| 19.11.2008 | Lesedauer: ca. 3 Minuten |
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Preisrückgänge und Auftragsstornierungen bestimmen das Bild Die weltweite Konjunkturkrise hat auch das Kunststoffrecycling erreicht. Drastische Preisrückgänge und Auftragsstornierungen sind die Folge. In einem Interview äußerte sich Dr.-Ing. Herbert Snell (Bild), Vizepräsident für den Bereich Kunststoffrecycling im bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V. (www.bvse.de) über die gegenwärtige Marktsituation. Herr Dr. Snell, seit wann merken Sie den Preisverfall im Kunststoffbereich? Der Preisverfall ist seit Mitte Oktober zu beobachten. Leider ist noch keine Bodenbildung feststellbar. Welche Ursachen sehen Sie für den Preisverfall? Ganz eindeutig hat die Finanzkrise im Kunststoffbereich zu dieser gravierenden Entwicklung geführt. Der drastische Rückgang der Industrieproduktion hat zwangsläufig einen Rückgang des Bedarfs an Recyclaten zur Folge. Aber nicht nur das. Auch die Preise für Neuware sind im freien Fall. Darüber hinaus wird auf den Märkten offensichtlich auf weiter fallende Preise spekuliert, das verschärft natürlich die ohnehin angespannte Situation. Wo bleibt die Nachfrage aus Asien? Die Nachfrage aus Asien ist regelrecht eingebrochen. Aufgrund der Finanzkrise fehlt sogar das Geld, um bestellte Ware bezahlen zu können. Darüber hinaus kommen keine Aufträge aus den USA mehr herein. Wir haben es hier mit einfach mit einem weltweiten konjunkturellen Einbruch zu tun. Welche Kunststoffe und Kunststoffqualitäten sind hiervon besonders betroffen? Vor allem die Commodities (PE, PP, PET) aber auch technische Kunststoffe, da die Automobilindustrie die Produktion stark reduziert. Ist der Preisverfall ausschließlich bei den Fernostmärkten festzustellen oder bezieht er sich auch auf die Inlandsmärkte? Da die Nachfrage aus Asien sowohl für Abfälle als auch Recyclate ausbleibt, drückt die Menge erheblich auf den europäischen Markt zurück, insofern sind davon auch die Inlandsmärkte stark betroffen. Trotz des Preisverfalls für Abfälle leiden die Kunststoffverwerter unter den fallenden Neuwarepreisen. Der gefallene Einkaufspreis kompensiert bei weitem nicht die fehlenden Margen durch die niedrigen Verkaufpreise. Die nachgebenden Preise sollten eigentlich den Absatz der Marktmengen weiter garantieren oder bestehen trotzdem erhebliche Hindernisse, die angebotenen Kunststoffe noch anzunehmen und zu verarbeiten? Insbesondere der Preisverfall bei Neuware und die geringe Nachfrage der Industrie sowie der fehlende Export drücken auf die Preise für Abfälle, es ist zum Teil keine Nachfrage vorhanden. Bestehende Bestellungen für Recyclate werden seitens der Industrie storniert. Gibt es Prognosen, wie lange die schwierige Situation anhalten wird? Das hängt ganz von der Nachfragesituation der Industrie in den nächsten Wochen und Monaten ab. Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat die zu dieser Jahreszeit übliche Nachfragedelle verstärkt. Alle hoffen deshalb, dass es Anfang 2009 wieder besser wird. Die Prognosen für die ersten 6 Monate in 2009 sehen jedoch alle nicht positiv aus. Mit welchen Möglichkeiten lässt sich der Preisverfall auffangen? Der Preisverfall ist nur zu verlangsamen, wenn die verarbeitende Industrie weiterhin Recyclate im gleichen Umfang einsetzt wie bisher. Einzelne Kunststoffverarbeiter spekulieren auf fallende Preise und kaufen zur Zeit keine oder weniger Recyclate ein und leeren ihre Läger. Dies führt bereits zur Absicht bei den Verwertern, eine deutlich längere Weihnachtspause als bisher beabsichtigt zu planen. Ist der Ausweg, verstärkt Kunststoffe über Ersatzbrennstoffe vom Markt zu nehmen eine Alternative? Ich denke, für ein Absteuern in den EBS-Markt sind die Preise für Altkunststoffe, die bisher in die Verwertung geliefert wurden, immer noch zu hoch und bleiben zu hoch. Die Preisdifferenz zwischen den Altkunststoffen und den Annahmepreisen für die EBS-Aufbereitung ist noch so groß, dass diese Lösung wirtschaftlich und ökologisch nicht sinnvoll ist. |
Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V., Bonn
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