| 20.06.2012, 06:03 Uhr | Lesedauer: ca. 3 Minuten |
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Wie ist das Kunststoffrecycling in Spanien organisiert und wo liegen die Herausforderungen für das Land? Das waren die zentralen Fragen rund um das Gastland Spanien, das einen Schwerpunkt des diesjährigen Internationalen Altkunststofftages des bvse darstellte. Experten von Recyclingunternehmen und -organisationen in Spanien gaben den rund 400 Teilnehmern einen Überblick über das Kunststoffrecycling in ihrem Land und diskutierten mit den Branchenvertretern aus Deutschland. Deponierungsverbot braucht weiteren Ausbau der Recyclingstrukturen Über alle Wirtschaftsbereiche hinweg fallen in Spanien rund 2,21 Mio. Tonnen Kunststoffabfälle an, während 2,84 Mio. Tonnen in Verkehr gebracht werden. Zwischen 1996 und 2010 ist die Recyclingquote von 7 auf 29,2 Prozent gestiegen und liegt damit knapp über der EU-Vorgabe von 22,5 Prozent. Für Spanien bedeutet das Platz neun im europäischen Vergleich, wie Alberto Caldeiro Jiménez ausführte. Er arbeitet für die Organisation Cicloplast, die Unternehmen der Kunststoffbranche zusammenbringt und Recyclinglösungen entwickelt. Die Hauptmärkte für Recyclingkunststoffe sind Rohre (26 %), Mülltüten (11%), Folien und Tüten (23%), Flaschen und Behälter (5%), Industrieteile (15%) sowie Möbel, Schuhe, Kleiderbügel (20%). Immer noch werden aber 60 Prozent der Kunststoffabfälle deponiert. Caldeiro kritisierte, dass Abfälle in Spanien zu häufig den billigsten Weg gehen und forderte ein Deponierungsverbot, um die Verwertungsstrukturen weiter zu stärken. Dies ginge jedoch nicht von heute auf morgen: Zu groß sei die Gefahr, dass davon zunächst statt des Recyclings die energetische Verwertung profitiert. Spanien brauche noch etwas Zeit und müsse behutsam vorgehen. bvse-Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock sagte Caldeiro die Unterstützung seines Verbandes bei der Entwicklung von Strategien in Richtung Deponierungsverbot zu. Flächendeckende Getrenntsammlung von Kunststoffen aus Haushalten Wie in Deutschland wird das Verpackungsrecycling in Spanien von den Herstellern finanziert. Zuständig für die Lizensierung mit dem spanischen Grünen Punkt ist jedoch einzig das Non-Profit-Unternehmen Ecoembes. Dieses hat ein System für die Getrenntsammlung und das Recycling von Verpackungen aus Papier, Metall und Kunststoffen aufgebaut, dem über 12.100 Unternehmen angeschlossen sind, darunter Verpackungshersteller, Händler, Rohstoffhersteller und Recyclingunternehmen. Mercedes Gómez von Ecoembes rechnete vor, dass in Spanien über dieses System pro Jahr rund 706.500 Tonnen Kunststoffabfälle aus Haushalten anfallen und heute 98 Prozent der Spanier an eine Getrenntsammlung über die gelbe Tonne angeschlossen sind. Darüber hinaus gibt es komplementäre Sammlungen an öffentlichen Plätzen und bei Events. Mit einer Recyclingquote von rund 50 Prozent bei den Kunststoffverpackungen übertraf Ecoembes im Jahr 2011 die Vorgaben der EU und liegt bezogen auf Verpackungen im europäischen Vergleich auf Platz fünf hinter Belgien, Österreich, Deutschland und Tschechien. Ecoembes arbeitet derzeit daran, neue Anwendungen für Recyclingkunststoffe zu finden. Aufgrund eines bis vor zwei Jahren geltenden Verbotes für den Einsatz von Recyclingkunststoffen für Lebensmittelverpackungen sieht Gómez hier großes Potential für Spanien aufzuholen. Mehr Recycling von Kunststoffen aus landwirtschaftlichen Anwendungen Neben den Kunststoffen aus Haushalten ist in Spanien das Recycling von Agrarkunststoffen, insbesondere von Folien für Gewächshäuser oder Felder, von steigender Bedeutung. Pro Jahr werden rund 203.000 Tonnen Agrarkunststoffe verwendet, davon fallen rund 172.000 Tonnen als Abfall an. Ab 2015 sind die Marktbeteiligten dazu verpflichtet, eine Sammelquote von 100 Prozent zu erreichen, insbesondere in Andalusien, wo 75 Prozent der Agrarkunststoffe zum Einsatz kommen. Cicloplast entwickelt derzeit ein System, mit dem die Produzenten, Converter, Inverkehrbringer und Landwirte ihren Pflichten nachkommen können, um einer Ökosteuer auf diese Produkte zuvor zu kommen. Herausforderungen beim Recycling von Landwirtschaftsfolien sind die hohe Heterogenität des Stoffstroms, fehlende Märkte für das Recyclat, dünne Ausgangsmaterialien sowie die hohe organische Kontamination, erläuterte Caldeiro. Auch der Einsatz von Biokunststoffen in der Landwirtschaft, die nach der Ernte einfach untergepflügt werden, wird derzeit getestet. Die Ergebnisse sind jedoch noch nicht zufriedenstellend, da die Materialien sehr stabile Bedingungen für die Zersetzung benötigen, die in der Natur oft nicht vorzufinden sind. Weitere Informationen: www.bvse.de |
Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V., Bonn
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