plasticker-News

Anzeige

12.08.2026, 12:54 Uhr | Lesedauer: ca. 3 Minuten    

PPWR gilt ab heute: Neues EU-Verpackungsrecht startet

Kunststoffverpackungsindustrie sieht Chancen für Binnenmarkt und Kreislaufwirtschaft – wesentliche Recycling- und Rezyklatvorgaben folgen ab 2030

Seit heute gilt die neue EU-Verpackungsverordnung PPWR (Packaging and Packaging Waste Regulation) grundsätzlich in der gesamten Europäischen Union. Damit beginnt für Hersteller, Verarbeiter und Inverkehrbringer von Verpackungen eine neue Phase: Die Verordnung harmonisiert die Anforderungen an Verpackungen europaweit und soll zugleich Verpackungsabfälle reduzieren, die Recyclingfähigkeit verbessern und den Einsatz von Rezyklaten deutlich erhöhen.

Für die Kunststoffverpackungsindustrie ist der 12. August 2026 damit eine wichtige Wegmarke. Die PPWR schafft erstmals einen weitgehend unmittelbar geltenden europäischen Rechtsrahmen für Verpackungen und Verpackungsabfälle. Gerade exportorientierte Unternehmen können davon profitieren, wenn bislang unterschiedliche nationale Vorgaben künftig durch einheitlichere Anforderungen im EU-Binnenmarkt ersetzt werden.

Anzeige

Die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen sieht darin grundsätzlich eine Chance für einen besser funktionierenden Binnenmarkt. Nach Angaben des Verbandes haben sich die Mitgliedsunternehmen intensiv auf den Anwendungsbeginn vorbereitet. Die neuen Anforderungen wirken sich unter anderem auf Produktentwicklung, Beschaffung, Produktion, IT-Systeme sowie Nachweis-, Registrierungs- und Meldeprozesse aus.

Viele Pflichten kommen schrittweise
Der heutige Start bedeutet allerdings nicht, dass sämtliche materiellen Anforderungen der PPWR bereits sofort gelten. Die Umsetzung erfolgt über mehrere Jahre. Zu den zentralen Zielen gehört, dass alle Verpackungen bis 2030 recyclingfähig sein sollen. Gleichzeitig müssen Kunststoffverpackungen künftig vorgeschriebene Mindestanteile an recyceltem Kunststoff enthalten; die Quoten steigen in weiteren Stufen bis 2040.

Hinzu kommen Vorgaben zur Verpackungsvermeidung, Wiederverwendung und Wiederbefüllung sowie neue Anforderungen an Kennzeichnung und Sammlung. Die EU will damit nicht nur Verpackungsabfälle reduzieren, sondern auch den europäischen Markt für Sekundärrohstoffe stärken und die Abhängigkeit von fossilen Primärrohstoffen verringern.

Für die Kunststoffindustrie sind insbesondere die künftigen Regeln zu Design for Recycling und Rezyklateinsatz von erheblicher Bedeutung. Sie dürften Investitionen in recyclinggerechte Verpackungskonzepte, Sortier- und Aufbereitungstechnik sowie hochwertige Kunststoffrezyklate weiter antreiben.

Industrie fordert klare und einheitliche Auslegung
Trotz der grundsätzlich positiven Bewertung des harmonisierten Rechtsrahmens sieht die IK bei der praktischen Umsetzung noch offene Punkte. Der Verband verweist insbesondere auf die Notwendigkeit einer einheitlichen und widerspruchsfreien Auslegung der europäischen Vorgaben.

Zuletzt hatten überarbeitete FAQ der EU-Kommission nach Angaben der IK Unsicherheit hinsichtlich der Verantwortlichkeiten innerhalb der Verpackungslieferkette ausgelöst. Die Industrie fordert deshalb, dass Europäische Kommission, Mitgliedstaaten und nationale Verpackungsregister eng zusammenarbeiten und frühzeitig für Rechtssicherheit sorgen.

Auch die EU-Kommission räumt ein, dass für die Umsetzung noch zahlreiche konkretisierende Rechtsakte erforderlich sind. Sie will diese schrittweise vorlegen und dabei nach eigenen Angaben unnötige administrative Belastungen vermeiden.

Investitionen brauchen Planungssicherheit
Für Hersteller und Verarbeiter werden die kommenden Jahre damit zu einer entscheidenden Umstellungsphase. Neue Verpackungsdesigns, zusätzliche Rezyklatmengen sowie Anpassungen an Produktions- und Dokumentationsprozessen erfordern teilweise erhebliche Investitionen.

Die Branche fordert deshalb verlässliche technische Vorgaben und möglichst frühzeitige Entscheidungen über die noch offenen Details. Einheitliche Regeln seien nicht nur Voraussetzung für Investitionssicherheit, sondern auch wichtig, um neue nationale Handelshemmnisse innerhalb Europas zu vermeiden.

Mit dem heutigen 12. August 2026 beginnt somit zwar formal die Anwendung der PPWR – für die Kunststoff- und Recyclingwirtschaft startet damit aber vor allem ein mehrjähriger Transformationsprozess hin zu stärker recyclingfähigen Verpackungen, höheren Rezyklatanteilen und geschlosseneren Materialkreisläufen.

Quelle: IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen; Europäische Kommission, Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR)

Ihre News im plasticker? Bitte senden Sie Ihre Pressemitteilungen an redaktion@plasticker.de!


» zurück zum Seitenanfang


Aktuelle Geschäftskontakte
Top News / Meist gelesen
plasticker Newsletter
Wir informieren Sie schnell, umfassend und kostenlos über das, was in der Branche passiert.

» Jetzt anmelden!

» Weiterempfehlen

Machen Sie Ihre Reste zu Geld!
Sie haben Neuware-Restmengen, Mahlgüter oder Produktionsabfälle?

Dann veräußern Sie diese kostenlos
in der Rohstoffbörse.

Für Ihre ausrangierten Maschinen und Anlagen finden Sie Abnehmer in der Maschinenbörse.
Neue Fachbücher
Experimentelle und simulative Analyse der Mischwirkung in Einschneckenextrudern

Eine Vielzahl von Kunststoffen wird zur Produktion von Halbzeugen und Fertigprodukten auf Einschneckenextrudern aufbereitet bzw.

Aktuelle Rohstoffpreise