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21.09.2026, 08:32 Uhr | Lesedauer: ca. 3 Minuten    

VDI: Richtlinienentwurf 4095 soll Bewertung und Kreislaufführung von Kunststoffen vereinheitlichen

Mit dem im September 2026 veröffentlichten Entwurf der Richtlinie "VDI 4095 – Bewertung von Kunststoffen in der Kreislaufwirtschaft" will der VDI zentrale Begriffe, rechtliche Grundlagen, Recyclingverfahren und Bewertungsmethoden für Kunststoffe systematisieren. Ziel ist eine einheitlichere Grundlage für Akteure entlang der Wertschöpfungskette – von Produktentwicklung und Produktion über Nutzung und Sammlung bis zu Sortierung und Recycling. Der Entwurf umfasst 72 Seiten; die Einspruchsfrist endet am 28. Februar 2027. Der Preis für die PDF-Fassung liegt bei 165 Euro inklusive Mehrwertsteuer.

Hoher Anteil energetischer Verwertung
Ausgangspunkt ist die weiterhin geringe stoffliche Kreislaufführung von Kunststoffabfällen in Deutschland. Nach dem "Stoffstrombild Kunststoffe in Deutschland 2023" der Conversio Market & Strategy GmbH wurden 2023 insgesamt 5,58 Mio. t Post-Consumer-Kunststoffabfälle erfasst. Davon wurden 64 % energetisch verwertet und 35 % recycelt.

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Dem stehen deutlich größere Mengen an neu erzeugten Kunststoffen aus fossilen Rohstoffen gegenüber. Für 2023 nennt die Studie 8,82 Mio. t Kunststoffneuware aus fossilen Rohstoffen, während 2,01 Mio. t Kunststoffrezyklate hergestellt wurden. Aus Sicht des VDI zeigt dieses Verhältnis, dass das technische Potenzial des Rezyklateinsatzes bislang nur teilweise genutzt wird.

Richtlinie betrachtet die gesamte Kreislaufwirtschaft
Die "VDI 4095" setzt nicht ausschließlich beim eigentlichen Recyclingprozess an. Sie beschreibt die Kreislaufführung von Kunststoffen über die gesamte Wertschöpfungskette und bezieht Design, Produktion, Verarbeitung, Inverkehrbringen, Nutzung, Abfallsammlung, Sortierung und Recycling ein. Darüber hinaus behandelt der Richtlinienentwurf Kennzahlen, rechtliche Aspekte und die Bewertung von Werkstoffen.

Ein Schwerpunkt liegt auf einer gemeinsamen Terminologie sowie auf der Standardisierung von Bewertungsansätzen und Qualitätsanforderungen. Damit sollen technische und organisatorische Schnittstellen zwischen Produktentwicklung, Herstellung, Nutzung und Recycling klarer beschrieben werden. Hintergrund ist, dass hochwertige Rezyklate technisch bereits in unterschiedlichen Anwendungen eingesetzt werden können, der breitere Einsatz jedoch unter anderem durch uneinheitliche Anforderungen und mangelnde Abstimmung zwischen den Stufen der Wertschöpfungskette begrenzt wird.

Rezyklate als Faktor für Rohstoffversorgung und Preisstabilität
Neben Umweltaspekten verweist der VDI auf die rohstoffwirtschaftliche Bedeutung geschlossener Kunststoffkreisläufe. Da die Produktion vieler Primärkunststoffe auf fossilen Rohstoffen basiert, ist Deutschland bei den Ausgangsstoffen in hohem Maß auf Importe und internationale Lieferketten angewiesen.

Die unterschiedliche Preisentwicklung von Neuware und Rezyklaten im Jahr 2026 verdeutlicht diese Abhängigkeit. Nach von der K-Zeitung veröffentlichten Marktdaten stieg der Preis für LDPE-Filmneuware von rund 1.800 Euro/t im Januar auf etwa 3.100 Euro/t im Mai 2026. Das entspricht einem Anstieg von rund 72 %. Im gleichen Zeitraum erhöhte sich der Preis für rLDPE-Folienregranulat von rund 1.345 auf 1.450 Euro/t und damit um etwa 8 %. Rezyklate waren damit in dieser Marktphase deutlich weniger volatil als entsprechende Primärmaterialien.

Für Recyclingunternehmen bleibt zugleich die Verfügbarkeit geeigneter Eingangsmaterialien ein wesentlicher Engpass. Steigende Preise für sortierte Kunststoffabfälle und der Export geeigneter Stoffströme können die Kosten der Aufbereitung erhöhen und die Versorgung mit hochwertigem Recyclingmaterial begrenzen.

Entwurf bis Ende Februar 2027 kommentierbar
Der Entwurf der "VDI 4095 – Bewertung von Kunststoffen in der Kreislaufwirtschaft" ist seit September 2026 verfügbar. Stellungnahmen und Einsprüche können bis zum 28. Februar 2027 eingereicht werden. Die Richtlinie richtet sich insbesondere an Kunststoffproduzenten, Verarbeiter, Sammler, Aufbereiter, Recycler und Produktdesigner und soll eine gemeinsame technische Bewertungsgrundlage für die Kreislaufführung von Kunststoffen schaffen.

Weitere Informationen: www.vdi.de

VDI Verein Deutscher Ingenieure e.V., Düsseldorf

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