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24.04.2026, 06:06 Uhr | Lesedauer: ca. 3 Minuten    

Recycario: rLDPE-Regranulat gewinnt an Marktgewicht - Preisvorteil von LDPE-Neuware schwindet

Die Preisentwicklung auf den europäischen Polymermärkten hat sich seit Ende Februar 2026 deutlich verändert. Auslöser sind geopolitische Verwerfungen, die innerhalb kurzer Zeit zu erheblichen Preisbewegungen bei primärem LDPE geführt haben. Die Spotpreise stiegen von rund 1.150 EUR/t im Februar auf bis zu 1.700 EUR/t Mitte März. In den Monatsverhandlungen für März wurden zudem Aufschläge von bis zu 500 EUR/t gefordert, wodurch das Preisniveau für Neuware auf über 2.000 EUR/t anstieg.

(Tabelle: Recycario).
(Tabelle: Recycario).

Nach Einschätzung des Recycario Data Science Institute und der prognostica GmbH verliert primäres LDPE damit einen wesentlichen Teil seines bisherigen Preisvorteils gegenüber rLDPE-Regranulaten. Die bisherige Marktstruktur, in der Neuware über längere Zeit preislich günstiger verfügbar war, gerät dadurch unter Druck. Für den Markt für Regranulate ergeben sich daraus veränderte Wettbewerbsbedingungen und eine spürbar erhöhte Dynamik.

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Besonders deutlich zeigt sich dies in der Entwicklung des Preisgefüges bei rLDPE. Der Abstand zwischen den Preisen für Ballenware der Sorte K40 als Inputmaterial und den Verkaufspreisen für rLDPE-Regranulat hat sich merklich verringert. Während zwischen Inputkosten und Regranulatpreisen historisch ein vergleichsweise stabiler Spread bestand, ist dieser Abstand im aktuellen Marktumfeld deutlich geschrumpft. Dies weist darauf hin, dass Recycler steigende Rohstoffkosten bislang nur eingeschränkt und mit Verzögerung an den Markt weitergeben konnten.

Im März zog das Preisniveau für rLDPE zwar an, die Entwicklung fiel jedoch je nach Qualitäten unterschiedlich aus. Im unteren Preissegment wurden teils kurzfristige Preisbewegungen von mehr als 50 EUR/t beobachtet. Hochwertige und sortenreine Qualitäten verteuerten sich mit etwa 40 EUR/t etwas moderater. Trotz dieser Aufschläge bleibt der Margendruck für Recycler hoch. Nach der vorliegenden Einschätzung reicht die bisherige Preisreaktion nicht aus, um die gestiegenen Kosten aufzufangen. Für viele Anbieter wird eine deutlich stärkere Preisanhebung bei Regranulaten als notwendig angesehen, um die aktuelle Kostenstruktur überhaupt noch abdecken zu können.

Das Liniendiagramm zeigt die Entwicklung von rLDPE-Preisen (historisch und prognostisch) – „value ldpe Actuals (Hist.)“, bzw. „Forecast Custom“(schwarz / orange) (Die weiteren Linien stellen reine Verlaufskurven dar und beziehen sich nicht auf die linksseitige Skala) - im Verhältnis zu Ballenware (K40) – „value-k-40 Actuals / Custom“ (blau). Auffällig ist die Annäherung der Preislinien im aktuellen Szenario, was auf eine zunehmende Margenkompression im Recyclingprozess hinweist - (Diagramm: Recycario).
Das Liniendiagramm zeigt die Entwicklung von rLDPE-Preisen (historisch und prognostisch) – „value ldpe Actuals (Hist.)“, bzw. „Forecast Custom“(schwarz / orange) (Die weiteren Linien stellen reine Verlaufskurven dar und beziehen sich nicht auf die linksseitige Skala) - im Verhältnis zu Ballenware (K40) – „value-k-40 Actuals / Custom“ (blau). Auffällig ist die Annäherung der Preislinien im aktuellen Szenario, was auf eine zunehmende Margenkompression im Recyclingprozess hinweist - (Diagramm: Recycario).

Parallel zur Preisentwicklung nahm auch die Handelsaktivität spürbar zu. Auf einem beobachteten europäischen Online-Marktplatz wurden im März rund 4.000 Tonnen rLDPE gehandelt. Im Januar lagen die erfassten Mengen noch bei etwa 1.300 Tonnen, im Februar bei rund 1.500 Tonnen. Der deutliche Volumenanstieg wird als Hinweis darauf gewertet, dass die Substitution von Primärmaterial durch Regranulat bereits eingesetzt hat. Auffällig ist dabei, dass ein erheblicher Teil der gehandelten Mengen aus europäischen Recyclingquellen stammt.

Mit dem Nachfrageanstieg rückt zugleich die Verfügbarkeit von Ressourcen stärker in den Mittelpunkt. Ein wesentlicher Teil der jüngsten Marktbewegung dürfte nach Einschätzung der Analyse durch vorhandene Lagerbestände gedeckt worden sein. Sollte die erhöhte Nachfrage anhalten, könnten kurzfristig Engpässe bei Inputmaterialien entstehen. Vor allem die Versorgung mit Ballenware der Sorte K40 gewinnt damit an Bedeutung. Da gleichzeitig die Preise für Primärmaterial hoch bleiben und globale Lieferketten weiter beeinträchtigt sind, ist kurzfristig keine spürbare Entlastung durch Importe zu erwarten.

Im Vergleich zum Primärmarkt zeigt sich die Preisentwicklung bei rLDPE insgesamt deutlich stabiler. In einer indexierten Betrachtung mit Basis Q4 2023 = 100 liegt das Preisniveau im Frühjahr 2026 bei rund 113 Punkten. Der Anstieg fällt damit moderat aus und verweist auf eine im Verhältnis höhere Planbarkeit. Während der Primärmarkt von starken Ausschlägen geprägt ist, erweist sich Regranulat zunehmend als berechenbarer Beschaffungsfaktor.

(Grafik: Recycario).
(Grafik: Recycario).

Insgesamt deutet die Entwicklung darauf hin, dass rLDPE-Regranulate ihre Rolle im europäischen Beschaffungsmarkt ausbauen. Der Verlust des Preisvorteils von Neuware, die gestiegene Handelsaktivität und die vergleichsweise stabile Preisentwicklung verschieben die Marktgewichte. Gleichzeitig verschärfen sich die Anforderungen an die Rohstoffversorgung der Recycler, insbesondere mit Blick auf die Verfügbarkeit geeigneter Inputmaterialien.

Weitere Informationen: www.recycario.com, www.prognostica.de

Recycario Data Science Institut für wirtschaftliches Kunststoffrecycling, Erlensee

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