| 30.01.2026, 15:07 Uhr | Lesedauer: ca. 3 Minuten |
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Die von der Zentralen Stelle Verpackungsregister (ZSVR) und dem Umweltbundesamt für das Jahr 2024 gemeldete Kunststoffrecyclingquote von rund 71 Prozent liegt etwa zwei Prozentpunkte über dem Vorjahreswert. Aus Sicht des bvse-Fachverbandes Kunststoffrecycling erlaubt dieser Anstieg jedoch keine belastbaren Rückschlüsse auf den tatsächlichen Zustand der Kunststoffkreislaufwirtschaft. Vielmehr bestehe die Gefahr, dass statistische Kennzahlen strukturelle und wirtschaftliche Probleme der Branche überdecken. Nach Angaben des Fachverbandes handelt es sich bei den ausgewiesenen Quoten um sogenannte Zuführquoten. Diese geben an, welche Mengen an Kunststoffabfällen einer Recyclinganlage zugeführt werden, nicht jedoch, in welchem Umfang daraus marktfähige Rezyklate entstehen oder tatsächlich als Ersatz für fossile Neuware eingesetzt werden. Die Recyclingquote bilde daher weder die Qualität des Recyclings noch die reale Nachfrage nach Sekundärrohstoffen ab. Parallel zu den steigenden Quoten hat sich die wirtschaftliche Lage vieler Kunststoffrecycler in Deutschland und Europa in den vergangenen zwei Jahren deutlich verschlechtert. Zahlreiche Unternehmen haben ihre Tätigkeit eingestellt oder ihre Kapazitäten erheblich reduziert. Die verbliebenen Betriebe berichten von stark gefüllten Lagern. Große Mengen hochwertiger Rezyklate finden derzeit keine Abnehmer, obwohl sie formal als recycelt gelten. Aus Sicht des Fachverbandes wird damit zwar eine rechnerische Quote erfüllt, ein funktionierender Stoffkreislauf jedoch nicht erreicht. Besonders deutlich zeigt sich dieses Spannungsfeld bei flexiblen Polyolefin-Verpackungen. Für diesen Materialstrom bestehen weiterhin kaum stabile Absatzmärkte. Um die gesetzlichen Recyclingvorgaben zu erfüllen, zahlen Sortieranlagen Recyclern teilweise höhere Zuzahlungen als bei einer energetischen Verwertung anfallen würden, damit das Material überhaupt übernommen wird. Dies verdeutlicht nach Einschätzung des bvse die fehlende wirtschaftliche Tragfähigkeit bestimmter Recyclingströme. Hinzu komme, dass der Anteil des hochwertigen Kunststoffrecyclings, das nach den Mindeststandards der ZSVR tatsächlich fossile Neuware substituiert, nach Angaben des Fachverbandes derzeit unter acht Prozent liegt. In dieser Zahl sind PET-Flaschen bereits enthalten. Gleichzeitig werde weiterhin mehr als die Hälfte der Kunststoffabfälle in Deutschland energetisch verwertet. Der bvse-Fachverband sieht darin das Risiko einer zunehmenden Abhängigkeit von der Verbrennung, begünstigt durch fehlende Absatzmärkte für Rezyklate, anhaltenden Preisdruck und zusätzliche Importe von Kunststoffmaterialien aus Drittstaaten. Der Verband warnt zudem vor langfristigen Folgen für die Recyclinginfrastruktur. Mit der Aufgabe von Anlagen gehe auch spezialisiertes Know-how verloren, das mit Blick auf kommende regulatorische Anforderungen, insbesondere die geplanten Rezyklateinsatzquoten der EU-Verpackungsverordnung (PPWR), künftig dringend benötigt werde. Ein späterer Wiederaufbau dieser Kapazitäten sei kurzfristig kaum realisierbar. Vor diesem Hintergrund fordert der bvse-Fachverband Kunststoffrecycling eine differenzierte Bewertung der veröffentlichten Recyclingzahlen. Steigende Quoten allein seien kein geeigneter Maßstab für den Zustand der Kunststoffkreislaufwirtschaft. Entscheidend sei vielmehr, ob Rezyklate dauerhaft nachgefragt, eingesetzt und damit tatsächlich zur Ressourcenschonung beitragen. Ohne verlässliche Absatzmärkte und einen konsequenten Rezyklateinsatz durch Markenhersteller und Handel drohe die strukturelle Krise des Kunststoffrecyclings weiter zu bestehen. Weitere Informationen: www.bvse.de |
Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V., Bonn
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