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17.02.2026, 14:06 Uhr | Lesedauer: ca. 4 Minuten    

26. Composites-Markterhebung: Geschäftslage in Europa ver­schlecht­ert sich - Investitionsbereitschaft rückläufig

Composites Germany hat zum 26. Mal zentrale Kennzahlen zur Marktentwicklung faserverstärkter Kunststoffe erhoben. An der Befragung beteiligten sich die Mitgliedsunternehmen der Trägerverbände AVK und Composites United sowie des assoziierten Partners VDMA. Um die Vergleichbarkeit mit früheren Erhebungen sicherzustellen, blieb das Befragungsdesign unverändert. Erfasst wurden überwiegend qualitative Einschätzungen zur aktuellen und künftigen Marktentwicklung.

Geschäftslage: Eintrübung in Europa und Deutschland
Nachdem die vorangegangene Erhebung noch eine positive Tendenz bei der Bewertung der allgemeinen Geschäftslage in allen betrachteten Regionen gezeigt hatte, verschlechtert sich das Stimmungsbild aktuell wieder. Für Europa und Deutschland wird die gegenwärtige Geschäftslage mehrheitlich negativ beurteilt. Die weltweite Lage wird hingegen weiterhin verhalten optimistisch eingeschätzt.

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Gleichzeitig bewerten die Unternehmen ihre eigene wirtschaftliche Situation nochmals kritischer als zuvor. Diese negative Selbsteinschätzung zeigt sich über alle Regionen hinweg.

Abbildung 1: Composites-Index – Bewertung derzeitige generelle Geschäftslage - (Grafiken: Composites Germany).
Abbildung 1: Composites-Index – Bewertung derzeitige generelle Geschäftslage - (Grafiken: Composites Germany).


Abbildung 2: Composites-Index – Bewertung derzeitige eigene Geschäftslage
Abbildung 2: Composites-Index – Bewertung derzeitige eigene Geschäftslage

Die Einschätzungen stehen im Einklang mit aktuellen Marktdaten zur europäischen Composites-Industrie. Seit 2021 ist das Marktvolumen infolge der Corona-Krise um rund 20 Prozent zurückgegangen. Als Ursachen werden unter anderem zunehmender internationaler Wettbewerb, insbesondere aus Asien und den USA, sowie der Verlust früher bedeutender Exportmärkte genannt. Diese Märkte werden verstärkt durch lokale Produktion bedient. Zusätzlich wirken sich Handelshemmnisse, etwa durch die US-Zollpolitik, belastend aus.

Strukturelle Schwächen des europäischen Industriesektors sowie eine Verlagerung industrieller Produktion ins Ausland verschärfen die Situation. Besonders deutlich zeigen sich die Auswirkungen im Hauptanwendungsbereich Transport und Automotive. Andere Segmente wie Bau/Infrastruktur oder Elektro/Elektronik konnten die Rückgänge bislang nicht kompensieren.

Die Branche weist eine hohe Abhängigkeit von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung auf. Die wirtschaftliche Lage in Europa und insbesondere in Deutschland wird von den Befragten weiterhin als unzureichend bewertet. Politische Maßnahmen wie das deutsche Sondervermögen in Höhe von 500 Milliarden Euro zur Modernisierung von Infrastruktur, Klimaschutz, Digitalisierung und Bildung zeigen bislang noch keine spürbaren Effekte für die Branche.

Gedämpfte Erwartungen für Europa, verhaltener Optimismus weltweit
Die Zukunftserwartungen der Unternehmen sind zurückhaltend. Für Europa und Deutschland gehen die entsprechenden Kennzahlen weiter zurück. Weltweit wird zwar eher mit einer Verbesserung gerechnet, jedoch erwartet nur rund ein Fünftel der Befragten eine positive Entwicklung. Etwa 80 Prozent rechnen mit einer gleichbleibenden oder schlechteren Geschäftslage.

Abbildung 3: Composites-Index – Bewertung zukünftige generelle Geschäftslage
Abbildung 3: Composites-Index – Bewertung zukünftige generelle Geschäftslage

Investitionsklima verschlechtert sich
Nach einer vorübergehenden Aufhellung im Sommer 2025 trübt sich das Investitionsklima wieder ein. Dies betrifft sowohl geplante Maschinen- und Anlageninvestitionen als auch die Personalplanung.

Der Anteil der Unternehmen, die Maschineninvestitionen planen oder für wahrscheinlich halten, sinkt von 50 Prozent im zweiten Halbjahr 2025 auf 38 Prozent.

Abbildung 4: Einschätzung zu Maschinen-/Anlageninvestitionen im kommenden halben Jahr (Zu 100 Prozent fehlende Angaben resultieren aus Rundungsungenauigkeiten).
Abbildung 4: Einschätzung zu Maschinen-/Anlageninvestitionen im kommenden halben Jahr (Zu 100 Prozent fehlende Angaben resultieren aus Rundungsungenauigkeiten).

In der Personalplanung zeigt sich ein differenziertes Bild: Der Anteil der Unternehmen mit Plänen zum Personalaufbau steigt leicht von 15 auf 18 Prozent. Gleichzeitig nimmt jedoch auch der Anteil derjenigen zu, die einen Personalabbau erwarten – von 27 auf 36 Prozent.

Mehr als ein Drittel der Befragten plant, das Engagement im Composites-Bereich auszuweiten. Nur ein geringer Anteil rechnet mit einer Reduzierung der Aktivitäten.

Unterschiedliche Perspektiven in den Anwendungsindustrien
Die Erwartungen an die Entwicklung einzelner Anwendungsfelder fallen heterogen aus. Der wichtigste Bereich, Mobilität, befindet sich insbesondere in Europa und Deutschland in einer strukturellen Krise. Entsprechend verhalten sind hier die Wachstumserwartungen.

Abbildung 5: Einschätzung zur Entwicklung ausgewählter Anwendungsbereiche (Zu 100 Prozent fehlende Angaben resultieren aus Rundungsungenauigkeiten).
Abbildung 5: Einschätzung zur Entwicklung ausgewählter Anwendungsbereiche (Zu 100 Prozent fehlende Angaben resultieren aus Rundungsungenauigkeiten).

Positive Impulse werden vor allem für die Luftfahrt sowie für Bau- und Infrastrukturanwendungen erwartet. Nach mehreren Jahren rückläufiger Bauleistung wird für Deutschland ab 2026 wieder mit einem Anstieg des Bauvolumens gerechnet. Prognosen gehen von einem Zuwachs von 1,7 Prozent im laufenden Jahr und 3,4 Prozent im Jahr 2027 aus. Dies könnte auch für die Composites-Nachfrage in diesem Segment relevant werden.

Wachstumstreiber: Regionale Verschiebungen
Bei den erwarteten Wachstumstreibern zeigen sich leichte Verschiebungen. Die Bedeutung einzelner Materialsysteme wie CFK und GFK nimmt in der Einschätzung etwas ab, während materialübergreifende Lösungen stärker in den Fokus rücken. Composites als Werkstoffgruppe insgesamt werden häufiger als künftiger Wachstumstreiber genannt.

Regional werden zunehmende Wachstumsimpulse aus Asien erwartet. Deutschland verliert in der Wahrnehmung an Bedeutung, während Europa insgesamt leicht positiver bewertet wird. Nordamerika bleibt als Wachstumstreiber auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau.

Composites-Index erneut im Minus
Der Composites-Index, der verschiedene Einschätzungen zur aktuellen und zukünftigen Marktlage bündelt, dreht nach einer vorangegangenen Aufhellung erneut ins Negative. Lediglich die Bewertung der zukünftigen allgemeinen Geschäftslage weist noch eine leicht positive Tendenz auf.

Abbildung 6: Composites-Development-Index
Abbildung 6: Composites-Development-Index

Insgesamt zeigt die 26. Composites-Markterhebung eine angespannte Situation der Branche in Europa und Deutschland bei gleichzeitig verhaltenem Optimismus für die globale Entwicklung. Die weitere Marktentwicklung wird maßgeblich von gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen, industriepolitischen Maßnahmen und der Entwicklung zentraler Anwendungsindustrien abhängen.

Die nächste Composites-Markterhebung ist für Juli 2026 angekündigt.

Weitere Informationen: www.composites-germany.org, www.avk-tv.de

Composites Germany, c/o AVK-TV GmbH, Frankfurt am Main

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