| 03.08.2026, 10:12 Uhr | Lesedauer: ca. 4 Minuten |
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Alterra, Technip Energies und Neste haben unter dem Namen Nerea ein standardisiertes, modular aufgebautes Anlagenkonzept für das chemische Recycling von Kunststoffabfällen vorgestellt. Das Angebot richtet sich insbesondere an Entsorgungsunternehmen, Projektentwickler sowie Unternehmen der Raffinerie- und Petrochemiebranche. Ziel ist es, die Planung und Umsetzung industrieller Recyclinganlagen stärker zu vereinheitlichen und dadurch Investitionsaufwand, Projektrisiken und Realisierungszeiten besser kalkulierbar zu machen. Nerea überführt das bislang häufig projektspezifisch entwickelte Anlagenengineering in ein standardisiertes Produktmodell. Die Anlagen sollen heterogene und mechanisch nur schwer verwertbare Kunststoffabfälle in einen flüssigen Kohlenwasserstoff-Rohstoff umwandeln, der anschließend in Raffinerien oder petrochemischen Anlagen weiterverarbeitet werden kann. Das erzeugte Material ist als Ausgangsstoff für die Herstellung neuer Kunststoffe vorgesehen. Kombination bestehender Technologien und Kompetenzen Das Konzept basiert auf einer im November 2024 vereinbarten Zusammenarbeit der drei Unternehmen. Alterra bringt ein thermochemisches Verflüssigungsverfahren ein, mit dem gemischte Kunststoffabfälle unter Wärmeeinwirkung in flüssige Kohlenwasserstoffe umgewandelt werden. Nach Angaben der Unternehmen wird die Technologie seit mehr als fünf Jahren kontinuierlich im kommerziellen Maßstab mit realen Abfallströmen betrieben. Neste steuert Erfahrungen bei der Aufbereitung und Weiterverarbeitung zirkulärer Rohstoffe bei. Technip Energies übernimmt Kompetenzen in Anlagenplanung, Projektabwicklung und Modularisierung. Aus der Kombination soll ein technisch und kommerziell weitgehend vorkonfiguriertes Anlagenmodell entstehen, das an unterschiedliche Industriestandorte angepasst werden kann, ohne für jedes Projekt vollständig neu entwickelt werden zu müssen. Die Aufgabenverteilung umfasst damit mehrere Stufen der Wertschöpfungskette: von der thermochemischen Umwandlung der Kunststoffabfälle über die Auslegung und Errichtung der Anlage bis zur Aufbereitung und Nutzung des erzeugten Rohstoffs in Raffinerien und petrochemischen Prozessen. Standardisierung soll Projektrisiken verringern Ein zentrales Merkmal von Nerea ist der modulare Aufbau. Wesentliche Anlagenkomponenten sollen standardisiert vorgefertigt und anschließend am jeweiligen Standort installiert werden. Dadurch sollen der Engineeringaufwand und der Umfang projektspezifischer Vorleistungen reduziert werden. Nach Darstellung der Unternehmen soll dieser Ansatz insbesondere bei Kosten, Zeitplanung und technischer Ausführung eine höhere Planungssicherheit ermöglichen. Auch der Kapitalbedarf in frühen Projektphasen soll geringer ausfallen, da wesentliche Teile der technischen Konfiguration bereits festgelegt sind. Das Konzept ist für den Einsatz in unterschiedlichen industriellen Umgebungen vorgesehen. Angaben zur konkreten Verarbeitungskapazität einzelner Module, zu Investitionskosten, Energiebedarf, Ausbeuten oder bereits vereinbarten Kundenprojekten enthält die Mitteilung nicht. Rohstoff für Raffinerien und Petrochemie Als Eingangsmaterial sind vor allem gemischte, verunreinigte oder aus mehreren Materialschichten bestehende Kunststoffabfälle vorgesehen, die für das mechanische Recycling nicht oder nur eingeschränkt geeignet sind. Die Abfälle werden durch das thermochemische Verfahren verflüssigt. Das dabei entstehende Produkt muss in der Regel weiter aufbereitet werden, bevor es als petrochemischer Rohstoff eingesetzt werden kann. Neste verweist in diesem Zusammenhang auf eine Aufbereitungseinheit am Raffineriestandort Porvoo in Finnland. Dort werden minderwertige beziehungsweise verunreinigte Rohstoffe zu Einsatzstoffen für nachgelagerte Produktionsprozesse aufbereitet. Das Unternehmen sieht einen steigenden Bedarf an verflüssigten Kunststoffabfällen sowohl für den eigenen Einsatz als auch bei weiteren Marktteilnehmern. Durch die stoffliche Rückführung der Kohlenwasserstoffe sollen Bestandteile gebrauchter Kunststoffe erneut in der Kunststoffproduktion eingesetzt werden können. Chemisches Recycling ergänzt damit mechanische Verfahren insbesondere bei Abfallfraktionen, deren Materialeigenschaften, Zusammensetzung oder Verschmutzungsgrad eine direkte werkstoffliche Wiederverwertung erschweren. Hintergrund: Steigende Kunststoffmengen und regulatorischer Druck Nach den in der Mitteilung genannten Zahlen erreichte die weltweite Kunststoffproduktion 2024 rund 431 Millionen Tonnen und hat sich damit innerhalb von etwa zwei Jahrzehnten nahezu verdoppelt. Die Kreislaufführung von Kunststoffen wächst demnach bislang nicht im gleichen Maß wie Produktion und Verbrauch. Große Mengen an Kunststoffabfällen werden weiterhin verbrannt, deponiert oder gelangen unkontrolliert in die Umwelt. Parallel steigt insbesondere in Europa der regulatorische Druck, den Anteil recycelter und zirkulärer Rohstoffe in Kunststoffprodukten zu erhöhen. Daraus ergibt sich eine wachsende Nachfrage nach alternativen Rohstoffquellen für Raffinerien und petrochemische Anlagen. Mit Nerea reagieren die beteiligten Unternehmen auf diese Entwicklung, indem sie eine reproduzierbare Anlagenkonfiguration für das chemische Recycling anbieten. Ob und in welchem Umfang das Modell zu einer schnelleren Umsetzung neuer Anlagen führt, wird jedoch von Faktoren wie Abfallverfügbarkeit, Genehmigungsverfahren, Energie- und Betriebskosten, Produktqualität sowie der Nachfrage nach zirkulären Rohstoffen abhängen. Die kommerzielle Einführung von Nerea wurde am 29. Juni 2026 bekannt gegeben. Informationen zu ersten Standorten, Auftraggebern oder geplanten Inbetriebnahmen wurden zunächst nicht veröffentlicht. Weitere Informationen: www.alterra360.com, www.neste.com, www.ten.com Quelle: prnewswire.com |
lterra Energy LLC, Akron, Ohio, USA
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