| 18.10.2011, 06:00 Uhr | Lesedauer: ca. 3 Minuten |
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Biobasierte Kunststoffe sind heute schon in vielen technischen Anwendungen Realität und werden nach Einschätzung der Referenten aus Industrie und Wissenschaft auch in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen - es gilt aber auch, den großen Forschungs- und Entwicklungsbedarf aufzugreifen und die vorhandenen Hürden zu überwinden. Rund 90 Teilnehmer folgten am 30.09.2011 der Einladung der Kunststoffwerkstatt - eine Initiative der Dr. Reinold Hagen Stiftung und der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg - und informierten sich in der Vortragsveranstaltung mit Begleitausstellung über vielversprechende technische Anwendungen, Trends und Einsatzgebiete der neuen Biokunststoffe (Siehe auch plasticker-News vom 16.9.2011). Im Vortragsblock Marktübersicht berichtete Dr. Olaf Bruch, F&E-Leiter der Dr. Reinold Hagen Stiftung, über aktuelle Marktdaten und gab einen ersten Einblick in technische Anwendungsbeispiele aus dem Bereich Verpackung und Automobil. Nach Einschätzung von Maren Bengs, wissenschaftliche Mitarbeiterin der FH Hannover ist derzeit insbesondere eine starke Entwicklung im Bereich beständiger biobasierter Biopolymere zu verzeichnen. Mit der Biopolymerdatenbank gibt es an der FH Hannover ein kostenlos verfügbares Infotool, in dem mehr als 500 Materialtypen u.a. mit Datenblättern und Bauteilbildern hinterlegt sind. Michael Tesch vom Kunststoff-Institut Lüdenscheid ergänzte die Marktübersicht mit Informationen zu Materialtrends und weiteren Anwendungsbeispielen. Nach seiner Einschätzung sind technische Anwendungen heute Realität und die Modifizierung von Materialien wird die weitere Einsatzfähigkeit von Biokunststoffen in vielen Industriezweigen entscheidend beeinflussen. Wo und wie das geschieht wurde unter der Überschrift Anwendungen und Stand der Technik im zweiten Vortragsblock behandelt. Dr. Norbert Eisenreich, Fraunhofer ICT, stellte mit Arboform® eine neue Werkstofffamilie im Kunststoffmarkt vor und ging neben konkreten Anwendungsbeispielen auch auf die wesentlichen Vor- und Nachteile von BioComposites ein. Auf maßgeschneiderte Biokunststoffblends und deren Anwendung ging Carmen Michels von der FKuR GmbH ein. Nach ihrer Einschätzung wird die Kombination verschiedener Biokunststoffrohstoffe durch Compoundierung die Anwendungsvielfalt und Verarbeitbarkeit weiter erhöhen. Besonderheiten bei der Verarbeitung von Biokunststoffen im Spritzgussverfahren waren der Schwerpunkt im Vortrag von Martin Würtele, KraussMaffei Technologies GmbH. Würtele stellte dazu Ergebnisse von umfangreichen Verschleiß- und Einflussanalysen im Vergleich von synthetischen und biobasierten Polyamiden (unverstärkt und glasfaserverstärkt) vor. Weitere maschinen- und verfahrenstechnische Untersuchungen sollen folgen, u.a. zum Einsatz unterschiedlicher Schneckengeometrien und zum Langzeitverschleißverhalten. Doch was nützen die besten Ideen und technischen Innovationen ohne die erforderlichen Spezialisten?, fragt der Veranstalter. Das Thema "Fachkräftemangel" wurde zum Abschluss der Veranstaltung aufgegriffen und mit Unternehmern und angehenden Nachwuchskräften diskutiert, ob z.B. da Thema "Bio" naturwissenschaftlich-technische Berufe attraktiver erscheinen lassen. Natürlich gebe es keine Patentrezepte und gerade die kleinen und mittleren Unternehmen der Kunststoffbranche müssen sich zunehmend mehr engagieren, um eine ausreichende Anzahl an qualifizierten Bewerbern zu erhalten. Lösungsansätze skizzierte Marcus Kottmann von Institut für angewandte Innovation (IAI, Ruhruniversität Bochum) in seinem Impulsvortrag und appellierte, dass sich innovative "Mittelständler" verstärkt an dualen Studiengängen beteiligen sollten. Folge-Veranstaltungen geplant Die Initiatoren der Kunststoff-Werkstatt wollen auch aufgrund der positiven Teilnehmerrückmeldungen das Thema Biokunststoffe weiterverfolgen. Neben weiteren Veranstaltungen sollen Themenschwerpunkte in konkreten Projektarbeiten aufgegriffen werden. Weitere Informationen: www.hagen-stiftung.de |
Dr. Reinold Hagen Stiftung, Bonn
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