| 23.08.2004 | Lesedauer: ca. 3 Minuten |
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In Westeuropa fürchten viele die Abwanderung von Firmen in so genannte Billig-Lohnländer. Dabei funktioniert es auch umgedreht. Erste Unternehmen aus der Volksrepublik China engagieren sich in Frankreich, berichtete „Neues Deutschland“ (www.nd-online.de) kürzlich in der Online-Ausgabe. Während immer mehr französische Unternehmen ihre Produktion in Frankreich einstellen und nach China verlagern, um dort von den niedrigen Löhnen zu profitieren, investieren umgekehrt schon die ersten chinesische Unternehmen in Frankreich. So nimmt im Herbst in der Nähe der südfranzösischen Stadt Cahor eine Fabrik für die Wiederaufbereitung von Kunststoffabfällen ihren Betrieb auf. Sie soll vor allem Folien, die in der Landwirtschaft zum Witterungsschutz von Frühgemüse gedient haben, zu Granulat verarbeiten. Das wird nach China exportiert, wo man daraus neue Kunststoffgegenstände – vor allem Fässer und Rohre – pressen wird. Ansiedlung trotz höherer Lohnkosten rationell Die Fabrik, die 40 Arbeiter beschäftigt und im Jahr 40.000 Tonnen Kunststoffabfälle aufbereiten kann, wurde von einer Gruppe privater chinesischer Investoren ein Auftrag gegeben, die dafür sechs Millionen Euro aufgebracht haben. Ausschlaggebend waren natürlich nicht die Löhne in Frankreich, sondern eine in Vorbereitung befindliche EU-Vorschrift, die in absehbarer Zeit den Müllexport und insbesondere die Ausfuhr von Kunststoffabfällen verbieten wird. Gegenwärtig importiert die Volksrepublik China pro Jahr mehrere zehntausend Tonnen Kunststoffabfälle, um sie zu Rohstoffen zu verarbeiten. »Um vorzubeugen, dass der Nachschub ausbleibt, ist es trotz der höheren Lohnkosten rationeller, die Abfälle künftig vor Ort aufzubereiten«, erläutert der Projektleiter Gérard Vilair. Der Transport des Granulats nach China erfolgt in Containern über den Hafen Bordeaux. Da die Containerfrachter, die in großer Zahl Fertigwaren aus China nach Europa bringen, auf dem Rückweg weitgehend leer fahren, sind die Tarife sehr niedrig. So kostet der Transport eines Kilos Granulat von Cahor nach China 0,10 Euro, während es vergleichsweise per Lastwagen von Cahor nach Paris 0,11 Euro sind. Die übergroße Masse der Kunststoffabfälle, die für eine Aufbereitung in Frage kommen, stammt aus der Landwirtschaft. Die Gemüse- und Obstproduktion, darunter nicht zuletzt der Weinbau entlang der südfranzösischen Mittelmeerküste, verwendet beispielsweise Kunststofffolien in großem Umfang. Frankreich verbraucht pro Jahr vier Millionen Tonnen thermoplastische Kunststoffe, von denen zwei Millionen weggeworfen und nur knapp 100.000 Tonnen wiederaufbereitet werden. Asiatische Firmen streben Kooperationen an Doch chinesische Investoren interessieren sich in Frankreich nicht nur für Müll. Um über ein »Eingangstor nach Europa« zu verfügen und Zollbarrieren zu umgehen, streben immer mehr chinesische Unternehmen zumindest Kooperationen mit Firmen vor Ort an. Bereits vor Monaten hatte der chinesische Haushaltselektronikkonzern TCL die Fernsehgeräteproduktion des französischen Thomson-Konzerns übernommen. Die Massenproduktion kommt jetzt über diesen Kanal aus China, während in Frankreich nur noch teure Spitzengeräte gefertigt werden. |
ERI, Cahor, Frankreich
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