Darüber hinaus hat das Material ein sehr geringes Gewicht, hervorragende Isoliereigenschaften und ist einfach zu bearbeiten. Die großen Probleme treten erst bei der Entsorgung auf. Diese beginnen bereits beim Abtransport des Abfalls, der aufgrund der sehr niedrigen Schüttdichte ein großes Volumen aufweist und sehr kostenintensiv ist. Auf einen Sattelzug passen beispielsweise nur etwa 1,4 Tonnen unverpresstes EPS, im Vergleich zu den 25 Tonnen, die dieses Fahrzeug im Normalfall transportieren kann. Zudem mussten Polystyrol-Abfälle bislang in aufwändigen Verfahren vorsortiert werden, da nicht alle Produkte auf die gleiche Weise recycelt werden konnten. Das liegt vor allem an beigefügten chemischen Zusatzstoffen, wie dem Flammschutzmittel HBCD. Dieses wurde 2013 während des Stockholmer Übereinkommens als POP eingestuft, da es sich im Körper von Lebewesen ablagern und dort Gesundheitsschäden hervorrufen kann. Abfälle die HBCD als Flammschutzmittel enthalten, konnten nur an besonderen, zertifizierten Verwertungsanlagen entsorgt werden, da dieses Additiv rückstandslos zerstört werden muss. Dies führte in Deutschland im vergangen Jahr zu Entsorgungsnotständen und damit steigenden Entsorgungskosten von bis zu 8.000 Euro pro Tonne. „CreaSolv“ Verfahren recycelt jegliche Art von Polystyrol-Abfällen Die beiden deutschen Unternehmen EPC Engineering Consulting GmbH und CreaCycle GmbH haben gemeinsam mit dem renommierten Fraunhofer Institut (IVV Freising) eine Lösung für dieses Problem gefunden: Die „CreaSolv“ Technologie. Recycling-Anlagen, die mit dieser Technologie ausgestattet sind, können laut Anbieter jegliche Art von Polystyrol-Abfällen verwerten – egal wie stark das Material verunreinigt ist. Dafür wird der Zielkunststoff mit einer speziellen Lösungsmittelformulierung selektiv herausgelöst. Die Flüssigkeit wird anschließend gefiltert und in mehreren Stufen gereinigt. Das gegebenenfalls enthaltene HBCD wird in diesen Reinigungsschritten vom Polystyrol abgetrennt. Zurück bleibt nur der hochreine Kunststoff, welcher wieder als Granulat vorliegt. Das Endprodukt ist geruchsneutral, enthält so gut wie keine Rückstände und kann nahezu uneingeschränkt wiederverwendet werden. „Mit dieser Anlagentechnik steht zum Recycling von EPS jetzt zum ersten Mal ein geschlossener ökonomischer und wirtschaftlicher Wertstoffkreislauf für HBCD-haltige Polystyrol-Abfallströme zur Verfügung“, erklärt Jörg Hamann, Technischer Direktor der EPC Engineering Consulting GmbH, einem Tochterunternehmen der EPC Group. „Bisherige Recyclingmethoden konnten nur saubere und HBCD freie Eingangsströme wiederverwerten. In aufwändigen Schritten musste der Müll vorsortiert und gewaschen werden - trotzdem war das Endprodukt weder rein noch geruchsneutral und eine saubere Trennung HBCD haltiger und HBCD freier Abfälle konnte nicht praktikabel durchgeführt werden.“ Laut Jörg Hamann kann bei der „CreaSolv“-Technologie das Vorsortieren und Waschen des Abfalls je nach Verschmutzungsgrad entfallen. Prinzipiell können demnach sämtliche Polystyrol-Produkte – egal ob EPS, GPPS (General Purpose), HIPS (High Impact) oder XPS (Extrudiertes Polystyrol) in einem Durchlauf und zur gleichen Zeit verarbeitet werden. Je nach Abfallzusammensetzung können bisher etablierte Vorsortier- und Waschschritte weitere Verbesserungen hinsichtlich Wirtschaftlichkeit und Endproduktqualität bringen. Damit bieten die „CreaSolv“ Anlagen zusätzliche Vorteile in Bezug auf die Wirtschaftlichkeit und die Gesamtrecyclingquote im Sinne der „Circular Economy“ in Verbindung mit bestehenden Sortiersysteme. „CreaSolv“ Verfahren reduziert den Treibhauseffekt Da Polystyrol aus Erdöl gewonnen wird, ist das Recyceln dieses Kunststoffs auch im Hinblick auf die Schonung von natürlichen Ressourcen nicht nur lohnenswert, sondern auch notwendig. Durch den Recyclingprozess werden Ressourcen gespart und die Umwelt geschont. Laut vorläufigen Ergebnissen des TÜV Rheinland bietet das Recyceln mit der „CreaSolv“-Methode sogar einen bis zu 50 Prozent geringeren Kohlendioxidausstoß als das Verbrennen von Polystyrol-Abfällen. Die Technologie ist schon jetzt einsatzbereit und kann in bestehende Recycling-Anlagen integriert werden. Weitere Informationen: www.epc.com, www.creacycle.de, www.ivv.fraunhofer.de |
EPC Engineering Consulting GmbH, Arnstadt
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