| 29.10.2009 | Lesedauer: ca. 3 Minuten |
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Schwedischen Medienberichten vom Montag zufolge hat die Wirtschaftskrise den weltweit aktiven Hersteller von Schneidmühlen Rapid Granulator AB so stark getroffen, dass er nun von Insolvenz bedroht sei. Angeblich rechne das Unternehmen in diesem Jahr mit einem Verlust von 20 Mio SEK (ca. 2 Mio Euro). Wie das Unternehmen selbst am Montag mitteilte, hat es bereits am 23.10.2009 beim Amtsgericht in Jönköping einen Antrag auf die so genannte" företagsrekonstruktion" (Gläubigerschutz, s.u.) gestellt. Das Gericht hat diesem Antrag stattgegeben und den Rechtsanwalt Mikael Kubu von der Firma Ackordscentralen zum Verwalter bestellt, der diese Rolle z.B. auch bei dem ähnlich gelagerten Verfahren beim Autobauer Saab inne hat. In seinem Brief an die Geschäftspartner von Rapid, nannte CEO Rolf Gren mehrere Gründe für diesen Schritt: Zum einen habe die Wirtschaftskrise auf Rapid als Lieferanten des produzierenden Gewerbes starke Auswirkungen, sowohl auf den Umsatz als auch auf die Margen – so sei z.B. auch das profitable Service-Geschäft um 1/3 eingebrochen. Zum anderen sei die Expansion in China mit der Übernahme des Schneidmühlenherstellers Avian Machinery (s. plasticker vom 26.06.2009) mit sehr hohen Kosten verbunden gewesen. Die bereits eingeleiteten Maßnahmen zur Kostensenkung seien noch nicht hinreichend. Laut Firmenleitung droht keine Insolvenz – Geschäfte sollen normal weiterlaufen Gren betonte in seinem Schreiben, dass es sich nicht um einen Konkurs handele, sondern um eine „Unternehmens-Rekonstruktion“ nach dem besonderen schwedischen Recht dazu, deren Ziel es sei, die Schulden abzubauen und die Firma zu restrukturieren. Man sei diesen Schritt freiwillig und in Abstimmung mit der Hausbank Nordea gegangen. Als Maßnahme zur deutlichen Senkung der Kosten nennt Gren auch Personalabbau, zu Einzelheiten wollte er sich am Mittwoch gegenüber dem plasticker nicht äußern, er sagte nur, dass die Geschäfte ungestört fortgeführt würden – „business as usual“, dass man allen Verpflichtungen nachkomme und dass er erwarte, dass Rapid gestärkt aus dem Verfahren hervorgehen werde. Die företagsrekonstruktion (wörtlich: Unternehmensrekonstruktion) ist nach schwedischem Recht eine Art Vorstufe der Insolvenz, ähnlich dem amerikanischem Gläubigerschutz nach Chapter 11. Ein Unternehmen erhält auf Antrag bei Gericht eine Schonfrist (in der Regel zunächst 3 Monate, kann auf bis zu 12 Monate verlängert werden), um mit Unterstützung eines externen Verwalters seine Finanzen zu ordnen, sowie sich dabei gegebenenfalls neu zu strukturieren und auszurichten. Während dieser Zeit ist kein Konkursantrag durch die Gläubiger möglich und das Schuldnerunternehmen bleibt formell Eigentümer sämtlicher Vermögenswerte. Deutsche Tochtergesellschaft bisher nicht betroffen Der kaufmännische Leiter der deutschen Tochter sagte gegenüber dem plasticker, dass die deutsche Rapid Granulier-Systeme GmbH & Co. KG, die für rund 20% der weltweiten Umsätze der Rapid Group steht, von den Ereignissen in Schweden nicht betroffen sei; weder drohe hierzulande eine Insolvenz, noch denke man an Personalabbau. Man sei zwar eine 100%ige Tochtergesellschaft, agiere in Deutschland aber dennoch unabhängig und die Versorgung mit Neumaschinen und Ersatzteilen seitens der Muttergesellschaft sei weiterhin gewährleistet und man rechne nicht mit Störungen. Über Rapid Granulator Rapid Granulator AB, mit Hauptsitz in Bredaryd, Schweden, beschäftigt nach eigenen Angaben weltweit 265 Mitarbeiter, davon 140 in Schweden; die deutsche Tochter hat 14 Mitarbeiter. Rund 95 Prozent seiner Produktion geht in den Export. Zur Unterstützung des Vertriebs hat die Firma sieben Tochtergesellschaften, in Cranberry Township (USA), Shanghai, Singapur, Venedig, Lyon, Beirut und im deutschen Kleinostheim. Mit mehr als 70.000 installierten Maschinen auf über fünf Kontinenten sieht sich Rapid als Weltmarktführer im Bereich der Zerkleinerung von Kunststoffresten und dem Recycling von Industrie- und Postconsumerabfällen. Die schwedische Muttergesellschaft berichtete für 2008 von einem Umsatz von 184 Mio. SEK (knapp 18 Mio. Euro). Hinzu kamen nach Schätzungen der deutschen Tochtergesellschaft noch rund 12 Mio. Euro Jahresumsatz der Tochtergesellschaften, davon allein rund 6 Mio. Euro aus Deutschland. Weitere Informationen: www.rapidgranulator.com |
Rapid Granulator AB, Bredaryd, Schweden
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