| 27.11.2009 | Lesedauer: ca. 4 Minuten |
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Kaum ein anderes Land bietet so günstige Bedingungen für die Produktion von bio-basierten Kunststoffen wie Thailand. Das Land verfügt mit Cassava (Tapioka), Zuckerrohr, Reis, Bambus und Kautschuk über eine umfassende Rohstoffbasis. Vor allem Cassava-Stärke gilt als perfekter Rohstoff: Je nach Jahr werden zwischen 20 und 27 Mio. t Cassava produziert, von denen mehrere Millionen Tonnen pro Jahr als Stärke exportiert werden. Eine Nutzung im eigenen Land würde die Wertschöpfung allerdings erheblich steigern. Cassava ist zudem der preiswerteste Stärkelieferant in Thailand, und die Preise waren in den letzten Jahren im Gegensatz zu anderen Agrarrohstoffen nur geringen Schwankungen ausgesetzt. Neben der Rohstoffbasis verfügt Thailand über eine starke Kunststoffindustrie sowie F&E-Einrichtungen auf Weltniveau. Die produzierten Biokunststoffe sollen die wachsende Nachfrage im organischen Abfallsektor decken, dauerhafte Anwendungen erobern und auch exportiert werden. Verschiedene Ministerien wollen die Entwicklung und Produktion von bio-basierten Kunststoffen in Thailand fördern, bzw. günstige Rahmenbedingungen für die Industrie schaffen. Das Kabinett hat 2008 eine "National Bioplastic Roadmap" verabschiedet. Bereits heute sind acht internationale Unternehmen in diesem Bereich tätig, darunter die niederländische PURAC mit der größten Milchsäureproduktion der Welt und BASF mit biologisch abbaubaren (aber noch nicht bio-basierten) Kunststoffen. Firmen wie NatureWorks aus den USA und Uhde Inventa-Fischer aus Deutschland haben auch schon ein großes Interesse an dem Produktionsstandort Thailand gezeigt. Workshop zur Biokunststoff-Politik in Bangkok Um die Frage nach den geeigneten politischen Instrumenten zur Förderung bio-basierter Kunststoffe ging es am 18. November 2009 in Bangkok. Die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH, Eschborn/Bangkok, und die thailändische National Innovation Agency (NIA), Bangkok, hatten Experten aus Industrie, Verbänden, Forschung und Politik zu einem Workshop eingeladen. Zuvor hatte das nova-Institut, Hürth, in Zusammenarbeit mit Fraunhofer UMSICHT, Oberhausen, und der Bauhaus-Universität Weimar/Knoten Weimar für die GTZ eine Studie zu den weltweit bereits eingesetzten sowie neuen politischen Instrumenten zur Förderung von Biokunststoffen und Innovationen in der Abfallpolitik durchgeführt. Die Zwischenergebnisse wurden in Bangkok präsentiert und zur Diskussion gestellt. Dabei ging es um Instrumente der Steuerpolitik, Verbote und Gebote, Vorgaben beim öffentlichen Einkauf, direkte finanzielle Unterstützung sowie um Markteinführungsprogramme, F&E- und Informationsprojekte bis hin zur Gleichstellung der energetischen und stofflichen Nutzung. Gerade beim letzten Punkt zeigten sich die Experten aus Thailand sehr aufgeschlossen. Thailand hat in den letzten Jahren, ähnlich wie Deutschland, eine Reihe von Maßnahmen zur finanziellen Unterstützung von Bioenergie implementiert, darunter EEG-ähnliche Einspeisegesetze für Biomasse-Strom und geringere Abgaben für Biokraftstoffe. Neue Instrumente sollen entsprechend die Wettbewerbsfähigkeit von bio-basierten Kunststoffen verbessern. Die Ergebnisse der deutschen Wissenschaftler sind vor allem als Input für eine Strategie-Studie des "Petroleum and Petrochemical College" an der Chulalongkorn Universität in Bangkok gedacht, die in den nächsten Monaten konkrete Vorschläge für politische Instrumente ausarbeiten wird. Aus Sicht der Agrar-, Umwelt- und Innovationspolitik stehen vor allem bio-basierte Kunststoffe aus einheimischen Rohstoffen im Mittelpunkt des Interesses, um neue Arbeitsplätze und erhöhte Wertschöpfung im ländlichen Raum sowie neue Produktions- und Exportmöglichkeiten für die Kunststoffindustrie zu schaffen und ferner eine nachhaltige Bioökonomie zu fördern. Die Abfallpolitik hat dagegen vor allem biologisch abbaubare Einkaufs- und Komposttüten im Visier, welche dazu beitragen sollen, die Probleme bei der Behandlung organischen Mülls (14,4 Mio. t) sowie die Umweltverschmutzung durch Plastiktüten in der Umwelt zu verringern. Auf dem Workshop schlugen Berater der Regierung vor, ein "National Committee for Bioplastics" einzurichten, analog zu dem bereits existierenden für Bioenergie. Die Rahmenbedingungen seien so zu gestalten, dass Investitionen - gerne auch aus dem Ausland - in den Biokunststoffsektor attraktiv sind. Insgesamt entwickelt sich hier ein spannender Prozess. Sollte es in den nächsten Monaten in Thailand tatsächlich gelingen, die "National Bioplastic Roadmap" mit Leben zu füllen und geeignete politische Instrumente zu etablieren, dürfte Thailand tatsächlich gute Chancen haben, zum "Bioplastic Hub" Asiens zu werden. Weitere Informationen: www.nova-institut.de/nr |
nova-Institut für politische und ökologische Innovation GmbH, Hürth
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