| 22.10.2010 | Lesedauer: ca. 4 Minuten |
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Wie die London Metal Exchange (LME) ankündigt, wird sie die 2005 aufgelegten Future Kontrakte für PE-LLD und PP im kommenden Jahr aus dem Handel nehmen; der letzte Termin für alle acht laufenden Kontrakte soll am Freitag, den 29.04.2011 sein. Damit werden nach gut sechs Jahren die Bemühungen der Londoner Warenterminbörse, den Handel mit plastics futures am Rohstoffmarkt zu etablieren, eingestellt. Der Handel mit Termingeschäften für Kunststoffe wurde von der LME nach sechsmonatigem Vorlauf am 27. Mai 2005 gestartet. Trotz vieler Veränderungen und Optimierungen der Kontrakte (s. plasticker vom 18.06.2008 sowie der nachträglichen Einführung regionaler Kontrakte im Juni 2007 konnten nach eignen Angaben keine bedeutenden Handels- oder Transaktionsvolumina erzielt werden. Da die LME es für unwahrscheinlich hält, dass sich die diese Situation in absehbarer Zukunft ändert, hat die Börse nun entschieden, ihre Kräfte und Kapazitäten auf andere Geschäftsmöglichkeiten zu konzentrieren. Bestrebungen für mehr Transparenz und Sicherheit bei Kunststoff-Preisen durch Hedging-Instrumente waren nicht erfolgreich Wie Martin Abbott, Chief Executive der LME, erläuterte, hätte "die Börse bedeutende Anstrengungen unternommen, um der Kunststoff-Branche das Hedging von Rohstoffpreisen und die damit verbundene höhere Markttransparenz nahe zu bringen. Aber wir müssen jetzt feststellen, das diese Bemühungen nicht dazu geführt haben, ein auskömmliches Geschäftsvolumen zu erzielen, so dass der Zeitpunkt gekommen ist, diese Aktivitäten nun zu beenden." In letzten Jahren hatte die LME immer wieder beteuert, dass bei den Kunststoff Futures früher oder später eine ähnliche Entwicklung wie bei den Aluminium Futures zu erwarten sei. Bei letzteren dauerte es auch viele Jahre, bis sie in der Branche akzeptiert und eine Grundlage für die Preisbildung wurden. Die offizielle Entscheidung für das Ende dieser Kontrakte traf der LME Vorstand und folgte dabei einer Empfehlung des Executive Committee der Börse. Der Ankündigung folgte die Schaffung von Verfahrensweisen zur Einstellung der Börsennotierungen. Die LME hat dazu entschieden, dass die Kosten für das Zurückziehen ausstehender Optionen aus den Depots des LMEsword Systems erlassen werden. Die Menge aller offenen Positionen beträgt aktuell 228 Chargen à 24,75t, bis März 2011. Haben Future Kontrakte für Kunststoffe dennoch eine Zukunft? Seit die LME begann, sich im Kunststoffbereich zu engagieren, sind weltweit mehrere weitere Terminbörsen ebenfalls in das Geschäft mit Kunststoff Futures eingestiegen: So werden an der Chicago Mercantile Exchange und an der New York Mercantile Exchange sowie über das ClearPort System der gemeinsamen Muttergesellschaft CME Group zur Zeit Future Kontrakte für PE-HD, PE-LLD und PP gehandelt. In Asien handelte die Dubai Gold and Commodities Exchange bislang mit Futures für PE-HD, PE-LD, PE-LLD und PP, aber der aktuelle Stand dieser Kontakte gilt als unsicher. Und in Indien notiert die Multi Commodity Exchange of India Ltd. Futures für PE-HD, PP und PVC. Wie sich die plastics futures in Amerika und Asien und ihre Bedeutung für die regionalen Märkte künftig entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Zumindest in Nordamerika gab es ein relativ großes Interesse einer Anzahl namhafter Marktteilnehmer an der Nutzung von Futures zur Absicherung von Preisrisiken (Hedging) und an der damit einhergehenden höheren Transparenz und Vorhersehbarkeit der Preisbildung durch die Referenzpreise, welche aus dem Börsenhandel abgeleitet werden. In Europa gibt es hingegen - in der Kunststoff-Industrie - scheinbar noch (zu) wenig Akzeptanz und/oder Verständnis für ein solche Systeme. Dabei sind Warenterminbörsen sowohl zur Absicherung als auch zur zeitnahen, neutrale Preisfindung grundsätzlich attraktiv, liefern sie doch aktuellere und transparentere Preisnotierungen als Umfragesysteme mit im Nachhinein gewonnenen, vorinterpretierten Daten. Das sich Futures - anders als bei Metallen - im Kunststoffbereich (noch) nicht etablieren konnten, kann neben der geringen Akzeptanz des Hedgings bei den K-Verarbeitern und -Herstellern auch daran liegen, dass Kunststoffe eine deutlich höhere Variabilität aufwiesen als Metalle. Die vielen unterschiedlichen Spezifikationen auch nur bei einer Kunststoff-Type macht die für den Handel von Kontrakten notwendige Standardisierung bzw. Vergleichbarkeit schwierig. Über die London Metal Exchange (LME) Die LME betreibt einen der weltweit größten Handelsplätze für Kassa- und Termingeschäfte in unedlen und sonstigen Metallen, sowie seit 2005 auch für die Kunststoffe PP und PE-LLD. Damit ist sie, vor den Metallbörsen in Singapur (SIMEX) und New York (COMEX an der New York Mercantile Exchange), nach eigenen Angaben der weltgrößte Metallhandelsplatz. Die Börse ermittelt täglich weltweite Referenz- bzw. Kassakurse für Metalle und Kunststoffe, bietet Hedgegeschäfte an und ermöglicht auch die mit dem Handel verbundenen, physischen Lagerungen in 633 Lagerhäusern an 39 Standorten rund um den Globus. Bis zum Ende der Preisnotierungen für Kunststoffe an der LME wird der plasticker die Referenzpreise für PE-LLD und PP weiterhin kostenfrei veröffentlichen. |
London Metal Exchange, London
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