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23.11.2020, 14:04 Uhr | Lesedauer: ca. 4 Minuten    

Karlsruher Institut für Technologie: Pilotprojekt „Chemisches Re­cyc­ling von Kunststoffen aus dem Automobilbau“ – Kooperation mit Audi

Mit Pyrolyseöl aus gemischten Abfällen wollen die Partner das Recycling von technischen Kunststoffen im Automobilbau möglich machen - (Bild: Markus Breig, KIT).
Mit Pyrolyseöl aus gemischten Abfällen wollen die Partner das Recycling von technischen Kunststoffen im Automobilbau möglich machen - (Bild: Markus Breig, KIT).
Der „Thinktank“ Industrielle Ressourcenstrategien am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) startet mit dem Automobilhersteller Audi ein Pilotprojekt für das chemische Recycling von gemischten Kunststoffabfällen, um solche Fraktionen zurück in einen ressourcenschonenden Kreislauf zu führen.

„Automobile Kunststoffe zu recyceln, ist bisher für viele Bauteile nicht möglich, deshalb leisten wir hier mit Audi Pionierarbeit“, sagt Professor Dieter Stapf, Leiter des Instituts für Technische Chemie am KIT und im „Thinktank“ engagiert. „Wenn wir die Kreisläufe schließen wollen, dann müssen wir hierfür geeignete Verfahren entwickeln.“ Chemisches Recycling sei bisher die einzige Methode, mit der es möglich sei, solche gemischten Kunststoffabfälle wieder in Produkte mit Neuwarenqualität umzuwandeln. Dadurch könne eine größere Bandbreite an Kunststoffen wiedergewonnen werden, so Stapf. „So geschlossene Materialkreisläufe sparen wertvolle Ressourcen, weil weniger Primärmaterial benötigt wird. Dies wiederum spart Energie und Kosten – und ist gut für die Umwelt“, sagt Dr. Rebekka Volk vom Institut für Industriebetriebslehre und Industrielle Produktion des KIT.

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Das Pilotprojekt „Chemisches Recycling von Kunststoffen aus dem Automobilbau“ führt der „Thinktank“ Industrielle Ressourcenstrategien durch, den die baden-württembergische Landesregierung gemeinsam mit der Industrie und mit Unterstützung der Wissenschaft am KIT eingerichtet hat.

Audi zählt zu den ersten Automobilherstellern, der diese Recyclingmethode in einem Pilotprojekt mit Kunststoffen aus der Automobilproduktion testet. „Wir wollen intelligente Kreisläufe in unseren Lieferketten etablieren und Ressourcen effizient einsetzen“, sagt Marco Philippi, Leiter Beschaffungsstrategie bei Audi. „Chemisches Recycling birgt hierfür großes Potenzial: Wenn Kunststoffbauteile ohne Qualitätsverlust anstatt aus Erdöl aus Pyrolyseöl hergestellt werden können, wäre es möglich, den Anteil an nachhaltig hergestellten Teilen im Auto signifikant zu erhöhen. Auf lange Sicht kann dieses Verfahren auch im Altfahrzeugrecycling eine Rolle spielen.“

Das Pilotprojekt „Chemisches Recycling von Kunststoffen aus dem Automobilbau“ zielt darauf, intelligente Kreisläufe für Kunststoffe zu schaffen sowie diese Methode als Ergänzung für mechanisches Recycling und anstelle energetischer Verwertung zu etablieren. Mit dem „Thinktank“ am KIT als Partner will Audi zunächst die technische Machbarkeit des chemischen Recyclings testen und das Verfahren auf Wirtschaftlichkeit und Umweltauswirkung bewerten. Das Unternehmen stellt dafür nicht mehr benötigte Kunststoff-Bauteile wie Kraftstofftanks, Radzierblenden oder Kühlerschutzgitter aus Audi-Modellen zur Verfügung, die beispielsweise aus dem deutschen Händlernetzwerk zurückkehren. Diese Kunststoff-Bauteile werden durch chemisches Recycling zu Pyrolyseöl verarbeitet. Mittelfristig können Bauteile aus Pyrolyseöl erneut in Automobilen verwendet werden. Gelingt es, die technische Machbarkeit nachzuweisen, will Audi das Verfahren industrialisieren und dann sukzessive auf mehr und mehr Teile anwenden.

Pyrolyseverfahren für nachhaltige Produkte
Forschung und Technologieentwicklung für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft sind ein Kernthema am KIT. „Wir untersuchen systematisch, was mit der Pyrolyse erreicht werden kann und wie Pyrolyseverfahren in großem Maßstab konzipiert werden müssen, damit Abfälle möglichst weitgehend rohstofflich verwertet werden können“, sagt Professor Dieter Stapf, Leiter des Instituts für Technische Chemie am KIT. Das chemische Recycling von Kunststoffabfällen könne so moderne Produkte nachhaltiger machen und Treibhausgasemissionen vermeiden.

Über den „Thinktank“ Industrielle Ressourcenstrategien
Der „Thinktank“ Industrielle Ressourcenstrategien ist eine gemeinsame Initiative von Politik und Industrie mit Unterstützung der Wissenschaft. Er berät Politik und Industrie auf wissenschaftlicher Basis in den zentralen technologisch-strategischen Fragestellungen zu Ressourceneffizienz, Ressourcennutzung und Ressourcenpolitik. Der „Thinktank“ trägt objektiv Daten und Fakten zusammen, bereitet sie verständlich auf und liefert Ergebnisse, die sowohl von der Politik als auch von der Industrie gleichermaßen anerkannt sind, und trägt damit wesentlich zu faktenbasierten Entscheidungen aller Beteiligten bei. Der THINKTANK wurde am 9. Januar 2018 gegründet und ist am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) angesiedelt. Sprecher des „Thinktanks“ ist Professor Thomas Hirth, Vizepräsident für Innovation und Internationales des KIT. Für die operative Leitung des „Thinktanks“ ist der Geschäftsführer Dr. Christian Kühne verantwortlich.

Der „Thinktank“ Industrielle Ressourcenstrategien ist gefördert aus Mitteln des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg.

Virtuelle Veranstaltung zum Chemischen Recycling
Eine Plattform, um über Chancen und Herausforderungen des chemischen Recyclings von Kunststoffen zu diskutieren, bietet die virtuelle Abendveranstaltung „Highway oder Holzweg – Chemisches Recycling von Kunststoffen“ am 25. Januar 2021 um 18.00 Uhr aus der Landesvertretung Baden-Württembergs in Berlin. Veranstalter ist das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft.

Weitere Informationen: www.audi.de, www.kit.edu, um.baden-wuerttemberg.de

Karlsruher Institut für Technologie, Karlsruhe

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